Laut Hersteller sind die Modelle der Serie 6.4 angetreten, unangefochtene Spitzenreiter ihrer Klasse zu sein. Die BauernZeitung hat getestet, was der Agrotron 6140.4 TTV von Deutz-Fahr wirklich kann.
Der Deutz-Fahr 6140.4 hat interessante Gene. Er kombiniert die stufenlose 4-Zylinder-SDF-Grundmaschine aus Italien mit dem Fahr- und Bedienkomfort der stärkeren Traktoren aus dem deutschen Lauingen.
Vibrationsarme Kabine

Das Fahrerhaus sitzt vorne auf „Hydro Silent-Blöcken“. Diese reduzieren im Vergleich mit herkömmlichen Lagerungen die vom Fahrer wahrgenommenen Vibrationen laut Hersteller um 40 Prozent. Hinten ist unter der Kabine eine echte Luftfederung montiert. Sie passt den Luftdruck kontinuierlich an. Bei abgestelltem Motor kann man das beim Auf- und Absteigen sogar hören. Also Federungskomfort erster Klasse, vibrationsarm und leise.
Breit, rutschfest und bei Dunkelheit vorbildlich beleuchtet ist der Aufstieg. Die Trittstufen sind am Tank angebaut. Gut ist auch die Rundumsicht aus der Sechspfostenkabine. Das verdickte Auspuffrohr vor der A-Säule rechts stört kaum. Etwas erschwert: die Sicht auf die Heck-Koppelpunkte durch die Druckluft- und Hydraulikanschlüsse.
Bis zu 23 LED-Arbeitsschweinwerfer lassen nachts die Umgebung taghell erscheinen, gut beleuchtet sind auch die Koppelpunkte. Verbessert wurde die bei Deutz-Fahr-Traktoren gelegentlich kritisierte Klimaanlage. Der Luftstrom ist mittels rundum platzierter Düsen individuell optimierbar.
Trotz breiter Bedienarmlehne sind die Platzverhältnisse auch für stärkere Fahrer in Ordnung. Der Beifahrersitz ist klappbar und gepolstert.
Bedienung mit iMonitor und MaxCom-Armlehne

Grundsätzlich sind viele Funktionen alleine mithilfe des Armaturenbrettbildschirms einstellbar. Der 12-Zoll-Monitor an der Armlehne mit Knöpfen, Reglern und „MaxCom“-Joystick erweitert den Funktionsumfang beträchtlich, auch im Hinblick auf Automatisierung von Arbeitsschritten, Smart Farming und Konnektivität mit Arbeitsgeräten und überbetrieblichem Datenaustausch. Die XTEND-Funktion des iMonitors ermöglicht die gleichzeitige Anzeige des Lenkbildschirms oder die Steuerung eines ISOBUS-Geräts etwa auf einem zusätzlichen (günstigen) externen Tablet.
Beim Erlernen der Bedienung eher verwirrend sind die kunstvollen Marketing-Namen im Prospekt. Leichter tut man sich mit den trivialen Bezeichnungen in der Betriebsan-
leitung. In dieser heißen die „Jolly Buttons am MaxCom-Joystick“ simpel „frei programmierbare Tasten am Fahrhebel“: Damit ist klar, was gemeint ist. Bereits nach wenigen Stunden am Traktor entdeckt man, wie durchdacht und einfach logisch der Deutz-Fahr handhabbar ist.
Das Farbsystem ist eindeutig: Orange steht für Motor- und Getriebefunktionen, Blau für die Hydrauliksteuergeräte, Grün für die Hubwerke und Gelb für die Zapfwellen. Ist die Bediensoftware mit allen Feinheiten optimal eingerichtet, wird das Arbeiten zum Vergnügen, mit einem Hauch von Flugzeugcockpit. Während der Feldarbeit bleibt die rechte Hand meist am Fahrhebel, wenige Fingerbewegungen genügen. Wer fürchtet, dass ein ungeübter Fahrer etwas falsch einstellt, kann auf drei unterschiedlichen Niveaus am Bildschirm angezeigte Optionen einschränken.
Kräftiger Vierzylinder

