Ackerbau: Deckungsbeiträge auf „zu niedrigem Niveau“

Die LKOÖ warnt: Wenn sich die aktuelle Marktlage nicht verbessert, werden noch mehr Betriebe in den Nebenerwerb wechseln oder die Bewirtschaftung aufgeben.

Obwohl der Start in die Saison durch eine ausreichende Wasserversorgung gesichert ist, hängen nachwievor dunkle Wolken über den Marktfruchtbetrieben.

Jedes Jahr im März informiert die Landwirtschaftskammer Oberösterreich über den Frühjahrsanbau im Ackerbau. Heuer wurde die Pressekonferenz auch zum Anlass genommen, die wirtschaftliche Situation der Marktfruchtbetriebe zu thematisieren. „Das Wetter ist aktuell das geringste Problem der Bäuerinnen und Bauern. Es gibt derzeit ganz andere Herausforderungen zu meistern“, betont Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger.

Marktsituation sorgt für schlechte Stimmung

Denn die aktuelle Marktlage mache den Ackerbauern zu schaffen und sorge für massive Verunsicherung. „Die Stimmung unter den Marktfruchtbetrieben ist dementsprechend schlecht“, erklärt Waldenberger.

“Die Nachfrage beim Weizen übersteigt das Angebot. Die Preise müssten eigentlich anziehen, sind aber gerade wieder am sinken.” Helmut Feitzlmayr

Mit der Ernte 2024 wurde die EU erstmals zum Nettoimporteur bei Getreide. Als Gründe hierfür werden unter anderem Ernteausfälle sowie rückläufige Produktionskapazitäten genannt. Hinzu kommt, dass sich die Lagerbestände bei EU-Weizen auf dem tiefsten Stand seit mehr als 13 Jahren befinden. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot weltweit. Die Preise müssten eigentlich anziehen, sind aber gerade wieder am sinken“, so Pflanzenbaudirektor Helmut Feitzlmayr, der für dieses Phänomen am Markt keine Erklärung hat.

„Kahlschlag“ bei Wirkstoffen

Neben den niedrigen Erzeugerpreisen sind es aber auch die hohen Energie- und Düngerkosten sowie ein „Kahlschlag“ bei Pflanzenschutzmitteln, die den Ackerbauern in ganz Europa Sorgen bereiten. „Die Wirkstoffe gehen uns langsam aus“, betont Waldenberger.

Waren es im Jahr 2000 noch knapp 1000 Wirkstoffe, so stehen jetzt nur noch 245 in der EU zur Verfügung. „Das ist ein Rückgang von 75 Prozent binnen 25 Jahren“, so Waldenberger, der bis 2035 einen weiteren Rückgang bei den Wirkstoffen um 40 Prozent befürchtet. Hinzu kommt, dass nur wenige neue Wirkstoffe nachkommen. So wurde in der EU 2019 der letzte neue chemisch-synthetische Wirkstoff zugelassen und 2022 der letzte Wirkstoff für den Biolandbau. Die zu erwartenden Folgen: Zunehmende Resistenzen bei Unkräutern oder auch Gräsern wie der Ackerfuchsschwanz sowie Ausbreitung von Schadinsekten, die massive Ertragseinbußen im Getreidebau bewirken können.

“Immer mehr Betriebe wechseln in den Nebenerwerb oder geben die Bewirtschaftung auf.” Franz Waldenberger

Waldenberger fürchtet um die Existenz zahlreicher Betriebe: „Immer mehr Ackerbauern wechseln in den Nebenerwerb oder geben die Bewirtschaftung auf.“ Er fordert daher zum wiederholten Male „faire Rahmenbedingungen“, um am Weltmarkt konkurrenzfä-hig sein zu können. „Was passiert, wenn das nicht geschieht, sieht man am Beispiel der Schließung der Zuckerfabrik in Leopoldsdorf“, so der Kammer-Präsident.

Weniger Rüben, mehr Mais und Soja

Die Zuckerrübe ist es auch, die bei den Flächen in Oberös­terreich für die größten Verschie­bungen beim Frühjahrsanbau sorgt. Waren es vergangenes Jahr noch 9500 Hektar, so werden heuer mit knapp 6000 Hektar um mehr als ein Drittel we­niger Rüben im Land ob der Enns angebaut. Die oberösterreichischen Ackerbauern werden daher verstärkt auf Mais oder Sojabohnen setzen. Die Maisflä­chen betrugen 2024 in Oberös­terreich circa 82.000 Hektar und verteilten sich zu 50.000 Hek­tar auf Körnermais und zu 32.000 Hektar auf Silomais. Bei Sojabohne wurden im Vorjahr 19.200 Hektar gesät. „Diese Kul­turen werden um je 1000 bis 2000 Hektar ausgeweitet werden“, so Feitzlmayr. Zudem wird erwartet, dass auch die Anbaufläche vom Ölkürbis um 300 Hektar auf knapp 1800 Hektar steigen wird.

Die Pflanzenbau-Abteilung hat die zu erwartenden Deckungsbeiträge für die Ernte 2025 berechnet (Details siehe Grafik).

Nachdem der Großteil der Mineraldünger bereits eingekauft ist, die Pflanzenschutzmittelpreise feststehen und für die meisten Kulturen bereits Kontrakte abgeschlossen werden konnten, errechnen sich auch 2025 für Ölsaaten, wie Raps, Ölkürbis und Sojabohne, gefolgt von Körnermais die vergleichsweise höchsten Deckungsbeiträge im Ackerbau. „Generell sind die Deckungsbeiträge im Ackerbau aber auf zu niedrigem Niveau, um die gestiegenen Kosten zu kompensieren“, so Feitzlmayr.

Feitzlmayr sprach in diesem Zusammenhang von einer „traurigen Situation“, da sich die Preise bei Weizen, Gerste, Mais und Raps zuletzt noch einmal nach unten bewegt haben.

- Bildquellen -

  • Mais Saat 287 ID69072: Agrarfoto.com
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AUTORred Thomas Mursch-Edlmayr
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