Am 11. November ist wieder Martinitag, der Höhepunkt der heimischen Gansl-Saison. Die Weidegans-Bauern in Oberösterreich sind bestens vorbereitet: Aktuell befinden sich rund 65.000 Gänse auf den Weiden, in etwa gleich viel wie im Vorjahr.
„Das Projekt Österreichische Weidegans, das 1992 im Mühlviertel ins Leben gerufen wurde, hat sich seither zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt“, betont Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Circa 250 Mitgliedsbetriebe ziehen Weidegänse auf und bringen sie direkt in die Vermarktung. Je nach Region werden konventionell gehaltene frische Gänse ab Hof zu Preisen zwischen 14 und 16 Euro pro Kilogramm angeboten. Für Biogänse müssen Konsumenten einige Euro mehr einplanen. Die Preise blieben laut einer aktuellen Umfrage stabil.
Importzahlen auf Tiefststand
Die Importzahlen aus Deutschland, Polen, Ungarn und Frankreich sind durch Corona, Wirtschaftskrise und Vogelgrippe stark zurückgegangen. 2024 erreichte der Import mit 1.179 Tonnen den niedrigsten Stand seit 1995. Für die bäuerlichen Weidegans-Produzenten sind diese Mengen jedoch von geringer Bedeutung. „Etwa 85 Prozent der Weidegänse werden direkt ab Hof an Wirte oder Endverbraucher verkauft. Das Geschäft ist von Stammkunden geprägt“, erklärt Waldenberger. Für die heimischen Weidegansbetriebe sei Tiefkühlware kein Thema. „Die tiefgekühlten Import-Gänse sind zwar lange haltbar, aber preislich auch nicht mehr günstig. Wurden vor Jahren Tiefkühlgänse aus dem Osten noch um wenige Euro verschleudert, hat sich der Preis für Importware verdoppelt.
Konstant bleibt auch die Nachfrage: Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt je Österreicher bei zehn Dekagramm im Jahr. Umgerechnet isst statistisch jeder Österreicher einmal im Jahr ein Gansl-Gericht. Derzeit liegt der Eigenversorgungsgrad mit österreichischen Weidegänsen auf 38 Prozent. Durch die geringeren Importmengen und die annähernd gleich hohe Inlandsversorgung besteht weiterhin Potenzial nach oben.
Neueinsteiger sind gefragt
Gerade kleinere bäuerliche Betriebe mit hohem Grünlandanteil sind oft auf der Suche nach alternativen Produktionsformen, die bestehende Flächen und Gebäude sinnvoll nutzen. Die Weideganshaltung eröffnet hier neue Perspektiven: Sie ermöglicht eine wirtschaftlich tragfähige Nutzung der Ressourcen und kann gut mit anderen Betriebszweigen kombiniert werden. Waldenberger erklärt: „Weidegänse direkt vom bäuerlichen Betrieb sind stark nachgefragt – vorausgesetzt, die Vermarktung erfolgt direkt ab Hof.“ Dabei muss die Schlachtung nicht zwingend am eigenen Betrieb erfolgen. Externe Organisation ist möglich.
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Regionale Wertschöpfung und hohe Qualität
Die Österreichische Weidegans hat sich zum Ziel gesetzt, die gesamte Wertschöpfung in Österreich zu belassen. Bruteier werden in einem Betrieb in Vöcklabruck erzeugt, in der einzigen Gänsebrüterei Österreichs ausgebrütet und die Küken anschließend klimatisiert an die Mitgliedsbetriebe geliefert. Vorab werden die Betriebe mit regionalem, gentechnikfreiem Futter versorgt, um den Tieren den bestmöglichen Start zu ermöglichen. „Unsere Mitgliedsbetriebe sind kleinstrukturiert und halten im Durchschnitt circa 200 Gänse“, erläutert Heidi Hebesberger, Obfrau der Österreichischen Weidegans aus Nussbach.
Die Gänse wachsen langsamer als andere Geflügelarten und erreichen die Schlachtreife erst nach 18 bis 24 Wochen. Durch die Kombination von Weidehaltung und Getreidebeifütterung ergibt sich besonders zartes Fleisch. Waldenberger betont: „Gegenüber billigerer Importware aus osteuropäischen Ländern bleibt bei der Weidegans ,mehr Gans in der Pfanne‘.“
Mehrwert über Fleisch hinaus
Neben hochwertigem Fleisch liefern Weidegänse auch Daunen für Bettwaren. Hebesberger erklärt: „Heimische Daunen haben sich international zu einem gefragten Spitzenprodukt entwickelt. Nachhaltigkeit ist somit auch im eigenen Zuhause möglich.“ Die Weideganshaltung bietet bäuerlichen Betrieben damit nicht nur wirtschaftliche Chancen, sondern ermöglicht die Nutzung regionaler Ressourcen und reagiert auf die steigende Nachfrage nach tiergerechtem, hochwertigem Gänsefleisch. Interessierte Landwirtinnen und Landwirte finden weitere Informationen unter www.weidegans.at oder über die Geflügelreferate der Landwirtschaftskammern.
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