Branchenkenner im Gespräch: Was erwartet uns dieses Vermarktungsjahr?
Durch den Krieg im Iran schaffen es Öl- und Düngerpreise beinahe stündlich in die Schlagzeilen.
Die BauernZeitung hat bei RWA-Manager Werner Zumpf nachgefragt, welche Schlüsse sich
aus den jüngsten Ereignissen für das Geschäft mit Marktfrüchten ziehen lassen.
BauernZeitung Nach zwei Jahren mit dürftigen Erzeugerpreisen entwickeln sich die Notierungen für Getreide und Ölsaaten wieder dynamischer. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Werner Zumpf Wir kommen aus einem Jahr, das weltweit zu Höchstständen bei der Ernte geführt hat. Wir hatten bei den Hauptfrüchten Weizen und Mais die bisher größte Ernte und dementsprechend hoch sind die Lagerstände. Das ist der Grund, dass sich bei Weizen seit Herbst 2024 die Matif-Kurse, die wichtigsten Steuerungskurse für die Weizenpreise in Österreich, nach unten bewegen. An der Situation ändern die Preisausschläge an den Terminbörsen durch den Iran-Krieg vorerst nichts.
Die physischen Weizenpreise am Kassamarkt blieben trotz Ausschlägen an
den Börsen bisher weitgehend konstant.
Werner Zumpf
RWA-Bereichsleiter
Werner Zumpf Die physischen Preise vor Ort am Kassamarkt, also jene, die Mühlen und Mischfutterwerke für den Rohstoff zahlen, sind weitgehend konstant. Bei den Ölsaaten ist das immer etwas anders, weil hier bei Raps und bei Sojabohne eine starke Abhängigkeit zur Notierung für Erdöl der Sorte Brent besteht. Hier waren die Preise aber schon im letzten Jahr durchaus attraktiv. Der Iran-Krieg bringt Mitnahmeeffekte, aber nicht in derselben Größenordnung wie an der Börse. Die Versorgung bis zur nächsten Ernte ist gegeben. Auch die weltweit wüchsige Witterung spricht gegen ein Szenario mit raschen Preisanstiegen.
Zur Person
Werner Zumpf ist seit gut zwei Jahren Bereichsleiter für Landwirtschaftliche Erzeugnisse in der Raiffeisen Ware Austria (RWA). Davor war der studierte Wirtschaftspädagoge und aktive Nebenerwerbslandwirt im Haus für die Finanzen verantwortlich.
BauernZeitung Stichwort Wetter. Wie stehen die Getreidebestände derzeit in Österreich und Europa da?
Werner Zumpf Wir haben in der RWA den sogenannten Wettermarkt ständig unter Beobachtung, da es sich um einen wichtigen Indikator für die Ernte handelt. Europaweit kommen die Bestände aus einer stabilen Winterentwicklung. Die Böden sind ausreichend mit Wasser versorgt. Die Prognosen sagen eine weiter stabile Witterung voraus. In Österreich war die Kälteperiode heuer etwas länger. Mit dem Schneefall in den Hauptanbaugebieten starten die Kulturen mit guten Bedingungen in das Jahr. Auswinterungsverluste oder Schäden durch das Gelbverzwergungsvirus sieht man kaum. Mal abwarten, was der Frühling noch bringt.
BauernZeitung Für Ertragsprognosen ist es noch zu früh, nicht aber, um sich über die Vermarktung der eigenen Ernte Gedanken zu machen. Ihre Tipps dafür?
Werner Zumpf Nachdem die weiteren Entwicklungen nie prognostizierbar sind, rate ich wie immer zu einer geteilten Verkaufsstrategie. Es hängt immer davon ab, wie der einzelne Betrieb aufgestellt ist. Hat man die Möglichkeit, einen Teil der Ernte in guter Qualität auf Lager zu legen und später zu vermarkten, kann das eine Option sein. In den Lagerhäusern werden dafür auch Lagerverträge angeboten, um nicht im Sommer zu Spot-Preisen vermarkten zu müssen.
Überzeugt bin ich, dass unser Angebot der Pool-Vermarktung hier ebenso hilft. Eine erste Teilzahlung erhalten die Landwirte schon nach der Ernte. Durch die gemeinsame Vermarktung lassen sich dem Markt entsprechende Erfolge erzielen, die dann in einer Nachzahlung an die Bauern eingepreist werden können. Es macht auch Sinn, auf Fix-Kontrakte zu setzen, wenn man als Landwirt mit den angebotenen Fixpreisen seine Kosten decken kann und bereits die erwarteten Deckungsbeiträge erzielt.
