Eine Frau hält eine Packung Hühnerfleisch in der Hand.

Copyright © Nastya - Stock.adobe.com

Gütesiegel im Rückzug?

Zwar dominiert heimisches Frischfleisch in den Ladentheken der Handelsketten, am AMA-Gütesiegel ist das für Verbraucher jedoch nicht immer ersichtlich.

Ein Regionalitätscheck für Frischfleisch des Vereins Wirtschaften am Land sorgt für neue Erkenntnisse in der Debatte um mehr Transparenz bei der Lebensmittelherkunft: Demnach stammen zwar 93 Prozent der untersuchten Frischfleischprodukte aus österreichischer Herkunft. Der Erhebung des Vereins zufolge zeigt sich bei Billa, Spar, Hofer und Lidl jedoch ein beunruhigender Trend: Nur 58 Prozent von den 264 untersuchten Produkten tragen auch tatsächlich das AMA-Gütesiegel.

Sinkende Tendenz im Billa-Regal

Am deutlichsten zeigt sich der Trend bei Billa: Dort ist der Anteil an AMA-Gütesiegel-Produkten auf einen Wert von 34 Prozent abgesackt. Auslöser war die Entscheidung von Rewe, bei der Eigenmarke „Clever“ das Gütesiegel von Geflügelprodukten zu streichen. Die Herkunft „Österreich“ wird jedoch weiterhin ausgelobt. Was vielen Konsumenten hier verborgen bleibt, ist die schnelle Austauschbarkeit von Produkten ohne AMA-Gütesiegel-Kennzeichnung. Verlust von verlässlichen Informationen zu Qualität und Haltungsbedingungen inklusive.

Weniger Gütesiegel heißt mehr Druck auf unsere Bauern.

Robert Pichler

Robert Pichler, Obmann des Vereins Wirtschaften am Land, formuliert die Problematik für Österreichs Bauern sehr konkret: „Wir haben die Herkunft im Blick. Jeder Schritt weg von einem klaren Bekenntnis zu österreichischem Frischfleisch bedeutet weniger Qualität und mehr Druck auf unsere bäuerlichen Betriebe.“ Das Gütesiegel sei ein Versprechen an die Verbraucher und ein „Schutzschild“ für heimische Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung. Auch Markus Lukas, Obmann der Nachhaltigen Tierhaltung Österreich, warnt: Das AMA-Gütesiegel sei für viele Menschen der wichtigste Orientierungspunkt. Fehlt dieses Signal, gehe nicht nur Wertschätzung verloren – es zeige auch, „wie einfach austauschbar heimische Produkte am Markt werden“.

Herkunft sichern statt Qualität verdrängen

Aus diesem Grund appellieren die Bauernvertreter dringlich an den Handel, konsequent auf das AMA-Gütesiegel zu setzen. Denn was heute still und leise aus den Regalen verschwindet, fehlt morgen auf den Höfen. Die heimische Landwirtschaft lebt von Transparenz, Verlässlichkeit und klarer Kennzeichnung – und davon, dass Konsumenten erkennen können, wofür Österreichs Bäuerinnen und Bauern täglich arbeiten.