
Milcherzeugnisse könnten neben Eiern eine Schlüsselfunktion im Kampf gegen die globale Mangelernährung übernehmen, die laut Angaben von Raschad Al-Khafaji, Direktor des Brüsseler FAO-Büros (Welternährungsorganisation), rund 70 Prozent der Weltbevölkerung betrifft. Auf der diesjährigen Tagung der Europäischen Milchindustrie (EDA) in Brüssel unterstrich Al-Khafaji die Notwendigkeit einer kreislauforientierten und kleinstrukturierten Milchviehhaltung, die dazu beitragen könne, die soziale Stellung von Frauen in ländlichen Regionen zu stärken und zugleich die Ernährungssicherheit zu verbessern.
In seinem Appell vergangener Woche um Unterstützung betonte Al-Khafaji die Bedeutung der europäischen Milchindustrie, die sich aktiv an der Entwicklung nachhaltiger Strukturen beteiligen solle und nicht nur auf Programme der FAO vertrauen dürfe. Auch Catherine Geslain-Lanéelle, Direktorin der Generaldirektion für Landwirtschaft (DG AGRI), sprach sich für eine verstärkte Förderung der Milchviehhaltung aus und verwies auf die neue Agrarvision der EU-Kommission. Diese Vision solle durch eine praxisnähere Herangehensweise den Druck von oben verringern und den Landwirten mehr Gestaltungsspielraum ermöglichen. Geslain-Lanéelle erklärte, dass bei einer nachhaltigen Milchviehhaltung erhebliche Vorteile für die Biodiversität erzielt werden könnten. Zudem sprach sie sich gegen die Farm-to-Fork-Strategie aus, welche den Konsum tierischer Produkte zu reduzieren versucht, und plädierte für deren Überarbeitung. Beide Vertreter sind sich einig, dass die Milchindustrie nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine gesellschaftliche Komponente im Kampf gegen Mangelernährung und für mehr ökologische Vielfalt beinhaltet.
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