Die heimische Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels

Diskutierten über Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels: Franz Sinabell, Ewald Mayr, Verena Schöpfer, Michaela Langer-Weninger, Moderatorin Ulrike Rubasch, Georg Lehner und Franz Waldenberger mit dem Organisator der Veranstaltung Hubert Huber (v.l.)

Die Veränderungen des globalen Klimas haben viele schwerwiegende Folgen, welche die Bevölkerung im Allgemeinen und speziell auch die Landwirtschaft massiv treffen. Dazu zählen Veränderungen in der Niederschlagsverteilung, längere Trockenperioden, Stark
regenereignisse, Hitzewellen und Dürre. „Der Klimawandel ist nicht mehr wegzuleugnen. Um die Landwirtschaft rechtzeitig auf die neuen Herausforderungen vorzubereiten, braucht es neue Strategien zur Verbesserung der Resilienz unserer bäuerlichen Betriebe und der gesamten Wertschöpfungskette“, betonte Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger, die zur Veranstaltung „Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels“ geladen hatte.

So verändert sich das Klima

Verena Schöpfer, Meteorologin und ORF Wettermoderatorin, berichtete wie und warum sich das Klima verändert. Anhand zahlreicher Medienberichte führte sie die Wetterextreme vor Augen: „Fluten in Bulgarien und Türkei“ oder „Starkregen von Griechenland bis Hongkong“ lauteten die Schlagzeilen. 

„2023 dürfte eines der fünftwärmsten Jahre der Messgeschichte werden.“ Verena Schöpfer

„Der heurige Sommer brachte eine extreme Hitzewelle in weiten Teilen Mitteleuropas, bei der es auch in der Nacht kaum Abkühlung gab. 2023 dürfte eines der fünftwärmsten Jahre der Messgeschichte werden“, so Schöpfer. Ein Hagel „korn“ mit einem Durchmesser von 19,5 Zentimeter im italienischen Tiezzo sorgte für einen neuen Rekord in der EU. Auch Österreich blieb von Wetterextremen nicht verschont. So fielen beispielsweise im August in Kärnten am Loibl 462 Liter Regen was den höchsten Wert seit 1963 mit damals 366 Liter markierte.

Zu begründen sei dies durch den sogenannten „Treibhauseffekt“, der an sich per se nichts Schlechtes sei. Die Atmosphäre sorgt dafür, dass die globale Mitteltemperatur bei circa 15 Grad Celsius liegt, ohne würde der Wert minus 18 Grad betragen. „Wir Menschen verstärken den Treibhauseffekt“, so die Meteorologin.

Mehr als 10.000 wissenschaftliche Artikel würden zudem belegen, dass der Klimawandel und damit verbunden die globale Erwärmung „menschengemacht“ ist. „Wir haben es selbst in der Hand und können etwas tun noch! Umso später wir handeln, umso weniger Spiel­raum bleibt uns. Wenn wir jetzt damit anfangen Maßnahmen zu ergreifen, dauert es ohnedies 30 bis 40 Jahre bis diese ihre Wirkung zeigen“, betonte Schöpfer.

Laut Schöpfer entstehen 20 bis 30 Prozent der CO2-Emissionen durch die Ernährung. „Es ist ganz klar, dass wir etwas essen müssen, aber wir können uns genau ansehen was und wieviel wir essen und wo und was wir einkaufen. Braucht es wirklich Steaks aus Argentinien und Mangos aus Australien? Hier müssen wir auch die Supermarktketten in die Pflicht nehmen.“

Ein weiteres Problem sieht sie in der Lebensmittelverschwendung: „Wir stecken unfassbar viel Energie in die Erzeugung von Nahrung und doch landet circa ein Drittel der Lebensmittel im Müll. Nachhaltigkeit muss nicht automatisch Verzicht bedeuten.“ Die Vermeidung von Lebensmittelabfällen durch einen bewussten Einkauf sei demnach die einfachste Variante das Klima zu schonen.

Beitrag der Landwirtschaft

Franz Sinabell vom Insti­tut für Wirtschaftsforschung (Wifo) sieht die Lage genauso drastisch: „Es gibt keinen Zweifel. Wir müssen die Emissionen senken.“ Laut Sinabell könne man jedoch nur verändern, was man auch messen kann: „Es gibt einerseits den produktionsorientierten und andererseits den Lebenszyklusbasierten Ansatz. Wir brauchen beide Zugänge, um die richtigen Maßnahmen ableiten zu können.“

„Die Landwirtschaft ist nicht die Hauptquelle bei den Emissionen.“ Franz Sinabell

Laut Berechnung des Umweltbundesamtes beträgt der Anteil der Landwirtschaft an den gesamten Treib­haus­gasemissionen Österreichs lediglich 10,8 Prozent. „Damit ist klar, dass die Landwirtschaft nicht die Hauptquelle dafür ist.“ Hinzu kommt die Tatsache, dass die Landwirtschaft der einzige Sektor ist, der seine Emissionen in den vergangenen 30 Jahren senken konnte, während diese in allen anderen Sektoren des Ernährungssystems (Transport, Verarbeitung, Verpackung, Handel und Abfall) zugenommen haben.

„Den Bauern wird oftmals der schwarze Peter zugeschoben.“ Franz Waldenberger

Generell sei die Produktion in Österreich im internationalen Vergleich viel umweltschonender. Verdeutlicht wurde dies am Bei­spiel von Rindfleisch. Während im globalen Durchschnitt 33 kg CO2 je kg Schlachtgewicht emittiert werden, beträgt der Wert in Österreich 12 kg. „Die Angabe des CO2-Verbrauchs auf den Lebensmitteln kann das Einkaufsverhalten der Konsumenten verändern“, ist Sinabell überzeugt.

