Der Milchmarkt hatte sich seit Beginn des Jahres 2024 durchwegs positiv entwickelt. Doch in den vergangenen Monaten verschlechterte sich die Lage deutlich. Hohe Anlieferungsmengen und vor allem die geopolitischen Unsicherheiten sind es, die die Märkte nun wiederholt negativ beeinflussen. Die Milcherzeuger spüren das in ihren Erlösen und Kosten teils unmittelbar, beeinflussen können sie die Effekte kurzfristig aber kaum oder auch gar nicht.
Langer Planungshorizont, starke Schwankungen
„Milcherzeugung ist von langfristigen Entscheidungen geprägt und auf stabile Rahmenbedingungen angewiesen. Eine Milchkuh kann man nicht ein- und ausschalten, je nachdem ob Milch gerade gut oder kaum gefragt ist. Und Stallbauinvestitionen haben einen Planungs- und Nutzungshorizont von zumindest 20 Jahren“, so LK-Präsident Franz Waldenberger. Die Volatilität der Preise und die Auswirkungen von globalen Ereignissen erschweren Planung und laufende Produktion, das massive Auf- und Ab fordere die bäuerlichen Betriebe zusehends.
Höhere Milchpreise waren dringend nötig
„Die höheren Preise der vergangenen Jahre waren in der Milchproduktion dringend notwendig, um Einkommen zu sichern und Spielräume für Investitionen auf den Betrieben zu schaffen. Umso stärker wiegt der aktuelle, schmerzhafte Rückgang der Auszahlungspreise. Es braucht daher rasch eine Trendumkehr“, ist Waldenberger überzeugt. Auch die zuletzt attraktiven Preise für zusätzliche Erlöse bei Kälbern und Schlachtrindern haben sich spürbar abgeschwächt.
Steigende Milchexporte aus Österreich
Im Jahr 2025 wurden österreichische Milchprodukte im Wert von 1,95 Milliarden Euro exportiert. Das entspricht einem Plus von 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig wurden Milchprodukte im Wert von 1,32 Milliarden Euro importiert. Daraus ergibt sich eine positive Handelsbilanz von 634 Millionen Euro. Diese ist gegenüber dem Jahr 2024 um 4,1 Prozent gestiegen. Wichtigste Exportländer sind Deutschland und Italien.
Auf eine Entspannung der Lage bei den Milchpreisen lässt ein Vergleich des Kieler Rohstoffwertes, der sich aus der Verwertung von Milch zu Butter und Pulver errechnet, und den tatsächlichen Auszahlungspreisen laut AMA-Preisberichterstattung schließen: Tendenziell folgen die Auszahlungspreise der Rohstoffwertung. Dies allerdings verzögert und nicht mit allen Extremwerten. Zuletzt konnte der Rohstoffwert wieder etwas zulegen, was Grund zur Hoffnung auf eine Preisstabilisierung gibt. Mittelfristig müssen jedoch Angebot und Nachfrage wieder in ein anderes Verhältnis kommen, um die Preise steigen zu lassen.
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Forderung nach Herkunftstransparenz
Viele Konsumenten sowie Gastronomiebetriebe setzen konsequent auf regionale Produkte. Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie und bei verarbeiteten Lebensmitteln wäre ein wichtiger Schritt für mehr Transparenz und zusätzliche regionale Nachfrage. Waldenberger verweist auf das AMA-Gütesiegel als wichtige Orientierung. Das neue Siegel „Tierhaltung Plus“ stehe zusätzlich für höhere Standards bei Tierwohl und Milchqualität. „Wir brauchen höchstmögliche Transparenz in Sachen Herkunft und Qualität“, fordert Waldenberger.
Oberösterreich bleibt 2025 das wichtigste Milchbundesland Österreichs (siehe Tabelle rechts). Österreichweit stieg die Milchmenge gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent auf 3,678 Millionen Tonnen. Gleichzeitig setzt sich der Strukturwandel fort. Trotzdem produzieren die verbleibenden Betriebe mehr Milch. In Oberösterreich lag die durchschnittliche Milchanlieferung pro Betrieb bei 240.000 Kilogramm und damit deutlich über dem Österreichschnitt von 176.000 Kilogramm.
Die Zahl der Milchkühe blieb stabil. In Oberösterreich werden durchschnittlich 33 Kühe pro Betrieb gehalten, österreichweit sind es rund 26.
Seit dem Ende der EU-Milchquote 2015 hat Österreich seine Milchproduktion stark ausgebaut. Die Anlieferungsmenge stieg seit dem EU-Beitritt um mehr als 60 Prozent. Gleichzeitig nahm die Zahl der Milchviehbetriebe massiv ab – von fast 84.000 Betrieben im Jahr 1995 auf rund 21.500 im Jahr 2024.
Rohrbach, Vöcklabruck, Schärding, Freistadt: Zuwächse
Die Entwicklung der Betriebe hängt stark von Standort, Klima, Futterflächen und technischen Möglichkeiten ab. Besonders starke Produktionszuwächse in Oberösterreich verzeichneten die Bezirke Rohrbach, Vöcklabruck, Schärding und Freistadt. Laut Kammerdirektor Karl Dietachmair sind neben den guten natürlichen Bedingungen vor allem Know-how, Engagement und moderne Zucht entscheidend für den Erfolg der oberösterreichischen Milchproduktion.
Die Dynamik in der Betriebsentwicklung zeigt sich auch in der Größenentwicklung der einzelnen Betriebe. Haupttreiber der Entwicklung sind Technik und Technologie, sowie die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, Erwirtschaftung von Deckungsbeiträgen zur Abdeckung der Entlohnung und Abschreibung. Mehr als 960 Milchviehbetriebe in Oberösterreich arbeiten bereits mit automatischen Melksystemen.
Milchpreis-Entwicklung
Im Jahresdurchschnitt 2025 lag der Milchpreis bei 54,06 Cent netto pro Kilogramm (4,2 Prozent Fett, 3,4 Prozent Eiweiß, Qualitätsmilch konventionell), 2023 bei 49,47 Cent, 2024 bei 48,26 Cent. Die ersten drei Monate 2026 zeigten einen Schnitt von 46 Cent, die Preise tendieren bis Juni abgeschwächt abwärts. Im Mai liegen die Auszahlungspreise je nach Verarbeiter bei etwa 42 bis 43 Cent. Hier sind durchschnittliche Mengen- und Tierwohlboni bereits berücksichtigt. Die Zuschläge für Bio konnten sich auf 8 bis 10 Cent verbessern.
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