Der Ackerbau befindet sich an einem entscheidenden Wendepunkt. Vor allem die Preise für Düngemittel, Energie und Pflanzenschutzmittel sind stark gestiegen. Bei Kulturen wie Weizen oder Mais liegen die Mehrkosten für Dünger und Treibstoff derzeit bei bis zu 150 Euro je Hektar. Gleichzeitig orientieren sich die Erlöse weiterhin an den internationalen Agrarmärkten. Die Folge: Die Kosten-Preis-Schere öffnet sich immer weiter.
LKOÖ-Präsident Franz Waldenberger warnt vor den Folgen für die Betriebe: „100 Euro pro Hektar entscheiden für uns Landwirte über Gewinn und Verlust und können in der aktuellen Lage auch Betriebe in Schieflage bringen. Bei vielen Marktfruchtbetrieben bleibt immer weniger Spielraum für Investitionen und Weiterentwicklung.“
Düngemittelkosten: Klimazölle als zusätzliche Belastung
Besonders kritisch bewertet die Landwirtschaftskammer die Einführung des europäischen CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) im Düngemittelbereich. Dieser soll die europäische Industrie vor Wettbewerbsnachteilen schützen, führt aus Sicht der Landwirtschaft jedoch zu einer zusätzlichen Kostenbelastung für die Betriebe.
Nach Berechnungen des europäischen Bauernverbandes Copa-Cogeca wird 2026 ein Preisanstieg von rund 15 Prozent bei Stickstoffdüngern erwartet. Die direkten Kosten des Systems für die europäische Landwirtschaft könnten bis 2034 auf 3,4 Milliarden Euro jährlich anwachsen. Die Landwirtschaftskammer fordert deshalb die Aussetzung des CBAM für Düngemittel, solange europäische Landwirte bei ihren Produkten weiterhin mit Importen aus Drittstaaten konkurrieren müssen, die unter niedrigeren Umwelt- und Klimastandards erzeugt werden.
Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln
Neben den Düngemittelkosten sieht die Landwirtschaftskammer auch die Verfügbarkeit wirksamer Pflanzenschutzmittel als zentrale Voraussetzung für eine stabile Produktion. Wirkstoffverbote, langwierige Zulassungsverfahren und unterschiedliche Vollzugspraxen innerhalb der EU würden die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Betriebe zunehmend beeinträchtigen.
Gefordert werden daher schnellere Zulassungsverfahren und eine langfristige Sicherung wirksamer Wirkstoffe, um Erträge und Produktqualität zu gewährleisten.
Kritisch beurteilt wird auch die geplante Einstufung von europäischem Sojaöl als Hochrisiko-Rohstoff im Rahmen der Erneuerbaren-Energie-Richtlinie. Aus Sicht der Landwirtschaft würde dies die wirtschaftliche Basis der europäischen Sojaverarbeitung schwächen und den Ausbau heimischer Eiweißpflanzen erschweren.
Biodiesel: Beimischung von 10 Prozent gefordert
Ein weiteres zentrales Anliegen der LKOÖ ist die Anhebung der Biodieselbeimischung von derzeit maximal sieben Prozent auf mindestens zehn Prozent. Höhere Beimischungsquoten würden zusätzliche Nachfrage nach heimischen Ackerkulturen wie Raps, Sonnenblumen, Soja, Getreide und Zuckerrüben schaffen und damit neue Einkommensperspektiven für die Betriebe eröffnen.
Gleichzeitig könnten Biokraftstoffe einen wichtigen Beitrag zur Energieunabhängigkeit Europas und zur Reduktion von Treibhausgasemissionen leisten. Allein in Österreich werden durch ihren Einsatz jährlich mehr als 1,6 Millionen Tonnen CO₂ eingespart.
GAP-Reform: Mehr Investitionen statt Kürzungen
Mit Blick auf die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028 fordert die Landwirtschaftskammer Oberösterreich ausreichend finanzielle Mittel sowie eine stärkere Investitionsförderung für den Ackerbau. Investitionen in Präzisionslandwirtschaft, Digitalisierung, moderne Erntetechnik und wassersparende Produktionsverfahren seien entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe.
Kammerdirektor Karl Dietachmair warnt vor den Folgen geplanter Budgetkürzungen: „Die GAP-Finanzierung zu kürzen und gleichzeitig immer höhere Anforderungen an die Betriebe zu stellen, passt nicht zusammen. Wer Innovation, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit will, muss auch die notwendigen Investitionen ermöglichen.“
Fairer Wettbewerb durch wirksamen Außenschutz
Ein weiterer Schwerpunkt der Forderungen betrifft den internationalen Agrarhandel. Die Landwirtschaftskammer bekennt sich grundsätzlich zu offenen Märkten, fordert jedoch wirksame Schutzmechanismen für sensible Agrarbereiche. Besonders die Erfahrungen mit den stark gestiegenen Importmengen aus der Ukraine hätten gezeigt, wie rasch zusätzliche Mengen die europäischen Märkte unter Druck setzen können.
Neben Mengenbegrenzungen fordert die Kammer auch strengere Kontrollen bei Produktionsstandards und Pflanzenschutzmittelrückständen. Langfristig müssten für alle Produkte, die am europäischen Markt verkauft werden, vergleichbare Produktionsbedingungen gelten.
„Unsere Betriebe brauchen keine Sonderbehandlung, sondern Rahmenbedingungen, die wirtschaftliches Arbeiten ermöglichen. Wenn wir Versorgungssicherheit, regionale Wertschöpfung und nachhaltige Produktion erhalten wollen, müssen jetzt die richtigen politischen Entscheidungen getroffen werden", betont Waldenberger.
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