Herr Waldenberger, Sie sind seit Jänner Obmann-Stellvertreter der Sozialversicherung der Selbständigen. Wie fällt Ihre erste Zwischenbilanz nach gut zehn Monaten im Amt aus?
WALDENBERGER: Die Sozialversicherung ist für uns als bäuerliche Berufsgruppe sehr wichtig. Die soziale Absicherung ist nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde über Jahre und Jahrzehnte von bäuerlichen Funktionären erkämpft und erarbeitet. Es gibt aktuell viel zu tun und viele Aufgaben.
Die da wären?
Es gibt immer noch Harmonisierungsbedarf. Wir sind dabei, die Versichertengruppen zusammenzuführen und sowohl für Bäuerinnen und Bauern als auch für das Gewerbe die jeweils besten Maßnahmen anzubieten. Natürlich gibt es da Überschneidungen, teils aber auch unterschiedliche Ansprüche. Ein Thema ist natürlich auch immer der Finanzbereich.
Die Zusammenarbeit mit dem Gewerbe läuft gut, es gibt kein Gegeneinander.
Franz Waldenberger
Die Zusammenführung von SVB und SVA zur gemeinsamen SVS liegt nun fünf Jahre zurück. Wie läuft die Zusammenarbeit?
Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Wir sind als bäuerliche Gruppe ja die kleinere Versichertengruppe gegenüber dem Gewerbe. Es gibt aber keinerlei Misstöne oder Gegeneinander, sondern es ist ein großes Miteinander, wo man aufeinander Rücksicht nimmt und miteinander schaut, dass man für die Versicherten das Beste erreichen kann.
Was konnte im Verbund schon verbessert werden?
Es ist in der Harmonisierung und in der internen Abwicklung schon viel gelungen, auch in der Digitalisierung. Mit der svsGO-App sind wir in der Verwaltung sehr schlagkräftig geworden. Da liegt die durchschnittliche Bearbeitungszeit von Anträgen bei lediglich 1,26 Tagen. Auch in Richtung Gesundheitsvorsorge hat sich viel getan. Es gab den Gesundheitshunderter, die Impfvorsorge, die Zahngesundheitsvorsorge, im Vorjahr die Vorsorgeuntersuchung und heuer das Angebot zur Krebsvorsorge. Neu überarbeitet und erweitert haben wir auch den Sicherheitshunderter.
Was hat es damit auf sich?
Im Grunde bekommt der Versicherungsnehmer Geld dafür, etwas für seine Gesundheit zu tun. In unserer Versichertengruppe, sowohl bäuerlich als auch gewerblich, hängt der betriebliche Erfolg sehr stark an der Einsatzfähigkeit des Betriebsführers, der Betriebsführerin, der Familie. Besonders im bäuerlichen Umfeld passieren – vor allem im Forst – immer wieder tragische Unfälle. Mit dem Sicherheitshunderter schaffen wir einen Anreiz, dass sich die Bauern mit dem Thema Sicherheit beschäftigen. Die SVS schießt etwa für Erste-Hilfe-Kurse oder Sicherheitsschulungen bis zu 100 Euro pro Jahr zu. Neu ist, dass wir auch persönliche Schutzausrüstung bezuschussen.
Mit dem Sicherheitshunderter schaffen wir einen Anreiz, sich mit dem Thema Sicherheit am Hof zu beschäftigen.
Franz Waldenberger
Wie erfolgt die Beantragung?
Sehr niederschwellig. Man kauft sich etwa einen Forsthelm oder eine Schnittschutzhose und kann die Rechnung bei der SVS online einreichen. Je nach Höhe des Rechnungsbetrags werden bis zu 100 Euro pro Jahr ausbezahlt.
Anders als bei anderen Versicherungsträgern wird in der SVS nicht eine einzelne Person, sondern ein ganzer Betrieb versichert. Wie wird das in der Beratung berücksichtigt?
Die Sozialversicherung ist auf den Betrieb abgestellt, das ist richtig. Die Beitragsgrundlage richtet sich grundsätzlich nach dem Einheitswert des Betriebes. Sowohl im Gewerbe als auch in der Landwirtschaft arbeiten die meisten Betriebe im Familienverbund. Bisher gab es für diesen Bereich allerdings keine Möglichkeit der betrieblichen Gesundheitsförderung, auch im Hinblick auf die mentale Belastung. Und genau da setzt das Projekt „Future-Proof“ an. Auf freiwilliger Basis werden in einem längerfristigen Prozess Verbesserungspotenziale und Effizienzmöglichkeiten erarbeitet. Derzeit wird dieses Service in der Steiermark und Vorarlberg geboten, Kärnten und Niederösterreich kommen demnächst dazu. Bis 2028 wird Future-Proof dann bundesweit ausgerollt.
Wie darf man sich eine solche Beratung vorstellen?
Bei Future-Proof kommt ein Berater direkt auf den Betrieb und setzt sich mit den Menschen zusammen. Zuerst wird in kleinen Runden – am bäuerlichen Betrieb meist nach Altersgruppen – der Ist-Zustand erhoben. Also Altbauern, aktive Bewirtschafter und Übernehmer werden befragt, wie es ihnen derzeit ergeht. Die weiteren Schritte erfolgen dann ganz individuell. Das Ziel ist eine Unterstützung auf dem Weg zu einem Wohlfühlbetrieb.
Eine wesentliche Säule der SVS ist auch die Pensionsversicherung. Aufgrund des Spardrucks im Bundesbudget waren Pensionen zuletzt vermehrt Thema im öffentlichen Diskurs. Sind die bäuerlichen Pensionen gesichert?
Was in den Medien berichtet wird, betrifft in der Regel nicht die SVS. Aber auch wir müssen natürlich darauf achten, dass wir mit den vorhandenen Mitteln auskommen. Die Pensionen werden in Österreich über ein Umlagesystem abgewickelt. Das ist sicher das beste Verrechnungssystem, das es gibt, trotz mancher Schwächen. Derzeit verschieben sich hier aufgrund der Demografie die Verhältnisse zwischen Einzahlern und Pensionisten. Hier unterstützt die öffentliche Hand das solidarische System, das gilt auch für die Bauern.
Sie sind für eine Periode von fünf Jahren gewählt. Welche Ziele haben Sie sich selbst für diese Amtszeit gesetzt?
Eines ist sicher die Sozialversicherung als wesentlichen Sicherheitsfaktor für die bäuerliche Berufsgruppe weiterzuentwickeln und Versicherungsleistungen wo immer möglich auszubauen. Essenziell ist auch der Erhalt der Selbstverwaltung, weil das ein wesentlicher Teil des Sozialversicherungssystems in Österreich ist. Nur so können wir für unsere Berufsgruppe zugeschnittene Sozialversicherungsleistungen anbieten.
Die Aufgabe
Mag. Franz Waldenberger ist Präsident der LK Oberösterreich und Bürgermeister von Pennewang (Wels-Land). Seit Jänner ist der Biobauer außerdem Obmann-Stellvertreter in der SVS. Damit führt er mit Obmann Peter Lehner gemeinsam das geschäftsführende Organ der SVS, den Verwaltungsrat. Die SVS wird in Selbstverwaltung geführt. Das bedeutet, Vertreter der Versicherten selbst führen in diesem Gremium die Verwaltung durch. Die Versichertenvertreter der Gewerbetreibenden, Bauern und Neuen Selbständigen werden von den Wirtschaftskammern und den Landwirtschaftskammern dorthin entsandt. Diese wählen wiederum ihren Obmann und seinen Stellvertreter jeweils für eine Periode von fünf Jahren.
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))