Der Motor zieht im ganzen Drehzahlbereich wirklich gut vom Standgas weg. Dank Hochdruck-CR-Einspritzung und elektronisch angesteuertem VTG-Turbolader ist sein Ansprechverhalten bei Laständerungen tadellos, der ebenso elektronisch gesteuerte Visco-Lüfter senkt Leistungsverluste und Kraftstoffverbrauch.
Den Serviceaufwand reduzieren wartungsfreie hydraulische Stößel und wechselbare Zylinderlaufbuchsen. Im Transport dank Stufenlosgetriebe sowieso sparsam, zeigte sich der Vierzylinder auch bei schwerer Bodenbearbeitung mit einem Drei-Meter-Grubber im hügeligen Gelände beim Dieselverbrauch genügsam.
Limitierend wirkt bei schweren Anbaugeräten nicht die Hubkraft, die mit den 100-mm- Hubzylindern bis über neun Tonnen in den Koppelpunkten beträgt, sondern die erlaubte Hinterachslast von nur 6,5 Tonnen.
Ein wichtiges Sicherheitsargument gerade für Stufenlostraktoren bietet Deutz-Fahr mit dem „aTBM – advanced Trailer Break Management“ und der „TrailerStretch“-Funktion. Das System korrigiert lastabhängig den pneumatischen Druck der Anhängerbremse für ein optimales Bremsverhalten von Traktor und Anhänger.
Lenksystem mit Optionen

Das integrierte RTK-Lenksystem (Antenne Agrosky SR20 PRO / Topcon AGS-2 RTK) bietet umfangreiche Möglichkeiten bis hin zu Flottenmanagement und Datenaustausch mit Farmmanagementsystemen. Es lenkt bei gutem Signalempfang zentimetergenau. Unser Testeinsatz nahe der Slowakei führte je nach Terrain (Senken) dazu, dass das CTM-Modem öfters das Handynetz, den Überträger des NTRIP/RTK-Korrektursignals, wechselte. Dadurch wurde die Lenkung zunehmend ungenau und nach einigen Stunden ein Neustart nötig.
Die serienmäßige „fallback“-Funktion heißt im iMonitor „Sicherungssystem“ und ist unter den RTCM-Einstellungen aktivierbar. So kann der Traktor mit geringerer Genauigkeit weiter lenken. Der optional buchbare Zusatzdienst „Skybridge“ (730 Euro p.a.) hätte bis zu 20 Minuten genaue Überbrückung gebracht.
Potenzial für die Oberliga
Fazit: Der Agrotron 6140.4 TTV von Deutz-Fahr ist ein kräftiger und zugleich sparsamer Vierzylinder und im Ackerbau- und Gemischtbetrieb wirklich ein „geschickter Allrounder“ – zweifellos mit dem Potenzial, in der Oberliga mitzumischen. Da das Softwareproblem der elektronischen Feststellbremse gelöst ist (siehe „Notizen“ oben) und der Traktor eine hervorragende Kombination italienischer und deutscher Wertarbeit ist: eine klare Preis-Leistungs-Empfehlung.
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NOTIZEN AUS DEM TESTTAGEBUCH
Die Schmierintervalle liegen im üblichen 50-Stunden-Bereich, für kleinere Pflegearbeiten gilt: alle 300 Stunden. Motorölwechsel nach 600 Stunden oder maximal zwei Jahren, alle 1.200 Stunden stehen umfangreichere Wartungen an. Alle Wartungspunkte sind gut zugänglich, auch an ausziehbare Schutzgitter vor dem Wasserkühler hat man gedacht.
Der 6140.4 funktionierte mechanisch tadellos, dennoch stehen kritische Notizen im Testtagebuch – verursacht von einer mittlerweile veralteten Software am Traktor. So sorgte die automatische Feststellbremse (die von einer separaten 12V-Spezialbatterie jederzeit mit Strom versorgt wird) bei der Testmaschine mehrmals für Ärger. Sie aktivierte sich zuverlässig, löste aber nicht immer. Deutz-Fahr hat inzwischen auf den Testtraktor eine neue Software-Version aufgespielt und hält dazu fest, dass mit dieser das Problem behoben ist. Weiters erschienen gelegentlich am Display „vorsorgliche“ Meldungen, etwa dass demnächst ein Vorfilter zu tauschen sei. Das mag manchmal nerven, ist aber sicher gut, um Gefahren für den Traktor zu minimieren, weil der Traktor im Hintergrund mitdenkt.
DIE BAUREIHE 6.4
Deutz-Fahr 6.4, das sind kompakte, wendige Traktoren im mittleren Leistungssegment von rund 130 bis 170 PS. Drei davon (6130.4, 6140.4 und 6150.4) treibt ein Farmotion-Motor mit 3.850 cm³ Hubraum an, zwei Modelle (6160.4 und 6170.4) ein Deutz TCD 4.1 mit 4.038 cm³ Hubraum. In der Typenbezeichnung steht die dreistellige Ziffer nach der “6“ für die ungefähre Nennleistung, „4“ nach dem Punkt für Vierzylindermotoren.
Die Modelle 6160.4 und 6170.4 sind mit Powershift (fünf Gruppen mit je sechs Lastschaltstufen), der robotisierten Komfortschaltung RCshift (ebenso fünf Gruppen mit je sechs Lastschaltstufen) und stufenlosem TTV-Getriebe erhältlich. Für die drei leichteren Modelle mit 136, 147 und 156 PS Maximalleistung sind folgende zwei Getriebevarianten verfügbar: RVshift als „Full-Powershift-Konzept“ mit 20 Vorwärts- und 16 Retourgängen sowie TTV. Verglichen mit der Reihe 6C bieten diese drei Typen neben mehr Motorleistung eine höherwertige Kabine, höhere Hubkräfte und Achslasten sowie zwei Tonnen mehr zulässiges Gesamtgewicht.
Die Ausstattungsoptionen variieren vor allem in den Hydraulikkomponenten: Von der 90-l/min-Konstantstrompumpe mit mechanischen Steuergeräten bis zur 120-l/min-“Load Sensing“-Pumpe mit elektronischen Steuergeräten und „Power Beyond“ sind viele Kombinationen bestellbar – immer mit drei Zapfwellengeschwindigkeiten bei den kleineren Modellen und mit vier bei 6160.4 und 6170.4.
Agrotron 6140.4 TTV auf einen Blick

