Zwei Hände halten Biokohle.

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Das „Schwarze Gold“ für Landwirtschaft und Klima?

Biokohle wird unter Experten als Zukunftsrohstoff im Kampf gegen den Klimawandel gehandelt. Auch in der Landwirtschaft locken zahlreiche Anwendungsbereiche. Ein Blick nach Norwegen stimmt optimistisch.

Ein tiefschwarzes Häufchen Kohle, das zwischen den Fingern zerbröselt, wirkt unscheinbar. In Norwegen wird eben diese Biokohle bereits in größerem Stil produziert. Etwa vom Unternehmen „Obio“ mit Sitz in Rudshøgda, zwei Stunden nördlich von Oslo. Dort wird Fichtenholz in Pflanzenkohle verwandelt.

So funktioniert‘s

In einem Reaktor des Typs Biomacon werden bei Obio jährlich rund 15.000 Kubikmeter Hackschnitzel auf mehr als 500 Grad Celsius erhitzt – ohne Sauerstoff. Das Verfahren nennt sich Pyrolyse. Organische Moleküle werden dabei aufgespalten, flüchtige Bestandteile entweichen als Gas, während der Kohlenstoff in stabilen Strukturen fixiert wird. Das Ergebnis: Ein Material, das zu 92 Prozent aus Kohlenstoff besteht und über eine erstaunliche innere Oberfläche verfügt – ein Gramm Biokohle entspricht bis zu 360 Quadratmetern Porenstruktur.

Dieser Kohlenstoff bleibt über Jahrtausende im Boden stabil. „Der Klimaeffekt ist beachtlich: Eine Tonne Biokohle speichert drei Tonnen CO2-Äquivalente“, erklärt Obio-Geschäftsführer Einar Stuve, der selbst Landwirt ist. 600 Tonnen produziert Obio derzeit pro Jahr. Zusätzlich entstehen 900 kW Abwärme mit rund 100 Grad Celsius. 40 Prozent davon werden für das Trocknen der Hackschnitzel genutzt, 60 Prozent gehen ins lokale Fernwärmenetz. Damit liefert die Anlage nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch zur regionalen Energieversorgung.

Mehr als ein Bodenverbesserer

Auch Norwegens Landwirtschaft ist mit klimapolitischen Herausforderungen konfrontiert: Intensive Bewirtschaftung und Spezialisierung haben den Humusgehalt vieler Böden verringert. „Biokohle könnte hier ein Gegengewicht bilden. Obio will allein zwischen 2025 und 2030 rund 500.000 Tonnen CO2-Emissionen einsparen“, bringt es Produktentwicklerin Kristina Alme Gardli auf den Punkt.

Die Einsatzmöglichkeiten reichen weit über die Landwirtschaft hinaus: Stadtbaum-Pflanzungen, Baustoffe, Filtermaterial oder Abwasseraufbereitung gelten als künftige Märkte. Für 2025 rechnet Obio mit einem Umsatz von umgerechnet 860.000 Euro – aufgeteilt auf Biokohle, Klimazertifikate und Wärmeverkauf.

In der Landwirtschaft gilt Biokohle nicht als Dünger, sondern als Bodenverbesserer. „Auf sandigen Standorten zeigte sich 2023 ein deutlicher Mehrertrag, weil die Kohle Wasser speichert, Nährstoffe bindet und die Bodenstruktur verbessert. Auf ertragreichen Böden sind die Effekte subtiler – spürbare Mehrerträge stellen sich nicht sofort ein“, führt Stuve aus. Ein Effekt sei etwa die Förderung des Bodenlebens. Die poröse Struktur der Kohle bietet Mikroorganismen einen Lebensraum.

Dennoch steige das Interesse: In fünf Regionen Norwegens erhalten Landwirte bereits Zuschüsse, umgerechnet gut 5.600 Euro für die Verwendung von vier Tonnen Biokohle, welche für eine Fläche von 1,5 bis zwei Hektar ausreichen.