Die heimische Politik hat das Ziel „Netto-Klimaneutralität“ bis 2040 ausgegeben. Das Wifo hat Szenarien zur Emissionssenkung in der Landwirtschaft berechnet. Neben agronomischen Maßnahmen (Reduktion ertragssteigender Betriebsmittel, Wirtschafsdüngermanagement, Erosionsschutz, Kontrolle der Nitratauswaschung etc.) brauche es auch ökonomische Maßnahmen wie Steuern und Subventionen sowie eine Reduktion der Lebensmittelabfälle.

Fazit: „Die Richtung der Agrar- und Klimapolitik stimmt, aber es braucht massivere Maßnahmen, um die Emissionen radikal zu senken, ansonsten sind wir weit entfernt vom Ziel der Klimaneutralität. Die Flächenversiegelung muss beendet werden und die Landwirtschaft muss treibhausgasmehrende Aktivitäten verringern und treibhausgassenkende Prozesse einführen“, so der Wirtschaftsforscher.

Diskussion am Podium

Franz Waldenberger, Präsident Landwirtschaftskammer Oberösterreich, betonte, dass innerhalb der Landwirtschaft das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Klimaschutzes bereits vorhanden sei: „Die Bäuerinnen und Bauern stört aber massiv, dass in der öffentlichen Diskussion hauptsächlich über die landwirtschaftlichen Emissionen gesprochen wird. Die Diskussionen werden auf dem Rücken der Landwirtschaft ausgetragen und den Bauern wird der schwarze Peter zugeschoben. Die Landwirtschaft leistet in diesem Bereich aber bereits sehr viel. Ein Herunterfahren der Produktion in Österreich wird das Problem nicht lösen, aber eine Effizienzsteigerung wird auch hierzulande nötig sein.“

„Würden alle die Landwirtschaft so wie wir betreiben, wäre das dem Klima zuträglich.“ Georg Lehner

Auch die Berglandmilch habe im Bereich des Klima- und Umweltschutzes bereits zahlreiche Maßnahmen gesetzt: „Wir muten unseren Bauern in diesem Bereich viel zu, aber müssen das machen. Nicht umsonst sind wir beim CO2-Fußabdruck der Milch mit die besten in Europa. Würden alle Landwirtschaft so betreiben wie wir in Österreich, wäre das dem Klima zuträglich“, so Geschäftsführer Georg Lehner. Ein Problem sieht er darin, dass zusätzlich viele CO2-Reduktionsmaßnahmen vom Handel vorgegeben werden: „Hier wird versucht die Klimaziele an die Produzenten abzuwälzen.“

„Landwirtschaft wird nicht emissionsfrei funktionieren.“ Michaela Langer-Weninger

Für Agrarlandesrätin Langer-Weninger ist klar: „Landwirtschaft wird nicht emissionsfrei funktionieren, aber wir können so effizient wie möglich werden.“ Die Politik hat sich Ziele gesetzt, um dem Klima­wandel entgegenzutreten. Dazu gehört auf europäischer Ebene der Green Deal. „Wir stehen dazu, aber bei manchen Maßnahmen daraus muss man nachdenken, ob sie zum gewünschten Ziel führen.“ Zahlreiche Studien würden nämlich zeigen, dass die Produktion um bis zu 20 Prozent zurückgeht: „Das führt dann unweigerlich zu verstärkten Importen nach Europa und die können dem Weltklima nicht dienlich sein. Für mich ist klar: Wir wollen die CO2-Emissionen reduzieren, aber zudem die Versorgungssicherheit absichern.“

Für Ewald Mayr, Landwirtschaftskammerrat und Obmann der Gemüse-, Erdäpfel- und Obstbauern in Oberösterreich, müssen sich in diesem Zusammenhang auch die Ernährungsgewohnheiten der Konsumenten verändern: „Wir könnten die heimische Bevölkerung das ganze Jahr über mit frischem heimischem Gemüse versorgen, da wir auch so viele wunderbare Wintergemüsearten haben.“ Die Branche kämpfe jedoch auch mit geringer Eigenversorgung. Ein Grund hierfür sei neben fehlender Arbeitskräfte auch die Verbotskultur: „Hier gibt es auch innerhalb der EU große Unterschiede. Jeder zweite Erdäpfel kommt mittlerweile in die Biogasanlage, weil er vom Drahtwurm angefressen wurde.“

Klimaschutz müsse das ureigenste Interesse sein, um auch in Zukunft noch Lebensmittel produzieren zu können: „Es gibt kaum eine klimaschonendere Produktion als in Österreich. Das kann man gar nicht oft genug erwähnen“, so Mayr.

„Es gibt kaum eine klimaschonendere Produktion als in Österreich.“ Ewald Mayr

Fazit: Die heimische Land­wirtschaft leistet bereits sehr viel in Sachen Klima- und Umweltschutz. Trotzdem braucht es noch weitere Maß­nahmen und gibt es noch viele Stellschrauben, an denen man drehen kann. Die Bäuerinnen und Bauern sind bereit ihren Beitrag zu leisten, da sie ihren Arbeitsplatz unter freiem Himmel haben und daher am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.

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  • O0A6398: Land OÖ
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