Turbulente Zeiten für die Landwirtschaft sind ebensolche Zeiten für den Agrarhandel. Das trifft auch für den Branchenprimus im Land, die RWA zu. „Unser Fokus lag darauf, Stabilität in unserer Aufgabe zu gewährleisten, als starkes Rückgrat der Lagerhaus-Genossenschaften und der Landwirtschaft zu agieren“, erklärte Johannes Schuster, Vorstandsvorsitzender der Dachorganisation der Lagerhäuser, am Montag.
Dem Konzern sei es im Vorjahr trotz der großen Unsicherheiten auf den Märkten gelungen, „eine schwarze Null“ zu erwirtschaften. Im Detail erreichte man einen Umsatz von 3,28 Mrd. Euro, das Ergebnis vor Steuern betrug 1,6 Mio. Euro. Zum Vergleich: 2024 belief es sich auf 11,9 Mio. Euro, 2023 gar noch auf 23,9 Mio. Euro.
Entwarnung bezüglich BayWa
Geschuldet ist das geschmälerte Ergebnis nicht zuletzt dem im Vorjahr abgewickelten Rückkauf der BayWa-Anteile an der RWA AG. Bekanntlich kommt BayWa wegen finanzieller Nöte seit Sommer 2024 nicht aus den Schlagzeilen. Zuletzt musste etwa das Sanierungskonzept in der BayWa-Zentrale nochmals überarbeitet werden.
Entscheidungen werden konsequent entlang der agrarischen Realität in Österreich getroffen.
Johannes Schuster
Vorstandsvorsitzender der RWA
Für die RWA-Führung im niederösterreichischen Korneuburg spielt das – zumindest was den eigenen Konzern angeht – keine Rolle mehr. Vor etwa einem Jahr wurden die Anteile der Bayern für 176 Mio. Euro zurückgekauft. „Es ist uns gelungen, die RWA wieder zu 100 Prozent in österreichische und damit genossenschaftliche Hand zu bringen“, teilte man damals wie heute mit. Vorstandsvorsitzender Schuster betonte: „Entscheidungen werden konsequent entlang der agrarischen Realität in Österreich getroffen. In einem Umfeld, das von geopolitischen Spannungen und volatilen Märkten geprägt ist, ist das ein struktureller Vorteil.“ „Zurufe von außen“ oder gar Abstimmungen mit München gehören damit der Vergangenheit an.
Umstrukturierung läuft an
Auch die für den Rückkauf notwendigen Akquisitionskredite seien seit Februar getilgt. Dazu wurden zwei Immobilien in der Wiener Innenstadt veräußert. Wie schon im Vorjahr angekündigt, zog die RWA aus der BayWa-Misere ihre Schlüsse. „Schlank, effizient und hochmodern“ soll die RWA laut Vorstandsdirektor Christoph Metzker künftig sein. Bis Ende 2027 ist ein umfassender Umstrukturierungsprozess geplant, der in einzelnen Geschäftsbereichen bereits umgesetzt sei.
Funktionierende regionale Strukturen und verlässliche Partnerschaften sind entscheidend für die landwirtschaftlichen Betriebe.
Christoph Metzker
Vorstandsdirektor der RWA
Langfristig will man die Nettoverschuldung „Schritt für Schritt senken“ und sich voll auf die fünf Kernsegmente – Agrar, Landtechnik, Energie, Baustoffe sowie Haus&Garten – konzentrieren. Auch die eine oder andere Tochter-Gesellschaft des Osteuropa-Geschäfts könnte zu diesem Zweck noch verkauft werden. „Unsere Aufgabe ist es, auch unter schwierigen Rahmenbedingungen verlässlich zu agieren. Dafür sind funktionierende regionale Strukturen und verlässliche Partnerschaften entscheidend für die landwirtschaftlichen Betriebe“, erklärte Metzker diesbezüglich.
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Schuster (li.) und Metzker haben das erste volle Geschäftsjahr als Führungsduo hinter sich gebracht.
