Biodiversitätsfläche

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Grundsatzdebatte zur Biodiversität

Eine einigermaßen überraschende Frage wurde auf den 66. Pflanzenschutztagen diskutiert: Machen Biodiversitätsflächen überhaupt Sinn?

Zum 66. Mal traf sich im November das „Who‘s who“ der österreichischen Pflanzenschutzbranche auf den Pflanzenschutztagen, diesmal in Ossiach (Kärnten). Die Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Phytomedizin bot als Veranstalter zwei Tage mit hochkarätigen Fachreferenten. Diskutiert wurden aktuelle und künftige Herausforderungen der Landwirtschaft und alle Formen möglicher Lösungsstrategien, von Bio-Stimulantien über Digitalisierung bis zur klassischen chemisch-synthetischen Behandlung.

Als betont grundsätzlich stellte sich die Debatte im ersten Tagungsblock heraus. Nachdem der Kärntner Agrarlandesrat Martin Gruber noch unterstrichen hatte, die Diskussion um Pflanzenschutz sei eine „über die Wertigkeit von Lebensmitteln“ und deshalb zu einer Versachlichung aufrief, waren die nachfolgenden Referenten teils anderer Auffassung.

Indikatoren auf Grün

Zunächst erläuterte aber Thomas Neudorfer, Abteilungsleiter für Agrarumwelt (ÖPUL) im Landwirtschaftsministerium, den aktuellen Stand zu umwelt- und biodiversitätsfördernden Maßnahmen in der laufenden GAP-Periode. Mittlerweile dienen rund 240.000 Hektar an Agrarfläche in Form von Biodiversitätsflächen im ÖPUL als Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Immerhin zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Dass die kontinuierliche Weiterentwicklung der nunmehr sechsten Auflage des Agrarumweltprogramms bereits Erfolge zeigt, belegte Neudorfer etwa mit dem „Farmland Bird Index“. Dieser sei ein Indikator für die Bestandsentwicklung von in der Kulturlandschaft typischen Vogelarten und habe sich in den vergangenen Jahren wieder stabilisiert. Laut dem Abteilungsleiter nur ein Beispiel wie die Landwirtschaft zum Erhalt der Biodiversität beitrage. Die Biodiversitätsflächen folgen dem sogenannten „Land-Sparing“-Prinzip. Dabei werden bewusst ökologisch wertvolle Flächen extensiviert, damit die verbliebenen Flächen nachhaltig intensiv bewirtschaftet werden können.

Sharing versus Sparing

Etwas anderer Meinung war Horst-Henning Steinmann. Der Agrarwissenschafter forscht und lehrt an der Georg-August-Universität Göttingen und referierte über die Vereinbarkeit von Biodiversität und Pflanzenschutz. Mit dem Grundsatz „mehr Unkraut wagen“ würden Bauern auch Artenvielfalt in die bestehenden Flächen bringen und die Resistenzproblematik im Pflanzenschutz aufbrechen. Auch Boku-Professor Thomas Frank sprach von einer Nivellierung der Artenvielfalt.

Das Gegenteil von „Land-Sparing“, nämlich „Land-Sharing“-Konzepte, würde hier mehr Erfolg versprechen. Letzteres Konzept steht für eine erhöhte Pflanzen- und damit Artenvielfalt in den Kulturen selbst. Laut Steinmann sei die Problematik jene, dass Biodiversitätsflächen in der Bewirtschaftung oft „vergessen“ werden. Genau hier will Thomas Neudorfer aus dem Landwirtschaftsministerium ansetzen. Starre Auflagenkonzepte sollen der Vergangenheit angehören. Das Ziel sei es, die Biodiversitätsfläche „zu führen wie eine andere Kultur“. Nachsatz: „Im besten Fall hat auch der Landwirt selbst Freude daran.“