
Nach dem herausfordernden Kürbisjahr 2023 war 2024 für viele Bauern die Ausgangslage zum Anbau deutlich besser. Mit dem Beizmittel Redigo M wurde wieder ein ausreichender Schutz geboten. Entsprechend ist die Anbaufläche im Vorjahr leicht auf 33.059 Hektar (+16 %) gestiegen. Die Frühjahrsbedingungen waren je nach Region sehr unterschiedlich. In den Gebieten, die von extremen Wetterbedingungen verschont blieben, konnten sich die Kürbisflächen im Frühjahr gut entwickeln. In Teilen der Steiermark kam es jedoch nach dem Auflaufen zu Überschwemmungen, die die Pflanzen teilweise komplett absterben ließen oder stark beeinträchtigten. Im Osten Österreichs führte die Hitze in den Sommermonaten indes zu verminderter Ertragsleistung.
Die Ernte erfolgte aufgrund der vielen Hitzetage deutlich früher als sonst. Insgesamt konnten 2024 über 22.811 Tonnen Kürbiskerne geerntet werden, aufgrund des schwachen Vorjahres ergab das ein Plus von fast der Hälfte. Das Ertragsniveau lag mit 6,9 Dezitonnen je Hektar im durchschnittlichen Bereich. Die Erträge fielen in Niederösterreich (7 dt/ha) etwas höher aus als in der Steiermark (6,7 dt/ha).
Zwei neue Sorten
Im Dezember konnten zwei Ölkürbissorten in die Österreichische Sortenliste neu aufgenommen werden. GL Lukas ist sehr großkernig mit hohem bis sehr hohem Ölgehalt. Der Hybrid blüht früh und zeigt mit Reifenote 5 eine mittlere Abreife, ähnlich wie GL Rustikal. Die Sorte bildet kurze Ausläufer, zeigt mittleren Fruchtansatz und einen hohen Kornertrag. GL Lukas weist mittlere bis starke Virussymptome und starke Mehltauanfälligkeit auf. Mit GL Napoleon wurde eine weitere Backsaatensorte zugelassen. GL Napoleon zeigte in den AGES-Versuchen ein sehr hohes Ertragspotenzial und übertraf alle Vergleichssorten im Korn- und Ölertrag. Der Ölgehalt ist sehr hoch. Die Sorte reift mittel bis spät (Reifenote 6), ähnlich der Backsaatensorte GL Franz ab. Der Fruchtansatz ist sehr hoch bei einem geringen Anteil an faulen und kleinen Früchten. Die Anfälligkeit für Viruserkrankungen ist mittel bis stark, für Mehltau mittel ausgeprägt. Aufgrund der kleinen Kerne ist die Sorte gut als Backsaat geeignet.
Bekannte Namen im mehrjährigen Vergleich
GL Rudolf, eine Ölkürbissorte, die auch in der Praxis sehr stark vertreten ist, konnte sich aufgrund ihrer stabil hohen Erträge der vergangenen Jahre als Standardsorte etablieren. GL Rudolf brachte in den AGES-Versuchen auch heuer wieder sehr gute Leistungen. Die Sorte reift etwas später als GL Rustikal bei einer ähnlich guten Fäulnisresistenz. Der Hybrid zeigt eine rasche Jugendentwicklung, blüht früh und bildet kurze Ausläufer. Dem Hybriden sehr ähnlich ist die Sorte GL Ferdinand, die ebenso mit Reifenote 6 eine mittlere bis späte Abreife und eine ebenso geringe Fäulnisanfälligkeit zeigt. GL Ferdinand zeichnet sich durch seine großen Früchte, das hohe Tausendkorngewicht und einen hohen Ölgehalt aus. GL Atomic (Zulassung 2018) zählt sowohl in Niederösterreich als auch in der Steiermark zu einer der Hauptsorten. GL Atomic punktet mit seiner frühen bis mittleren Reife (Reifenote 4) und einem hohen Ölgehalt. GL Atomic wird aufgrund der stabilen Erträge als Standardsorte verwendet. Um sein hohes Ertragspotenzial voll ausschöpfen zu können, benötigt GL Atomic gute Böden.
GL Leopold zeigt eine frühe bis mittlere Abreife (Reifenote 4), ähnlich wie GL Atomic mit einer geringen Fäulnisanfälligkeit. Die Sorte bildet kurze Ausläufer, ist raschwüchsig und blüht früh. Die Anfälligkeit für Virosen, Mehltau und für krankheitsbedingte Blattwelke ist mittel ausgeprägt. GL Leopold zeigte hohe Korn- und Ölerträge. Der Hybrid verfügt über einen hohen Fruchtansatz und weist eine gute Kornausbildung auf. GL Josef ist ein langtriebiger Rankentyp mit mittlerer bis rascher Jugendentwicklung und früher Blüte. Der Hybrid zählt zu den früheren Sorten und reift ähnlich wie GL Inka ab. GL Josef vereint einen hohen Fruchtansatz mit einem geringen Anteil an kleinen Früchten. Die Sorte konnte 2024 in den AGES-Versuchen vor allem im Trockengebiet ihre guten Ertragsleistungen der Vorjahre nur teilweise bestätigen. GL Josef zeigt trotz früherer Reife eine geringe bis mittlere Fäulnisanfälligkeit. GL Ludwig mit früherer Reife (Reifenote 4) bildet kurze Ausläufer, ist raschwüchsig, blüht früh und reift früh bis mittel, ähnlich wie GL Atomic, ab. GL Ludwig verfügt über einen hohen Fruchtansatz und eine sehr gute Kornausbildung.
