Karl Dietachmair und Franz Waldenberger

Copyright © LK OÖ

OÖ Agrarausblick 2026: „Es liegt ein langer Verhandlungsweg vor uns“

Ukraine-Handelsabkommen, Mercosur und Klimazölle: Die LK OÖ gibt einen Ausblick auf die bevorstehende Entscheidungen im Jahr 2026.

Die Land- und Forstwirtschaft sieht sich 2026 mit grundlegenden Entscheidungen auf EU-Ebene konfrontiert. Verhandelt werden die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028 und der neue Mehrjährige Finanzrahmen, außerdem fallen Entscheidungen zum Mercosur-Abkommen, zur Umsetzung des EU-Ukraine-Handelsabkommens sowie zu Klimazöllen für Düngemittel. Gleichzeitig nimmt der Regulierungsdruck aus Brüssel weiter zu.

LK OÖ-Präsident Franz Waldenberger betont: „Wir brauchen faire politische Rahmenbedingungen und ein klares Bekenntnis zur Produktionsfunktion der Landwirtschaft. Das Jahr 2026 entscheidet, ob wir Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit in Europa erhalten können.“

Die Leistungen unserer Bauern für Umwelt, Klima und Versorgungssicherheit müssen weiterhin geziehlt abgegolten werden.

Franz Waldenberger

Landwirtschaftskammer OÖ-Präsident

GAP ab 2028: Kürzungen und Strukturbruch befürchtet

Die Vorschläge der EU-Kommission zur GAP ab 2028 sehen trotz eines deutlich steigenden EU-Gesamtbudgets eine Kürzung der Agrarmittel um mindestens 20 Prozent vor. Das Agrarbudget soll auf rund 300 Milliarden Euro sinken. Kritisch bewertet die Landwirtschaftskammer auch die geplante Zusammenführung der GAP mit anderen Politikbereichen in einem Einzelfonds und die mögliche Auflösung der Zwei-Säulen-Struktur.

Für Österreich würde dies eine Kürzung der GAP-Mittel von derzeit 8,94 Milliarden Euro auf 6,62 Milliarden Euro bedeuten. „Die vorgeschlagenen Kürzungen stehen im Widerspruch zu den politischen Bekenntnissen, die Landwirtschaft als strategischen Sektor zu stärken“, so Waldenberger. Öffentliche Gelder machten bei einem Durchschnittsbetrieb rund 58 Prozent des Einkommens aus, bei Bergbauern sogar über 73 Prozent.

Mercosur: Klare Ablehnung gefordert

Die Entscheidung über das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen ist bereits gefallen. Für das umstrittene Handelsabkommen mit den südamerikanischen Staaten gibt es in der EU nun trotz massiver Proteste eine Mehrheit. Noch diese Woche soll das Abkommen in Paraguay von Kommissions-Präsidentin Von der Leyen unterzeichnet werden. Vorgesehen sind zusätzliche Importquoten für Rindfleisch, Geflügel, Zucker und Ethanol. Die Landwirtschaftskammer OÖ sieht das Abkommen kritisch.

Es wird der Markt für Produkte geöffnet, die nicht unseren Standard entsprechen. Uns dann in dasselbe Regal oder auf den selben Teller zu legen, ist nicht fair.

Franz Waldenberger

Landwirtschaftskammer OÖ-Präsident

„Das EU-Mercosur-Abkommen gefährdet nicht nur die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit unserer Landwirtschaft, sondern auch das hohe Niveau der Konsumentensicherheit“, sagt Waldenberger. Die Landwirtschaftskammer fordert deshalb eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung.

EU-Ukraine-Abkommen: Standards kontrollieren

Während die Entscheidung zum Mercosur-Abkommen gleich zu Jahresbeginn fällt, wird die Umsetzung des überarbeiteten EU-Ukraine-Assoziierungsabkommens das gesamte Jahr über im Fokus stehen. Das überarbeitete EU-Ukraine-Handelsabkommen bringt wieder restriktivere Importkontingente, etwa bei Weizen und Zucker. So dürfen künftig nur noch 1,3 Millionen Tonnen Weizen zollfrei eingeführt werden (6,4 Millionen Tonnen im Jahr 2024). Beim Zucker liegt das Kontingent bei 100.000 Tonnen statt bisher bis zu 500.000 Tonnen.

Künftig ist der Marktzugang außerdem an eine Angleichung an EU-Standards in Bereichen wie Tierschutz und Pflanzenschutz gebunden. „Es braucht eine konsequente Kontrolle dieser Angleichung“, betont Waldenberger. Gefordert werden jährliche Fortschrittsberichte und Sanktionen bei Verstößen.

Agrardiesel und Klimazölle belasten Betriebe

Ab 2026 drohen durch den CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) und zusätzliche Zölle auf Düngemittel erhebliche Mehrkosten. Düngemittel machen bis zu 30 Prozent der Produktionskosten im Ackerbau aus. „Das gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit massiv“, warnt Waldenberger. Die Landwirtschaftskammer fordert eine Verschiebung der Umsetzung, bis Planungssicherheit besteht.

Zusätzlich kritisiert die LK OÖ das Auslaufen der Agrardiesel-Entlastung Ende 2025. „Nun liegen wir im EU-Vergleich im oberen Preisbereich. Das ist ein massiver Wettbewerbsnachteil“, so der LK OÖ-Präsident.

Kritik an EU-Regulatorik und neuen Auflagen

Kammerdirektor Karl Dietachmair sieht die zunehmende EU-Regulatorik als große Belastung für bäuerliche Familienbetriebe. „Es braucht weniger Ideologie und mehr praxistaugliche Lösungen“, fordert er. Besonders kritisch bewertet die LK OÖ die Industrieemissionsrichtlinie, die ab 2030 deutlich mehr Tierhaltungsbetriebe betreffen würde. Die Kosten für Genehmigungen und Anpassungen seien für viele Betriebe kaum tragbar. Auch bei Renaturierungs- und Entwaldungsverordnung fordert die Kammer weiterhin praxistaugliche, finanzierte Lösungen sowie weniger Bürokratie.

2026 muss das Jahr sein, in dem wir Investitionen nicht bremsen, sondern beschleunigen.

Karl Dietachmair

OÖ Landwirtschaftskammer-Direktor

Abschließend betont Dietachmair die Bedeutung stabiler Rahmenbedingungen für Zukunftsinvestitionen. Dafür seien verlässliche politische Entscheidungen unerlässlich.

Agrarausblick 2026: Zentrale Eckdaten

  • Geplantes EU-Gesamtbudget: rund 1985 Milliarden Euro (+64 %)

  • Vorgesehene Kürzung der GAP-Mittel: mindestens minus 20 %

  • EU-Agrarbudget künftig: rund 300 Milliarden Euro

  • GAP-Mittel für Österreich: 2021–2027: 8,94 Milliarden Euro;
    2028–2034 geplant: 6,62 Milliarden Euro (–26 %)

  • Anteil öffentlicher Gelder am Einkommen: Durchschnittsbetrieb: 58 %; Bergbauernbetriebe: über 73 %