EU-Zuckervorrat reicht nur bis Ende August

Nach geringer Ernte im Vorjahr rechnen Marktexperten ab dem Sommer mit nötigen Zuckerimporten. Foto: Amarinj -Stock-adobe.at

Nach einer in Summe schlechten Zuckerrübenernte in der EU, sowie insbesondere in Polen und Frankreich, wird Zucker zunehmend zu einem gefragten Gut. In der laufenden Saison sei der EU-Zuckermarkt nur knapp versorgt, so Hermann Josef Schmitz vom deutschen Zucker-Unternehmen Pfeifer & Langen in Köln gegenüber dem Agrarportal agrarheute.de. Schmitz rechnet sogar mit einem Importbedarf. Laut Daten aus der EU-Kommission und von Pfeifer & Langen werde die EU-Zuckerproduktion mit 16,3 Mio. t um fast zehn Prozent kleiner ausfallen als im Vorjahr, durch den Wegfall der britischen Produktion sogar um 15 Prozent.

Zuckerpreis bleibt unerklärbar gering
Daher könnte die europäische Zuckerindustrie schon ab Ende August nicht mehr in der Lage sein, die Versorgung zu gewährleisten, befürchtet Schmitz. Die Lücke bis zur neuen Ernte müssten dann voraussichtlich Importe füllen.
Als Ursachen ortet der Manager den verminderten Rübenanbau in Frankreich und Deutschland, verbunden mit der Stilllegung von fünf Fabriken sowie schwachen Ernten in Frankreich und Polen nach Trockenheit und Krankheiten. Trotz des knappen Angebots bewegt sich der Zuckerpreis auf kaum erklärbar geringem Niveau. Es könnte sein, dass die Unsicherheiten aus der Corona-Pandemie die Preisentwicklung hemmen, so Schmitz. Andere Marktbeobachter vermuten, dass sich die Industrie mit langfristigen Kontrakten an das nun zu niedrige Preisniveau gebunden haben könnte. Nichtsdestotrotz geht Schmitz von einem stabilen Zuckerrübenanbau in der kommenden Saison aus.
In Österreich hat der Verarbeiter Agrana die Rübenkampagne im Werk Leopoldsdorf bereits mit Jahreswechsel beendet, die Rübenverarbeitung in Tulln war darüber hinaus in Betrieb. In Summe hat Agrana in der Kampagne 2020/21 in den beiden Fabriken 2,1 Mio. Tonnen Rüben verarbeitet.

Witterung drückte den Zuckergehalt
Auf den 26.300 Hektar Rübenflächen des Vorjahres ernteten die Rübenbauern im Durchschnit somit immerhin 80,4 t/ha. Allerdings drückte die feuchte Witterung im Spätsommer und Herbst verbunden mit hohem Krankheitsdruck den Zuckergehalt bei der Übernahme auf nur 16,3 %. Mit einer geschätzten Zuckerproduktion von rund 300.000 t dürfte der Zuckerbedarf im Inland voll gedeckt sein. Für den kommenden Frühjahrsanbau wurden, wie berichtet, knapp über 38.000 Hektar Fläche kontrahiert. Damit ist der Bestand der beiden heimischen Zuckerfabriken zumindest für die nächste Saison gesichert.
In Österreichs Rübenbranche gibt man sich daher optimistisch: Aufgrund der feuchten Witterung im Herbst sind laut Agrana-Rüsslermonitoring die Larvenzahlen des Käfers niedrig. Mit der beabsichtigen Notfallzulassung von Neonic-Beizen sollte der Schädlingsdruck in der kommenden Saison wieder beherrschbar sein.

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