Zu wenig Schlachttiere, zu wenig Absatz.

Wie die beiden Verbände der Fleischwirtschaft (VDF) und der Wurst- und Schinkenproduzenten (BVWS) bei ihrer gemeinsamen Jahrestagung erklärten, sind die sinkenden Tierbestände bei Schweinen und Rindern ein großes Problem. Dies sei – insbesondere bei den Schweinen – auch auf die aktuelle Agrarpolitik der deutschen Ampelregierung in Berlin zurückzuführen, so deren Kritik. Die Schlachtbetriebe hätten mit einem geringeren Schlachttieraufkommen zu kämpfen, bei gleichzeitig immer größer werdenden Belastungen durch die Energiekrise sowie hohe Preise und Löhne. „Die geplanten nationalen Alleingänge in der Gesetzgebung der Ampelkoalition erschweren den Zugang zum europäischen Markt, der für unsere Branche von großer Bedeutung ist“, betonten VDF und BVWS.

Schrumpfender Markt

Zu schaffen macht der Fleischbranche auch der rückläufige Fleischverbrauch. Aktuell gebe es eine spürbare Kaufzurückhaltung wegen der Inflation. Aber auch langfristig nehme der Fleischverzehr ab. So sei dieser zuletzt um 4,2 auf 52 Kilogramm je Kopf gesunken. Gekauft werde vor allem viel weniger Schweinefleisch. Dazu trage auch die „massive Negativberichterstattung über die angeblich schädlichen Auswirkungen der Fleischproduktion auf die Umwelt, insbesondere die Treibhausgasemissionen“ bei, monierten die Branchenverbände.

Die Fleischproduktion in Deutschland ist 2022 gegenüber dem Vorjahr um 7,9 Prozent auf 7,56 Mio. Tonnen gesunken, so stark wie noch nie seit der Wiedervereinigung Deutschlands. Immerhin: Aufgrund der höheren Preise nahm der Erlös aus dem Wurstverkauf ohne Schinken um 16,5 Prozent auf 8,5 Mrd. Euro zu. Eingebrochen sind 2022 auch die Exporte der Fleischwirtschaft um 6,2 Prozent, wenn auch bei steigenden Erlösen um 16,7 Prozent auf fast 10 Mrd. Euro. Aufgrund der anhaltenden Probleme mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und bestehenden Einfuhrverboten war der Drittlandsexport von Schweinefleisch um ein Drittel rückläufig, nachdem er sich ein Jahr zuvor schon halbiert hatte.

Wachsende Nische

Indes hat die Produktion von Fleischersatzprodukten im Nachbarland deutlich zugelegt. 2022 wurden davon gut 104.000 Tonnen produziert; um 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2019 ist die Produktion um 72,7 Prozent gewachsen. Der Verkaufswert ab Werk von Tofuwurst, Sojabratlingen oder Veggie-Burgern als vegetarische Ersatzprodukte lag 2022 bei 537,4 Mio. Euro und übertraf damit das Vorjahresniveau um 17,3 Prozent. Insgesamt 51 Unternehmen produzierten im vergangenen Jahr diese Waren in Deutschland; 2021 waren es noch 44. Dennoch nehmen Fleischersatzprodukte am gesamten Fleischmarkt bisher nur eine Nischenstellung ein.

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  • Schlachthof: INDUSTRIEBLICK - STOCK.ADOBE.COM
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AUTORRed. BW
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