Bayer erzielt Vergleich mit Glyphosat-Klägern

Mehr als zehn Milliarden Dollar wird der deutsche Bayer-Konzern aufwenden, um mit amerikanischen Klägern im Streit um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat einen Vergleich zu erzielen. Allerdings bleiben noch Tausende Einzelfälle offen. An den Börsen lautet die Empfehlung zur Bayer-Aktie nun mehrheitlich auf „kaufen“.

In Österreich spielt Glyphosat eine wichtige Rolle bei der erosionsmindernden reduzierten Bodenbearbeitung. Das "Totspritzen" von Ackerkulturen ist hierzulande bereits sei vielen Jahren verboten.

Mehr als zehn Milliarden US-Dollar bzw. über neun Milliarden Euro wird der deutsche Chemiekonzern Bayer aufwenden, um die mit US-Klägern anhängigen Verfahren zu den behaupteten Krebsrisiken des Herbizids Round Up (Wirkstoff Glyphosat) beizulegen. Dies teilte das Unternehmen am 24. Juni mit. Laut Bayer-Vorstandsvorsitzendem Werner Baumann sei mit dem Vergleich „der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt“ gelungen. Eine lange Periode der Unsicherheit sei damit beendet.

Glyphosat, Dicamba und PCB

Der nun vorliegende Vergleich betrifft etwa 75 Prozent der in den USA anhängigen Round Up-Verfahren. Insgesamt sollen etwa 125.000 Klagen eingereicht oder noch in Vorbereitung sein. In der Vergleichssumme bereits einkalkuliert sollen auch Ansprüche sein, die aus noch offenen oder künftigen Klagen entstehen könnten. Bayer bestreitet entgegen der Behauptung der Kläger, dass Glyphosat Krebs verursache. Der Druck in Richtung einer Vergleichslösung war deshalb sehr groß, weil Bayer in drei Verfahren Schuldsprüche hinnehmen musste. Der Konzern ist in diesen Verfahren in Berufung gegangen. Trotz des nun geschlossenen Vergleichs will Bayer diese Verfahren auch zu Ende führen.
Weiters hat Bayer auch Einigungen in US-Klagen aufgrund des Herbizids Dicamba erzielt. Bei diesem Verfahren geht es um angebliche Ernteschäden durch Dicamba. Von diesen Klagen ist auch der Chemiekonzern BASF betroffen, wo man derzeit berät, ob man bei dem durch Bayer erzielten Verhandlungsergebnis mitzieht.
Bayer erwartet zudem, auch einen dritten Streitpunkt beilegen zu können. Dieser betrifft Schäden an Mensch und Umwelt durch Industriechemikalien aus der Gruppe der Polychlorierten Biphenyle (PCB). Diese wurde u.a. als Baudichtmassen, als Zusatz zu Transformatorenölen oder in Elektronikbauteilen eingesetzt. Die Problematik stammt ursprünglich aus Klagen, die bereits gegen das nun zu Bayer gehörende Unternehmen Monsanto erhoben wurden. PCB sind in den USA seit 1979 verboten, in der Folge wurden auch in Europa Verbote erlassen.

Folgekosten der Monsanto-Übernahme

Im Wesentlichen sind die nun vor der Beilegung stehenden Verfahren die Folgen der Übernahme des amerikanischen Monsanto-Konzerns durch Bayer im Jahr 2018. Bayer hat für diesen Kauf rund 60 Milliarden Dollar aufgewendet.
Vor allem die Glyphosat-Klagewelle in den USA hat die Kurse der Bayer-Aktie zum Verfall und den Sessel von Bayer-Vorstandschef Baumann zum Wackeln gebracht. Finanziell ist der Konzern für den Vergleich aber gut gerüstet. Beispielsweise wird Bayer aus dem bis Mitte dieses Jahres geplanten Verkauf der Sparte Tiermedizin an das US-Unternehmen Elanco Animal Health etwa 7,6 Milliarden Dollar erzielen. Baumanns Position ist nun stärker denn je.

Rückenwind für den Aktienkurs

Für den Kurs der Bayer-Aktie bedeutet die bekanntgegebene Einigung Rückenwind. Seit Donnerstag Abend ist die Aktie deutlich im Plus in einem ansonsten recht verhaltenen Umfeld. Ausgehend von etwa 70 Euro bewirken Kursziele von zumindest 74 Euro, oder auch noch deutlich mehr, Erleichterung bei den Anlegern. Die Analysten der Großbanken stellten ihre Einstufung der Aktie großteils auf „kaufen“. Bayers Pharmageschäft gilt als mittelfristig “robust”, der Bereich Agrarchemie habe das Potenzial für eine “herausragende Marktstellung”.

Antrag auf Glyphosatwiederzulassung

Der Wirkstoff Glyhposat ist in der EU noch bis Ende des Jahres 2022 zugelassen. Seitens der Agrachemie-Hersteller (Glyphosate Renewal Group) wurde bereits eine Wiedergenehmigung für eine Laufzeit von 15 Jahren beantragt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) kamen zu dem Schluss, dass die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse der Einschätzung der WHO-Krebsforschungsagentur IARC widersprechen, die Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hat. Auch die US-Umweltbehörde EPA stuft Glyphosat bei vorschriftsmäßigem Gebrauch nicht als Gesundheitsrisiko ein. 
Im Rahmen des Vergleichs in den USA hat Bayer zugestimmt, ein fünfköpfiges Wissenschaftsgremium einzurichten, das in der Frage, ob Glyphosat Krebs verursache oder nicht, binnen vier Jahren zu einem Ergebnis kommen soll.

- Bildquellen -

  • Senf Totspritzen ID29226 Web: agrarfoto.com
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