BauernZeitung Die RWA schlägt jährlich 2,5 Mio. Tonnen an Agrargütern um. Laufen bereits Gespräche für die neue Ernte?
Werner Zumpf Ja, auch wir schließen etwa bei Nassmais bereits Kontrakte mit italienischen Abnehmern ab. Beim Qualitätsgetreide dürfte uns der steigende US-Dollar- Kurs im Vergleich zum Euro nützen, um in Italien wieder konkurrenzfähiger zu sein. Hier waren die USA und Kanada zuletzt hochkompetitive Marktteilnehmer. Zugleich belasten die ansteigenden Transportkosten, wirtschafts- und treibstoffbedingt, die weiteren Auslieferungen.
BauernZeitung Ist es schwieriger geworden, Qualitätsgetreide, allen voran Mahlweizen, aus heimischer Produktion abzusetzen?
Werner Zumpf Die globale Weizenproduktion betrug 2025 830 Mio. Tonnen. Auch Österreich produziert durch Fortschritte in der Züchtung und durch die Professionalität der Landwirte mehr als den Inlandsbedarf. Mit den notwendigen Exporten müssen wir uns am Weltmarkt messen.
Die Produktionskosten des Einzelbetriebs sind der entscheidende Hebel.
Werner Zumpf
RWA-Bereichsleiter
Werner Zumpf Die einzelbetrieblichen Produktionskosten sind hier der entscheidende Hebel. Unter dem Strich bleibt die Differenz aus dem übrig, was man als Landwirt hineinsteckt und was man herausbekommt. Hier ist jeder Landwirt gefordert, seine Produktionskosten durch Effizienzsteigerung entsprechend anzupassen, um in diesem Segment auch noch entsprechende Kostendeckung zu erreichen. Die vielen Stellschrauben sind auch in der LK-Beratung zunehmend Thema. Maschineneinsatz, Betriebsmittel, Arbeitskosten und Pacht, all das ist zu bedenken.
BauernZeitung Auf Weizen-Rekordpreise wie 2022 darf man also nicht hoffen?
Werner Zumpf Zu Beginn des Ukraine-Krieges hatten wir Preise von 300 bis 400 Euro, weil die Märkte in Sorge waren, dass ein ganzes Produktionsland ausfällt. Diese Sorge hat sich gegeben. Heuer wird dort trotz andauerndem Krieg eine gute Ernte erwartet. Kurz gesagt, die kurze Hochphase hat uns verwöhnt. Im Iran ist das anders. Es handelt sich um eine Importregion für Getreide und Mais. Dass diese Warenströme nun teilweise ins Stocken geraten, bewirkt eher das Gegenteil. Die Ladung einzelner Schiffe im Mittelmeer, die für die Golf-Staaten bestimmt war, wurde bereits zu Spotmarkt-Preisen verkauft. Das hat auf Österreich unmittelbar keinen Einfluss. Aber förderlich für den Preis ist es auch nicht.
Situation bei Biomarktfrüchten
Auch für den Biolandbau hat sich die BauernZeitung nach einem aktuellen Situationsbericht erkundigt. RWA-Biohandelsexperte Hubert Spanischberger spricht von einer insgesamt positiven Nachfrageentwicklung: „Die Nachfrage nach Speise-, Futter und Industriegetreide sowie Ölsaaten steigt in Summe stetig. Besonders für österreichische Herkunft mit Verbandsstatus.“
Einzig in Deutschland gäbe es Probleme. Dort verdränge EU-Bio-Ware aus dem Osten preisbedingt zunehmend österreichische und deutsche Lieferanten. Insgesamt sei es aber gelungen, vorhandene Überlager in der auslaufenden Saison abzubauen. Hinsichtlich der Kulturverteilung dürften die Voraussetzungen heuer aber stimmen. Lediglich bei Dinkel rechnet der Marktexperte mit einer deutlichen – und wohl über den Bedarf hinausgehenden – Flächenausweitung. Wer in letzter Minute noch über die Wahl der Sommerung tüftelt, dem rät Spanischberger bei Speisehafer zur Vorsicht: „Ohne Einschränkung sind Eiweißkulturen, Sojabohnen und Sonnenblumen zu empfehlen. Bei diesen Kulturen ist Österreich – besonders bei Ölkuchen und Ackerbohnen – ein Nettoimporteur.“