RWA Vorstände stehen im Saatgutlager

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RWA will aus dem Schatten der BayWa treten

Um Österreichs Dachorganisation der Lagerhausgenossenschaften war es in den vergangenen Monaten auffällig ruhig. Nun hat sich der RWA-Vorstand in puncto BayWa-Krise und der neuen (alten) Konzernausrichtung umfassend zu Wort gemeldet.

Schon seit Dezember ist das Vorstandsteam der Raiffeisen Ware Austria (RWA) bestehend aus Vorstandsvorsitzendem Johannes Schuster und Vorstandsdirektor Christoph Metzker im Amt, hielt sich bisher aber bei Gesprächen mit der Presse eher zurück. Vergangene Woche folgte die Erklärung. BayWa-bedingt habe sich in der Konzernzentrale in Korneuburg einiges überschlagen. „Wir hatten alle Hände voll zu tun, dass das Feuer nicht überschlägt“, hieß es etwa.

Strategische Allianz „erfolgreich beendet“

Bekanntlich waren RWA und BayWa über Jahrzehnte durch gegenseitige Beteiligungen in einer sogenannten strategischen Allianz verbunden. Um die finanzielle Schieflage des bayerischen Agrar-, Baustoff- und Energiehandelsunternehmens auszugleichen, wurde in München im Vorjahr der Entschluss gefasst, Auslandsbeteiligungen wie jene an der RWA zu veräußern. „Seit Anfang Mai sind wir etwas weiter weg von der BayWa“, erklärt Johannes Schuster. Man sei froh, die strategische Allianz „erfolgreich beendet“ zu haben.

Heute stehen wir wieder zu 100 Prozent in österreichischem Eigentum, zu 100 Prozent in genossenschaftlicher Hand.

Johannes Schuster, RWA-Vorstandsvorsitzender

Noch erfreuter dürften die Manager sein, dass es gelungen ist, die ehemals bayerischen Anteile wieder in heimischer Hand zu wissen. „Heute stehen wir wieder zu 100 Prozent in österreichischem Eigentum, zu 100 Prozent in genossenschaftlicher Hand und letztlich somit im Eigentum der Bäuerinnen und Bauern“, unterstreicht Schuster. Nichtsdestotrotz sei der Rückkauf eine Herausforderung für das laufende Geschäftsjahr. Die letztlich fälligen gut 150 Millionen Euro wurden vorwiegend fremdfinanziert. Schuster: „Die Zinsaufwendungen für den Rückkauf schlagen sich in den Bilanzen nieder.“ In normalen Jahren wäre ein durchschnittliches Betriebsergebnis von 30 Millionen Euro üblich. Heuer sei man „froh, wenn es 20 Millionen Euro werden“.

Hoffnungssektor Saatgut

Nun will man aber aus dem „Schatten der BayWa“ treten und die dortigen Entwicklungen als Mahnung nehmen. „Wir als RWA sind da, um die örtlichen Lagerhäuser zu unterstützen und uns auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.“ Zwei Geschäftsfelder bereiten dem RWA-Chef derzeit „wirklich Freude“: Saatgut und Futtermittel. Dort stimmen demnach durch eigene Produktion auch die Margen. „Saatgut ist unser wichtigster Bereich in der Agrarsparte“, ergänzt Vorstandsdirektor Metzker. Dort sei man in Zentral- und Osteuropa zuletzt weiter gewachsen, investiert wurde etwa in Serbien und Rumänien.

Saatgut ist unser wichtigster Bereich in der Agrarsparte.

Christoph Metzker, RWA-Vorstandsdirektor

Mittlerweile werden 25 Produktionsstandorte betrieben, 250 Millionen Euro Umsatz generiert man im Konzern damit. Die Auslandsaktivitäten seien aber im Vergleich mit anderen Konzernen oder auch der BayWa verhältnismäßig bescheiden: Wir müssen die Kirche im Dorf lassen, der gesamte Auslandsumsatz beläuft sich auf weniger als 600 Millionen Euro pro Jahr.“ Das sei weniger als die Agrarsparte allein in Niederösterreich einbringe.

Vorgaben an die BayWa

Eine ähnliche Herangehensweise erwartet sich die RWA-Führung übrigens auch von der BayWa. Denn über die Raiffeisen Ware Austria Handel und Vermögensverwaltung und die Raiffeisen Agrar Holding GmbH der Leipnik-Lundenburger Invest Beteiligungs AG blieb man zweitgrößter Aktionär des bayerischen Traditionsunternehmens. „Uns ist in München eine Rückbesinnung auf den bayerischen Agrarmarkt wichtig“, betont Johannes Schuster. In Korneuburg sieht man sich mit der deckungsgleichen Strategie und einem hohen Qualitätsanspruch für die kommenden Jahrzehnte gerüstet.

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