Traktor fährt auf Feld um zu düngen.

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Diesel, Dünger, Strom: Kosten für Betriebe explodieren, Preisbremse gefordert

Agrarlandesrätin Langer-Weninger und LKOÖ-Präsident Waldenberger warnen: Versorgungssicherheit ist in Gefahr, steigende Kosten zwingen Betriebe in die Knie und werden sich auf Lebensmittelpreise auswirken.

Nicht weniger als die Zukunft der Höfe und damit die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln stehen nun auf dem Spiel: Das betont Oberösterreichs Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger hinsichtlich der aktuell stark steigenden Energiepreise. Gemeinsam mit den „horrenden“ Düngemittelpreisen schnüren sie den Bäuerinnen und Bauern die Luft ab, warnt Langer-Weninger. Und mehr noch: „Explodierende Energiepreise und horrende Düngemittelkosten werden sich auf kurz oder lang auch im Su­permarktregal bemerkbar machen. Wenn wir jetzt nicht han­deln, zahlen am Ende die Bürger die Rechnung“, so Langer-Weninger.

Spritpreisbremse: Nur ein Schritt, mehr ist nötig

Die Spritpreisbremse sei ein erster Schritt, weitere müssten aber folgen. Langer-Weninger verweist auf die Düngemittelpreise, die mittlerweile schon mehr als 30 Prozent der Produktionskosten ausmachen. Mit dem neu eingeführten europäischen CO2-Grenzausgleichsmechanismus (englisch: Carbon Border Adjustment Mechanism oder CBAM) gibt es für ausgewählte Düngemittel Preissteigerungen von bis zu 120 Euro je Tonne zu verzeichnen. „Die Steigerun­gen der Treibstoffkosten und der Düngemittelkosten verursachen etwa im Ackerbau Mehrkosten von mehr als 150 Euro je Hektar, und das bei gleichbleibenden Erzeugerpreisen“, konkretisiert Langer-Weninger – und verweist darauf, dass ein wirtschaftlicher Ackerbau unter diesen Voraussetzungen nicht möglich sei. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig habe daher schon im Jänner dieses Jahres beim Agrarminis­terrat in Brüssel eine vorübergehende Aussetzung des Grenzausgleichs für Düngemittel gefordert, bis die Funktionsfähigkeit sichergestellt ist.

Die Agrarlandesrätin fordert weitere konkrete Maßnahmen, um die steigenden Kosten für Betriebe abzufedern: „Ich fordere eine dauerhafte Verankerung des Bodenbewirtschaftungsbeitrags, damit unsere Betriebe wirtschaftlich arbeiten können.“ Versorgungssicherheit sei gerade in Zeiten globaler Krisen kein Selbstverständnis, sondern ein unbezahlbares Gut.

Auch aus der Landwirtschaftskammer Oberösterreich kommt zur Spritpreisbremse noch ein Nachsatz. Die Regelung sei ein erster wichtiger Schritt zur Entlastung land- und forstwirtschaftlicher Betriebe – aber noch nicht genug. LKOÖ-Präsident Franz Waldenberger pocht auf „ergänzende Maßnahmen“, damit die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft – und damit eine stabile Lebensmittelproduktion in Österreich – langfristig gesichert werden kann. Erforderlich seien diese insbesondere bei Agrardiesel und bei den Düngemittelkosten. Die Dimension der Belastung zeige ein Beispiel aus der Praxis: ein heimischer Ackerbaubetrieb mit 50 Hektar verzeichnet in der aktuellen Situation Mehrkosten von rund 7.000 Euro pro Jahr. Dabei entfallen etwa 4.500 Euro auf Düngemittel und 2.500 Euro auf Diesel.

Rückkehr zu „Agrardiesel“, Stromkosten-Entlastung

Waldenberger fordert die Wiedereinführung der Mineralölsteuerrückvergütung für Agrardiesel sowie einen CO2-Abgabenausgleich, um die gestiegenen Treibstoffkosten abzufedern. Eine gezielte Entlastung sei auch bei den Stromkosten notwendig, die vor allem für energieintensive Bereiche wie die Tierhaltung notwendig sei. „Es braucht jetzt ein gezieltes und rasch wirksames Entlastungspaket für die Land- und Forstwirtschaft. Eine leistbare Versorgung mit Betriebsmitteln ist die Grundvoraussetzung für eine wirtschaftlich stabile und wettbewerbsfähige Lebensmittelproduktion“, betont Waldenberger.

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