Nun hat es die Landwirtschaft schwarz auf weiß. Die gut 82.000 tierhaltenden Betriebe im Land produzieren nicht nur Lebensmittel und erhalten die Kulturlandschaft, sie sind auch eine tragende Säule der österreichischen Volkswirtschaft. Eine vom Verein Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) beim Industriewissenschaftlichen Institut (IWI) in Auftrag gegebene Studie liefert erstmals eine umfassende Analyse zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Nutztierhaltung in Österreich auf Basis der Daten von 2024.
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Insgesamt erzeugte die Gesamtheit der heimischen Nutztierhaltung im Untersuchungszeitraum 7,19 Mrd. Euro direkte, 4,15 Mrd. Euro indirekte und 4,27 Mrd. Euro induzierte Wirtschaftskraft. Den IWI-Zahlen zufolge entspricht die Gesamtwirtschaftskraft eines Jahres somit rund 15,6 Mrd. Euro. „Ich mache solche Studien nicht selten. Das ist wirklich ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor“, betonte IWI-Geschäftsführer Herwig Schneider bei der Präsentation der Ergebnisse im Dezember in Wien.
Ich mache solche Studien nicht selten. Das ist wirklich ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor.
Herwig Schneider
IWI-Geschäftsführer
Er ergänzte: „Jeder Arbeitsplatz in der Nutztierhaltung schafft zusätzliche Jobs in Verarbeitung, Futtermittelwirtschaft, Transport und Tourismus. Die volkswirtschaftlichen Multiplikatoreffekte sind enorm.“ Das Besondere: Laut Schneider passieren diese Impulse sehr regional, nützen zugleich aber der gesamten Republik. So würden allein 1,6 Mrd. Euro an Steuern und Abgaben generiert. „Ohne die Arbeit unserer Bauern gäbe es diese Wertschöpfung schlicht nicht“, betonte indes NTÖ-Obmann Markus Lukas.
Kostenspirale als größte Baustelle
Zugleich wies der Ökonom auf die Kostenproblematik hin, die aus der Erhebung samt Interviews hervorging. Demnach sind seit 2020 die Umsätze der Betriebe im Schnitt um 18 Prozent gestiegen, während sich die Kosten um 37 Prozent erhöht haben. Damit wachsen die Kosten doppelt so schnell wie die Einnahmen. Besonders betroffen seien futterintensive Tierarten wie Rinder, Schweine und Geflügel. „Diese Kosten müssen auch abgebildet werden“ ist Herwig Schneider überzeugt. Das entscheidende Stichwort sei – wie bei jedem Unternehmen – die Planungssicherheit.
Das sah auch Markus Lukas, selbst Geflügelmäster, so: „Wir Bauern erbringen unsere Leistung, aber die Preise decken nicht einmal die Kosten. Die Schere zwischen Ertrag und Aufwand hat sich trotz wirtschaftlich guter Jahre massiv geöffnet.“ Die Wettbewerbsfähigkeit sei akut gefährdet, planbare Rahmenbedingungen und marktgerechte Anreize nun ein Muss.
Die Schere zwischen Ertrag und Aufwand hat sich trotz wirtschaftlich guter Jahre massiv geöffnet.
Markus Lukas
NTÖ-Obmann
Auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig pflichtete bei: „Die österreichische Tierhaltung ist wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich unverzichtbar. Wenn wir wollen, dass hochwertige Lebensmittel verfügbar sind, müssen wir die heimischen Betriebe stärken und regionalen Lebensmitteln die Treue halten.“ Importe seien jedenfalls keine Option. Totschnig dazu: „Wer sich in die Abhängigkeit von Importen begibt, macht sich anfällig für die Preisvolatilität der Weltmärkte und Qualitätsverluste durch niedrigere Standards.“
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