120 Jahre Tiroler Bauernbund: Tief verwurzelt, weit verzweigt

Anlässlich des Jubiläums luden die Obmänner Josef Geisler und Daniel Gasser gemeinsam mit Zeitzeugen und Wegbegleitern nach Sterzing.

Die Verbundenheit besteht, meinen die beiden Bauernbundobmänner Daniel Gasser (Südtirol) und LH-Stv. Josef Geisler (Nord- und Osttirol).

Vor 120 Jahren, am 5. Juni 1904, ist in Sterzing von 7.000 Bäuerinnen und Bauern der Tiroler Bauernbund gegründet worden. Grund dafür war unter anderem die schlechte Lage vieler bäuerlicher Familien. Seit damals bestimmen der Südtiroler und der Tiroler Bauernbund die Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes maßgeblich mit.

Geschlossenheit über Grenzen hinweg

„Eine Stärke des Tiroler Bauernbundes ist der Zusammenhalt. Nur so gelingt es immer wieder, bäuerlich gesinnte Entscheidungsträger auf allen politischen Ebenen zu haben. Vom Gemeinderat bis hin zum Landwirtschaftsminister haben wir derzeit Menschen, die sich aktiv für die Anliegen unserer heimischen Bergbauernfamilien einsetzen und ganz genau wissen, wo der Schuh drückt“, so Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler im Zuge des Pressegesprächs in Sterzing. Er erwähnte in diesem Zusammenhang auch das starke Versammlungswesen, in dessen Zentrum der direkte Austausch mit den Menschen vor Ort steht. Des weiteren die Bauernbund-Urwahl, die durch die basisdemokratischen Wahlen auf Orts-, Gebiets-, Bezirks- und Landesebene die feste und gesunde Wurzel einer erfolgreichen Bauernbundarbeit darstellt, weil somit Menschen in Gremien gewählt werden, welchen Bäuerinnen und Bauern wirklich ihr Vertrauen schenken. „Der Bauernbund hat jedoch von Beginn an auch über den bäuerlichen Tellerrand hinausgeblickt und war von Anfang an auch für die gesamte ländliche Bevölkerung ein Sprachrohr. So sind beispielsweise der Gemeindeverband, die Jungbauernschaft/Landjugend, der Landeskulturfonds und die Sektion Forum Land aus dem Bauernbund heraus entstanden.“

Auch die Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg hat sich in der Vergangenheit bewährt. Dazu meinte der Südtiroler Landesobmann Daniel Gasser: „Auch wenn die Gesetzeslagen in Italien und Österreich unterschiedlich sind, so können wir bei vielen bäuerlichen Herausforderungen gemeinsam an Lösungen arbeiten. Vor allem was die Interessen der Berglandwirtschaft in der EU betrifft konnten wir bereits viele gemeinsame Vorstöße machen, deswegen bin ich über die grenzübergreifende Zusammenarbeit sehr froh und dankbar“, so Daniel Gasser, der sich mit seinen Südtiroler Funktionären regelmäßig zu Arbeitssitzungen mit dem Tiroler Bauernbund trifft.

Beide Obmänner sind sich darin einig, dass zukünftig der Zusammenhalt noch wichtiger werden wird. „Es darf nicht passieren, dass wir uns durch Zurufer und Populisten, die mit reißerischen Forderungen und Ansagen die Gunst der Massen gewinnen wollen, auseinanderdividieren lassen. Dann verlieren wir unsere Stärke und müssen hinnehmen, dass Menschen über die Landwirtschaft und ihre Zukunft entscheiden, die überhaupt nichts mit den Bauernfamilien, den Arbeitsabläufen, der Tierhaltung etc. zu tun haben.“

Bauernschaft im Mittelpunkt

Kathi Horngacher, ehemalige Landtagsabgeordnete, Nationalrätin und Landesbäuerin, war als Zeitzeugin in Sterzing dabei. „Im Zentrum unserer Arbeit standen immer die Menschen. Es gab viel zu tun. Besonders wichtig war mir immer die Absicherung der Frau am Hof. Zu der Zeit, als ich in der Politik tätig wurde, gab es für Bäuerinnen keine Pension, kein Kindergeld, keine Karenzansprüche und dabei leisteten ganz viele Frauen unverzichtbare Arbeit in Haus und Hof – in den meisten Fällen ein Leben lang. Hier wurde politisch sehr viel erreicht.“

Der Obmann der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend Christoph Pirnbacher warf einen Blick in die Zukunft. „Bei der Gründung des Bauernbundes vor 120 Jahren waren rund 80 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, heute sind es gerade einmal noch rund fünf Prozent. Umso wichtiger wird es auch in Zukunft sein, dass wir zusammenhalten und gut organisiert bleiben. Die Aufgaben der Landwirtschaft werden nicht weniger und gewinnen immer mehr an Bedeutung. Die Herausforderungen wachsen und die Wege, die Jungübernehmer einschlagen, sind oftmals neue. Essenzielles Anliegen muss es sein, eine möglichst umfassende Absicherung der Eigenversorgung sicherzustellen. Erst in der Coronapandemie mussten wir alle erkennen, dass zu große Abhängigkeiten von Importlebensmitteln schnell in existenzielle Krisen führen kann. Deswegen braucht es Leute mit Herzblut, Fachwissen und Hausverstand, die mit einer beständigen Wertehaltung auf allen politischen Ebenen mitentscheiden. Sonst werden andere über uns entscheiden, denen die Bauernfamilien und ländliche Bevölkerung fremd sind. Deswegen braucht es den Bauernbund mehr denn je.“

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AUTORRed. HP
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