Motor
• SDF Farmotion 45 Stage V KF2 4108VTA, 4 Zylinder, 3,85 l Hubraum• DOC+DPF+SCR-Abgasnachbehandlung, plus externe gekühlte AGR
• Nennleistung: 102,4 kW/139 PS
• Maximalleistung: 108 kW/147 PS bei 2000 Motor-Upm
• Max. Drehmoment 622 Nm, bei 1.400 Motor-Upm
• 260 l Dieseltank; 25 l Tank für AdBlue (5 bis 10 % des Dieselverbrauchs)
Getriebe
• Stufenloses 0-50 km/h „SDF T5660 CVT (TTV)“ mit Grundbereichen „normal“ /„heavy duty“, automatisch während der Fahrt oder manuell schaltbar
• Automatikmodus, manueller Modus und Zapfwellenmodus
• „Power Zero“, aktive Stillstandsregelung plus elektronische Parkbremse
• 40 km/h schon mit 1415 Motor-UpM, 50 km/h mit 1765 Motor-UpM
• Lastschaltbare Wendeschaltung beim Lenkrad und auf Armlehnen-Joystick
• Innerer Wendekreis ab 4,9 m möglich, 5,3 m mit breiter Bereifung
• Zapfwelle: 540, 540 eco und 1000, Wegzapfwelle optional; automatisches Aus- und Einschalten abhängig von der Hubwerkshöhe programmierbar.
Hydraulik
• Load sensing mit 120 l/min
• Bis zu fünf elektrische Steuergeräte im Heck, plus zwei an der Front, plus Fronthubwerk separat
• Entnehmbare Hydraulikölmenge: bis zu 45 l
• Max. Hubkraft Heck (Kat. 3N): 9.170 kg bei max. 6.500 kg Hinterachslast
• Max. Hubkraft Front (Kat. 2): 3.000 kg bei max. 4.500 kg Vorderachslast
• 6.740 kg Eigengewicht mit Fronthydraulik, 38-Zoll-Bereifung, Frontzapfwelle
• Höchstzulässiges Gesamtgewicht: 10.500 kg
- Bildquellen -
- Fahrersicht: Krönigsberger
- Bedienarmlehne: Krönigsberger
- Heck: Krönigsberger
- Aufmacherbild Web: Krönigsberger