Aus für „A faire Milch“

Die Eigenmarke der IG Milch wird eingestellt.

Die Eigenmarke der Interessengemeinschaft (IG) Milch wird nach genau 14 Jahren eingestellt. „Heute müssen wir das Ende dieses Erfolgsprojektes bekannt geben“, teilten die beiden IG Milch-Aktivisten Ernst Halbmayer und Vereinsobmann Ewald Grünzweil via Presseaussendung mit.

Im Juli 2006 hatten einige hundert Milchbauern, organisiert unter dem Dach der „Freien Milch“ damit begonnen, mit der Eigenmarke „A faire Milch“ eigene Wege im Milchgeschäft zu gehen. Sie wollten damit „Macht- und Abhängigkeits-Systeme“ im Bereich der Molkereibranche aufbrechen. Zudem erhielten die Bauern laut IG Milch 10 Cent mehr für ihre Milch.

Anfangs mit Sympathie vieler Konsumenten und von „motivierenden Verkaufszahlen“ begleitet, sprangen im Laufe der Jahre aber mehr und mehr Landwirte wieder ab. Halbmayr und Grünzweil führen dies bis heute auf „offene und versteckte Drohungen“ seitens der Molkereien gegen ihre abtrünnigen Lieferanten zurück.

Beide werfen als streitbare und auch medial stets gut vernetzte „Milchrebellen“ den heimischen Molkereigenossenschaften, aber auch Vertretern des Bauernbundes und der Landwirtschaftskammern seit Jahren vor, das ambitionierte Projekt hintertrieben zu haben. Unter anderem „durch systematische Behinderung der Direktvermarktung.“

Das Ende für die Freie Milch kam 2017. Die Marke blieb vorerst bestehen und wurde in Lizenz weiter abgefüllt, für Spar, Nah & Frisch sowie die beiden Großhändler Kastner und Pfeiffer. Wie viele Bauern bis zuletzt noch ihre Rohmilch für die „A faire Milch“ angeliefert haben und damit vom nunmehrigen Aus für die Marke betroffen sind, wurde nicht bekanntgegeben. 30.000 Liter Milch pro Monat sollen es laut der Tageszeitung „Der Standard“ gewesen sein.

Als Reibebaum für die Milchrebellen herhalten muss indes Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger. Sie wird aufgefordert, dass in der Milchwirtschaft nun „ungeschminkt die Vorgänge und Zusammenhänge offengelegt werden.“ Zudem solle die Ministerin eine „Ökologisierung der Beziehungen“ in die Wege leiten. Aber auch Kartellgericht und Bundeswettbewerbsbehörde sehen Halbmayr und Grünzweil in der Pflicht, für Aufklärung zu sorgen.

BERNHARD WEBER

 

 

 

- Bildquellen -

  • A Faire Milch: IG Milch
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