Pablo, eine österreichische Züchtung der Saatbau Linz, ist ein Rankentyp, der lange Ausläufer bildet, zeigt eine mittlere bis rasche Jugendentwicklung und blüht früh. Pablo ist in der Abreife sehr früh bis früh (Reifenote 2) und liegt damit noch deutlich vor GL Inka. Der Hybrid verfügt über einen mittleren Fruchtansatz und eine mittlere Fruchtfäuleanfälligkeit. Ölgehalt und Tausendkornmasse sind mittel bis hoch ausgeprägt. Im Kornertrag liegt die Sorte etwas unter den später abreifenden Vergleichssorten. Pablo ist aufgrund seiner frühen Reife interessant. Diese ermöglicht eine zeitigere Ernte und erweitert das Erntefenster nach vorne.
Die bereits langjährig registrierte Sorte GL Rustikal (Zulassung 2010) zeichnet eine gute Fäulnisresistenz aus. GL Rustikal zeigte 2024 wieder konstant solide Ertragsleistungen, auch wenn sie mit den neueren Sorten ertraglich nicht ganz mithalten kann. GL Albert ist ein raschwüchsiger Hybrid mit kurzen Ausläufern, blüht früh und ist in der Abreife GL Rustikal ähnlich. Die Sorte zeigt ein sehr hohes Ertragspotenzial, einen hohen bis sehr hohen Ölgehalt und liegt auch im Ölertrag im Spitzenfeld. GL Albert hat einen mittleren Fruchtansatz und bildet sehr große Kerne aus. Die freiabblühende Sorte GL Ruprecht ist für den Bioanbau interessant. Sie bildet als Rankentyp lange Ausläufer, zeigt eine mittlere Jugendentwicklung und Blütezeit und reift spät ab. Die recht gesunde Sorte mit einem nur geringen Anteil an faulen Früchten übertraf die ebenso freiabblühende Sorte GL Classic im Korn- und Ölertrag deutlich und zeigte auch Vorteile im Ölgehalt. Die Hybridsorten werden ertraglich nicht erreicht. GL Ruprecht verfügt über eine sehr gute Kornausbildung.
GL Inka, bereits 2017 zugelassen, ist ein Rankentyp mit früher Reife (Note 3). Die Sorte zeigt solide Ertragsleistungen im Trockengebiet und ermöglicht einen früheren Erntebeginn. GL Inka muss zeitgerecht geerntet werden, um Fäulnisverluste zu vermeiden. Durch ihre Langtriebigkeit kann sie Fehlstellen gut kompensieren. Vom frühreifenden Hybrid Beppo gibt es keine aktuellen Ergebnisse mehr. Beppo wird aber vermarktet, denn seine sehr frühe Abreife bietet die Möglichkeit, Arbeitsspitzen bei der Kürbisernte zu entzerren. Die Sorte sollte wegen Fruchtfäuleanfälligkeit aber bald nach der Abreife geerntet werden. GL Vincent hat beschalte Körner und wird für Knabberkerne und nicht zur Ölherstellung verwendet. Der hohe Schalenanteil erklärt zum Teil auch seine guten Ertragsleistungen. Dagegen ist der Ölgehalt wegen der verholzten Schale niedrig.
Backsaaten im Test
Neben dem neu registrierten GL Napoleon wurden bereits 2023 nach zweijähriger Prüfung drei Ölkürbissorten mit zusätzlicher Eignung für Backwaren zugelassen. Die registrierten Ölkürbissorten mit Backwareneignung sind etwas später reifend (ähnlich GL Rudolf mit Reifenote 6), ihre Besonderheit sind die kleinen bis sehr kleinen Kerne (APS 2 bis 4). Zu diesen Sorten zählt GL Franz, eine Sorte mit hohem Ertrag und sehr geringer Fruchtfäuleaber etwas erhöhter Virosenanfälligkeit. GL Frodo zeigte ebenso gute Fruchtfäuletoleranz. Ein weitere kleinkernige Sorte ist GL Olaf.
Ergebnisse nach Regionen
Die gesamte beschreibende Sortenliste für Ölkürbis ist hier abrufbar.
- Bildquellen -
- Ölkürbis im Zweiblattstadium 3 ID97673: agrarfoto.com