Praxisanwendungen am Betrieb

Biokohle kann in den verschiedensten Bereichen eingesetzt werden:

Wie etwa in der Gülle: Bis zu zehn Prozent Biokohle werden vor dem Ausbringen beigemischt. Das reduziert Gerüche, bindet Nährstoffe und macht die Ausbringung effizienter.

Im Stall: Eingestreut saugt Biokohle Feuchtigkeit auf, Gerüche nehmen ab, das Ausmisten wird einfacher und der Mist ist nährstoffreicher.

Im Kompost: Schon fünf bis zehn Prozent Biokohle beschleunigen die Rotte, vermindern Ammoniak- und Lachgasemissionen und erhöhen die Qualität des Endprodukts.

„Für Landwirte bedeutet das nicht nur eine bessere Klimabilanz, sondern praktisch auch Arbeitserleichterungen“, so Produktentwicklerin Gardli.

Tierfütterung: Weniger Verluste, gesündere Tiere

Positive Effekte gäbe es beim Einsatz in der Tierfütterung. 29 Feldversuche und zwei klinische Studien hat Obio bislang begleitet:

Kälber erhielten Biokohlepulver in Milch und Milchaustauscher. Das Ergebnis laut Obio: gesündere Tiere, glänzendes Fell, schnellere Erholung nach Krankheit und geringerer Medikamenteneinsatz.

Auch Ferkel hätten eine stabilere Verdauung, weniger Durchfall und höhere Tageszunahmen gezeigt. In einem Bestand sei die Sterblichkeit von 5,2 auf 0,9 Prozent gesunken. Für den Testbetrieb bedeutete das Mehreinnahmen von rund 13.770 Euro pro Jahr – bei Kosten von nur 690 bis 860 Euro für die Biokohle.

Von besserer Futterverwertung und stabilerer Tiergesundheit wird außerdem bei Geflügel, Lämmern, Milchkühen und sogar Lachsen berichtet.

Die Wirkung erklärt der Obio-Chef durch die physikalischen Eigenschaften: „Biokohle bindet Mykotoxine und schädliche Stoffwechselprodukte, unterstützt Redoxreaktionen im Darm und schafft ein Milieu, in dem nützliche Bakterien gedeihen. Ein gesundes Kalb ist später eine produktive Milchkuh.“

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Herzstück der Produktion ist der Bioreaktor. Dort erfolgt die Pyrolyse.

Ökonomischer Aspekt

Obio beschäftigt aktuell nur vier Mitarbeiter, hat aber bereits umgerechnet drei Millionen Euro in die Anlage investiert.

Wesentlich für den wirtschaftlichen Erfolg seien Klimazertifikate: Obio ist am finnischen Marktplatz „Puro“ aktiv, wo CO2-Reduktionszertifikate gehandelt werden. Landwirte und Unternehmen können so dokumentierte Emissionseinsparungen verkaufen. Damit sich Biokohle durchsetzt, brauche es politische Unterstützung. „Der Knackpunkt ist, dass sich Biokohle nicht sofort im Ertrag niederschlägt. Ohne Förderung würden viele Bauern zögern“, sagt Stuve. Mit der Unterstützung des Staates wachse jedoch das Interesse.

Blick nach Österreich

Auch in Österreich wird Biokohle erforscht – etwa an der Boku Wien und bei Bioforschung Austria. In der landwirtschaftlichen Praxis spielt sie aber bisher kaum eine Rolle. Langfristig könnte die Anwendung von Biokohle in der Landwirtschaft aber von Nutzen sein.

Fazit: Schwarzes Gold hat Zukunft

Biokohle ist kein Allheilmittel. Sie sorgt nicht über Nacht für höhere Erträge und ihre Herstellung ist energieintensiv. Aber sie hat einen dreifachen Nutzen: Sie bindet Kohlenstoff und verbessert damit die Klimabilanz, sie stärkt Böden und sie kann Tiergesundheit fördern.

Obio in Norwegen beweist, dass daraus ein Geschäftsmodell werden kann – mit beständiger Produktion, Förderungen, CO2-Zertifikaten und praktischen Vorteilen für Bauern.

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