So schnitten die Geschäftsbereiche ab
Die genannten fünf Hauptstandbeine der RWA entwickelten sich im vergangenen Geschäftsjahr unterschiedlich. Das wirtschaftliche Zugpferd -der Agrarbereich – blieb in Summe mit einem Umsatz von 1,94 Mrd. Euro nur leicht hinter dem Niveau von 2024 zurück. Bei Saatgut, Betriebs- und Futtermitteln verzeichnete man stabile Zahlen. Als Belastung erwiesen sich die schwächelnden Preis- und damit Margenentwicklungen im Getreidehandel und einzelnen anderen „ackerbaunahen Bereichen“. So zuletzt auch beim Handel mit Mineraldünger, wie der Vorstandsdirektor weiß. Im Herbst habe man auf die potenziellen Preisanstiege durch Einführung der CBAM-CO2-Steuer aufmerksam gemacht. Dieser Warnung seien viele Landwirte nachgekommen, entsprechend rege wurde im Herbst Dünger nachgefragt. Im Frühjahr entwickelte sich die Nachfrage dem Vernehmen nach hingegen weniger lebhaft.
Im Sektor Landtechnik bekam man auch die zurückhaltende Investitionsbereitschaft der Landwirtschaft zu spüren. 2025 lag der erzielte Umsatz bei 242 Mio. Euro. Hohe Lagerstände bei steigenden Maschinenpreisen machten Sorgen. Grund genug für das Management, seine Umstrukturierung hier zu starten. Das Lagerhaus-Technik-Center ist nun als „Vertriebs- und Service-Supporteinheit“ neu aufgestellt. So setze man „wichtige Schritte zur weiteren Stärkung der regionalen Servicequalität“.
Auch im Geschäftsfeld Energie wirkten sich die Entwicklungen auf den internationalen Rohstoffmärkten und die geopolitischen Entwicklungen aus. Der Umsatz lag 2025 bei 851,7 Mio. Euro. Dennoch wird weiter in das Erneuerbare-Segment investiert. Demnächst geht eine neue Agri-PV-Anlage ans Netz, am Garant-Standort in Pöchlarn wurden die Pellets-Lagerkapazitäten erweitert. Im Bereich Haus & Garten entwickelte sich der Umsatz der regionalen Franchisenehmer leicht über dem Vorjahrsniveau (665,1 Mio. Euro. Regional unterschiedlich lief indes das Geschäft mit Baustoffen. Die Umsätze der Lagerhäuser beliefen sich 2025 auf 505,3 Mio. Euro. Vor allem jene Standorte, die keine Zusatzleistungen zum Baustoffverkauf anbieten, tun sich ob der Wirtschaftslage schwerer, wurde hier ergänzt.
„Gewehr bei Fuß“ für Notstandsreserven
Im Hinblick auf das laufende Jahr geht die RWA-Führungsriege von wenig Entspannung aus. Der anhaltende Iran-Konflikt, volatile Betriebsmittelmärkte und die aktuelle Trockenheit beeinflussen die Rahmenbedingungen der Landwirtschaft massiv, so ihr Urteil. „Wir müssen unseren eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen“, folgerten sie daher. „Unsere Aufgabe bleibt ganz klar die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Landwirtschaft und der Genossenschaften. Die gewonnene Eigenständigkeit gibt uns die Möglichkeit, die RWA konsequent weiterzuentwickeln, bestehende Strukturen laufend zu überprüfen und Zukunftsfelder gezielt auszubauen“, betonte Johannes Schuster.
Ein solches Zukunftsfeld könnte die staatliche Lagerhaltung für Getreide und Hülsenfrüchte sein, die derzeit in zahlreichen EU-Ländern wieder forciert wird. „Wir stehen Gewehr bei Fuß“, so der Vorstandsvorsitzende. Ob und wann Österreich hier aktiv wird, ist allerdings noch offen. Eine vor gut einem Monat präsentierte Studie, sah ob der entstehenden Kosten und ohnehin hohen Lagerstände, keinen Handlungsbedarf. Das sieht die RWA als größter Getreidehändler der Republik offenbar anders.
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