BauernZeitung: Herr Frank, die Ernte 2025 befindet sich in den letzten Zügen, wie fällt die diesjährige Bilanz bei der Kärntner Saatbau aus?
FRANK: Hitze und Dürre haben uns heuer massiv getroffen. Umso erfreulicher war die doch passable Getreideernte. Die Wintergerste brachte sogar Rekorderträge. Das dürfte den Getreideanbau im Land wieder ankurbeln. Hauptkultur bleibt aber der Mais. Der hat heuer sehr gelitten, mit regional großen Unterschieden. Vielversprechend hat die Sojabohne abgeschnitten. Diese brachte heuer trotz der Dürre durchschnittliche Erträge. Hier zeigt sich, dass in der Züchtung viel passiert. Wir kooperieren bei Soja mit der Saatzucht Donau und der Saatzucht Gleisdorf und vermehren selbst 500 Hektar in Kärnten. Das heurige
Ergebnis zeigt: Soja ist im Klimawandel deutlich resilienter. Warum braucht es eine eigene Saatguterzeugung im Land?
Kärnten weist spezielle Anbaubedingungen und besondere klimatische Verhältnisse auf. Auf unseren eigenen Feldversuchsanlagen werden aktuelle und neue Sorten getestet, um die besten, ertragreichsten, gesündesten und hochwertigsten Sorten für die Kärntner Landwirte anbieten zu können.
Beinahe ein Vierteljahrhundert führen Sie schon die Geschäfte der Kärntner Saatbau. Nun kommt mit der Funktion des Obmanns von Saatgut Austria eine neue Rolle hinzu. Wie legen Sie diese an?
Wir wollen Gutes bewahren und uns neuen Aufgaben stellen. Pflanzenzüchtung leistet einen wichtigen Beitrag für eine zukunftsfitte Landwirtschaft. Das muss auch weiterhin gelingen. Wir haben in Österreich das Glück, dass noch einige traditionelle Züchtungsunternehmen bestehen. Geht es diesen Unternehmen gut, hilft das durch die Sicherung des Zuchtfortschritts auch der Landwirtschaft. Dazu muss allerdings auch das Umfeld für Investitionen stimmen.
Auch auf politischer Ebene steht die Saatgutbranche vor Herausforderungen. Welchen Standpunkt vertreten Sie bei der Debatte um die Neuen Genomischen Techniken (NGT)?
In der Pflanzenzüchtung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan. Beim neuen Verfahren, der Genschere CRISPR-Cas, handelt es sich nicht um klassische Gentechnik. Derzeit wird in Brüssel im Trilog darüber verhandelt.
Für uns steht fest: Wir müssen über neue Technologien offen diskutieren. Moderne Verfahren können einen wichtigen Beitrag leisten, um trotz sinkender Anbauflächen und wachsender Bevölkerung den Anforderungen gerecht zu werden. Im aktuell diskutierten Gesetzesvorschlag ist eine Teilung der Gentechnik in zwei Kategorien vorgesehen. In der Kategorie 1 sollen all jene Pflanzen zusammengefasst werden, wo Mutationen nur im bestehenden Erbgut der Pflanze stattfanden, welche auch natürlich stattfinden können. Die klassische Gentechnik soll – samt weiterhin bestehender strikter Auflagen – in der Kategorie 2 zusammengefasst werden. Kategorie 2 werden wir in Österreich weiterhin nicht brauchen, Kategorie 1 hingegen schon.
Genschere CRISPR-Cas
Die Neuen Genomischen Techniken (NGT) bezeichnen ein Züchtungsverfahren, bei dem mittels „Genschere“ das bestehende Erbgut einer Pflanze durch natürliche Prozesse verändert wird. Die EU-Kommission will diese Methode in Europa zulassen und aus der Gentechnik-Regelung ausklammern. In Österreich stößt das in Gesellschaft und Politik auf Widerstand. Wissenschaftler und Züchter sprechen sich für eine Legalisierung aus. In anderen Erdteilen wird CRISPR-Cas bereits verwendet.
Gesetzt den Fall, das Verfahren wird verboten, was bedeutet das für die Landwirtschaft hierzulande?
Wenn wir es nicht machen werden, werden es andere tun. Dann werden wir in der Entwicklung stehen bleiben. Die Wertschöpfung wird in diesem Fall bei internationalen Akteuren passieren.
Das würde wohl auch die Marktkonzentration in der Pflanzenzüchtung befeuern. Wie geht die Kärntner Saatbau mit der zunehmenden Konkurrenz aus dem Ausland um?
Wir sind im globalen Vergleich mit 100 Genossenschaftsmitgliedern ein Kleinstunternehmen. Vier große Konzerne beherrschen weltweit den Saatgutmarkt. Die Konzentration des Marktes ist ein stetiger Prozess, der etwa in Deutschland und Frankreich schon viele mittelständische Unternehmen zum Aufgeben gezwungen hat. Hierzulande war dieser Prozess bisher gedämpft. Aber auch bei uns steigt der Kostendruck. Wir müssen alles versuchen, um eine regionale Züchtung und Saatgutwirtschaft aufrechtzuerhalten.
Was würden Sie sich für eine erfolgreiche Saatgutwirtschaft seitens Politik und Landwirtschaft als Abnehmer wünschen?
Betreffend Politik würden wir in einigen Bereichen eine Entbürokratisierung vertragen. Generell gilt: Die bestehenden Spielregeln müssen von allen Seiten eingehalten werden. Investitionen in die Züchtung sind Investitionen in die Zukunft. Bis eine neue Sorte auf den Markt kommt, vergehen mehr als zehn Jahre und es entstehen hohe Kosten. Das kann sich ein Züchter nur dann leisten, wenn die Sorte sich etabliert und von den Bauern auch gekauft wird. Saatgut ist das zentralste Betriebsmittel, weil es am Anfang jeder Produktionskette steht. Ein Teil des Saatgutkaufpreises sind Lizenzkosten für die Züchtung. Diese kommen dann wieder der Entwicklung neuer Sorten zugute.
70 Jahre Kärntner Saatbau
Die Kärntner Saatbau wurde 1955 aus der Vereinigung der Saatguterzeuger Kärntens als Genossenschaft mit Sitz in der Krassniggstraße in Klagenfurt gegründet. In sieben Jahrzehnten wurde der Standort ausgebaut und bündelt hier alle Aktivitäten der Pflanzenzüchtung, -produktion und -vermehrung im Land. Ein besonderer Fokus liegt auf der Versorgung mit regionalem und standortangepasstem Saatgut für die alpinen Regionen und für extensive Grünlandflächen. Auf etwa 2.000 Hektar Ackerfläche werden in Kärnten Saatgutvermehrungsflächen für Getreide, Sojabohnen, Raps, Mais und weitere Kulturen unterhalten. Die Kärntner Saatbau steht in intensivem Kontakt mit den Forschungseinrichtungen des Bundes und allen österreichischen und wichtigen europäischen Pflanzenzüchtern. Gemeinsam mit der Ages unterhält man eine ausgedehnte Versuchswirtschaft auf mehreren Standorten. Das Unternehmen selbst führt konventionelle Versuche in St. Donat und Bio-Versuche in Kappel/Krappfeld durch.
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