Am Stadlerhof in Wilhering wurde kürzlich Geschichte lebendig: Oberösterreichs Bäuerinnen luden passend zum internationalen Jahr der Bäuerin zur „Zeit-Roas“. Via Theaterlesung wurde – über Jahrhunderte hinweg – das Leben auf Bauernhöfen beleuchtet, wobei sich die Schauspieler Joachim Rathke und Julia Frisch vor allem dem Leben von Bäuerinnen widmeten. Mit eindringlichen Worten und szenischer Darstellung spannten sie einen Bogen von den freien Bauern im Jahr 1523 über Zeiten der Unfreiheit bis hin zum Wiedererlangen bäuerlicher Rechte im 19. Jahrhundert. „Wer die Bauern verachtet, verachtet ein Stück von sich selbst“, fasste Joachim Rathke die Bedeutung des Berufsstandes zusammen.
Tatsächlich waren die Höfe einst hochkomplexe Versorgungszentren. Jeder Handgriff zählte, denn nur durch harte Arbeit auf Feld und Hof war die Versorgung mit Lebensmitteln wie Getreide, Milch, Eiern oder Gemüse gesichert. Ein Teil der Ernte musste abgegeben werden, zusätzlich belasteten Steuern die Bauern. Nur in außergewöhnlich guten Jahren blieb ein Überschuss, der auf Märkten gehandelt werden konnte.
Kinderkriegen und kochen
Besonders eindrucksvoll war der Blick auf die Rolle der Frauen. Über Jahrhunderte hinweg standen Bäuerinnen am unteren Ende der gesellschaftlichen Rangordnung. Ihre Aufgaben beschränkten sich auf harte Arbeit, Kinder zu gebären und Essen auf den Tisch zu bringen. Eigene Meinungen oder gar Entscheidungen waren für Frauen nicht vorgesehen. Im Zentrum stand hingegen der Glaube, während etwa das Lesen als Sünde angesehen wurde.
Landesbäuerin Johanna Haider zeigte sich betroffen von diesen historischen Einblicken: „Die Erkenntnis, dass es eine Zeit gab, in der eine Frau absolut nichts wert war, war für mich schon erschreckend. Eine Frau war zum Kinderkriegen und zum Essenkochen da. Männer hatten sogar ein Prügelrecht.“ Die Landwirtschaft habe sich teils schneller weiterentwickelt als die gesellschaftliche Stellung der Frau.
Gleichstellung: Handlungsbedarf bleibt
Während der Kriegsjahre waren es allerdings die Frauen, die den Fortbestand der Höfe sicherten. „Danach wurden die Frauen wieder zurückgedrängt, erst nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich das etwas“, so Haider. Besonders in den vergangenen 40 bis 50 Jahren habe es große Fortschritte gegeben: „Heute stehen Frauen viele Wege offen.“ Trotz dieser positiven Entwicklung gebe es aber weiterhin Handlungsbedarf. Und: „Frauen müssen oft noch ermutigt werden, sich mehr zuzutrauen“, so Haider. Die „Zeit-Roas“ zur umfassenden Gleichstellung geht also weiter.
Blick nach Uganda, Sambia und Bolivien
Uganda: Olivia Mugabe Mitterer berichtete über die Landwirtschaft in Uganda – ein Land mit 54 verschiedenen Stämmen und damit auch Sprachen. 70 % der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, allein die Frauen betrachtet sind es 90 %. Durchschnittsgröße eines Betriebes: 30 Hektar. Erst seit 25 Jahren gibt es die Schulpflicht, für den Schulbesuch muss bezahlt werden. Kühe sind in Uganda überaus wertvolle Tiere. Kurios: Wer heiraten will, muss den „Frauenpreis“ bezahlen – entweder in Form von Geld oder anhand von 20 bis 30 Kühen.
Sambia: Michelle Winklmayr, die in Sambia geboren wurden und als Zwölfjährige nach Österreich kam, erläuterte die Landwirtschaft in Sambia. Betriebe sind dort ein bis fünf Hektar groß oder sehr groß (ab 1000 Hektar), dazwischen gibt es wenig. Hauptnahrungsmittel ist Mais (Polenta). Winklmayrs Familie bewirtschaftet im Bezirk Steyr einen Betrieb mit Mutterkuh und Forstwirtschaft und führt auch in Sambia einen mit Milchproduktion und Rinderzucht. Dazu nötig ist täglicher Austausch (Mail, Whatsapp) mit dem Geschäftsführer bzw. Angestellten dort.
Bolivien: Cecilia Baldivieso de Witzany erzählte von Bolivien. Dort wird etwa 35 Prozent der Fläche landwirtschaftlich genutzt, großteils als Weideland. Zentrales Merkmal ist die duale Struktur der Landwirtschaft: Kleine Bauern arbeiten mit traditionellen Methoden und versorgen die Bevölkerung, die Agroindustrie produziert mit moderner Technik für den Export (Quinoa, Soja, Reis). Oftmals sind Frauen alleine für Landwirtschaft und Familie verantwortlich und haben dabei eingeschränkten Zugang zu Land, Geld, Bildung und politischer Beteiligung.
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))