
Investieren in die Zukunft – Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil, unter diesem Titel stand am 27. März das 15. Nachhaltigkeitsfrühstück der Österreichischen Hagelversicherung, Europas führendem agrarischen Spezialversicherer. Dessen Vorstandsvorsitzender, Kurt Weinberger, hatte dazu Günther Thallinger als Vortragenden gewonnen, der bei der in München in Deutschland ansässigen Allianz Group dem Vorstand angehört. Thallinger verantwortet in dem Konzern die Anlage von rund 750 Milliarden Euro von Versichertengeldern. Die Allianz Group (Allianz SE). Der börsennotierte Versicherungskonzern zählt zu den größten Versicherern der Welt. Das Unternehmen wies im Jahr 2024 bei einem Umsatz von rund 180 Milliarden Euro einen Jahresüberschuss von 10,5 Milliarden Euro auf.

Der Königsweg ist ein Preismodell für Emissionen
Vor rund 130 geladenen Meinungsbildnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Kultur und Politik erläuterte Thallinger, welche Schritte die Allianz Gruppe unternimmt, um selbst gesetzte Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Demnach strebt die Allianz bis zum Jahr 2050 das Netto-Null Ziel bei den CO2-Emissionen an, mit konkreten Zwischenzielen bis 2030. Das Ziel betrifft die Anlage der Versichertenportfolios, in der Schaden- und Unfallversicherung und im eigenen Geschäftsbetrieb. Eindringlich appellierte der Manager an die Verantwortung aller, mit einem neuen Wirtschaftsdenken gegen die Klima- und Bodenkrise aktiv zu werden. Thallinger: „Die Transformation zur klimaneutralen Wirtschaft ist eine Frage der Nachhaltigkeit sowie zugleich auch eine finanzielle und operative Notwendigkeit.“ Denn es gelte, eine Zukunft zu vermeiden, in der Klimaschocks unsere Fähigkeit zur Erholung übersteigen und Regierungen, Unternehmen und Haushalte überfordern. Versicherungen und Finanzmärkte seien nicht nur Risikoträger, sondern wirksame Unterstützer für die Transformation der Wirtschaft.
Als „Königsweg“ in Richtung Klimaneutralität bewertet Thallinger das in der EU bereits existierende Preismodell für Emissionen. Allerdings müsse dieses global angewandt werden, damit es keine „Trittbrettfahrer“ gebe. Sei dies nicht möglich, dann bedarf es eines Außenschutzes um eine Homogenisierung herzustellen, dies sei eine Aufgabe der Politik. Subventionen für „Bedürftige“, also Bevölkerungsgruppen, die z. B. auf ein Auto angewiesen sind, sollte man laut Thallinger weiter ermöglichen. Wichtig sei aber, das die einmal gesetzten Ziele nicht wieder aufgeweicht werden.
Transformation als Chance
Thallinger: „Wer die Transformation als Chance versteht und handelt, hat jetzt die Möglichkeit, die Wirtschaft der Zukunft mitzugestalten.“ Zu den Kernpunkten der Netto-Null-Strategie der Allianz Group gehören:
• Die Reduzierung der Emissionsintensität um 45 % in mehreren Sparten des Unternehmensversicherungsgeschäfts (ausgehend von einem Basisjahr 2022). Der Fokus liegt zunächst auf emissionsintensive Unternehmen, die bereits über ihre Treibhausgasemissionen berichten.
• Für das Kfz-Versicherungsportfolio für Privatkunden plant die Allianz in neun europäischen Schlüsselmärkten (Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Österreich, Schweiz, Spanien) eine Reduzierung der Kohlenstoffemissionen um 30 % bis 2030. Das Basisjahr für diese Dekarbonisierungsziele ist 2022.
• Die Allianz will für das Portfolio der Eigenanlagen (Unternehmensportfolio) die Intensität der absoluten Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 2019 halbieren, wobei der Schwerpunkt auf der aktiven Förderung von Emissionsreduktionen in den Sektoren Öl und Gas, Versorgungsunternehmen und Stahl liegt. Für börsennotierte und nicht börsennotierte Unternehmensbeteiligungen will die Allianz ihre Brutto-Emissionsintensität bis 2030 um 50 % gegenüber dem Basisjahr 2019 senken.
• Eine Skalierung erneuerbarer Energien und kohlenstoffarmer Technologien: Allianz will bis 2030 den Umsatz aus emissionsarmen Lösungen in der Unternehmensversicherung um 150 Prozent profitabel steigern und Investitionen von 20 Milliarden Euro bereitstellen.
CO2-Gehalt ist bereits auf historischem Höchststand
Gastgeber Kurt Weinberger skizzierte in seinen einleitenden Worten die Dramatik der aktuellen Klimalage. Die UNO-Klimakonferenz in Paris habe sich im Jahr 2015 auf das gemeinsame Ziel geeinigt, die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad, möglichst bei 1,5 Grad zu begrenzen – durch die Reduktion von CO2-Emissionen, verursacht durch fossile Energie. Heute, ein Jahrzehnt später, liege der CO2-Gehalt der Atmosphäre auf einem historischen Höchststand von 425 ppm. Weinberger: „Handeln wir jetzt nicht, dann droht ein Temperaturanstieg von bis zu vier Grad in den nächsten 100 Jahren – mit dramatischen Folgen wie dem Abschmelzen der Polkappen, zunehmenden Extremwetterereignissen, der Zerstörung von Ernten und klimabedingten Fluchtbewegungen nach Europa.“ Er wolle die Hoffnung aber noch nicht aufgeben, denn die EU habe mit dem Green Deal einen neuen Wirtschaftskurs eingeschlagen, durch den Nachhaltigkeit zur Triebfeder wirtschaftlicher Entwicklung werde und durch den Kapitalströme von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern umgelenkt werden.
Bodenschutz: Nur drei Prozent der Erdoberfläche sichern die Nahrungsgrundlage
Ein besonderes Anliegen ist Weinberger der Schutz des Bodens: „Boden ist ein nicht erneuerbares Gut – verlieren wir ihn, verlieren wir unsere Unabhängigkeit in der Lebensmittelversorgung. Unsere Äcker, Wiesen und Wälder sind auch zentrale CO2- und Wasserspeicher.“ Weinberger illustrierte dies eindrucksvoll am Beispiel eines Apfels. Bei Vorträgen frage er oft, wie viel Prozent der Erdoberfläche für Lebensmittelproduktion nutzbar seien. Die Antworten reichen von 30 bis 50 Prozent. Die erschreckend und zugleich warnende Realität: Nur drei (!) Prozent. Ein kleiner Punkt auf einem Apfel – das ist unsere Basis für Ernährung. Weinberger: „Jeder verbaute Quadratmeter ist daher ein Verlust, den wir uns nicht mehr leisten können.“

- Bildquellen -
- 250327 W Weinberger Tahllinger: Österreichische Hagelversicherung
- 250327 W Hagelversicherung Thallinger: Österreichische Hagelversicherung
- 250327 Apfel Erde W: BZ / Maad