Die Londoner Denkfabrik „Systemiq“ hat in einem im Frühjahr publizierten Bericht die Strategie Chinas für die eigene Agrarproduktion zerpflückt. Unter dem Titel „Chinas Food Future“ beschreiben die Experten ein Szenario, das man aus der chinesischen Wirtschaft etwa auch schon bei der PV-Modulproduktion oder der Solarenergie kennt. Peking strebt demnach nicht weniger an als die langfristige globale Marktführerschaft für zahlreiche landwirtschaftliche Produkte.
Derzeit ist man davon allerdings noch weit entfernt, das Handelsdefizit für Agrargüter beträgt derzeit umgerechnet 107,1 Mrd. Euro pro Jahr. Die Autoren des Berichts wollen trotzdem eine langfristige Dreiphasen-Strategie im chinesischen Vorgehen erkennen.
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Bis 2030 nehmen die Importe noch zu
Bis zum Ende des Jahrzehnts wird China demnach einen Höchststand an importierten Agrarprodukten erreichen. Danach sollen diese massiv zurückgehen, rechnet man in London vor. Bei Soja für Futterzwecke sollen die Einfuhren um ein Viertel sinken, Fleischersatzprodukte auf pflanzlicher Basis im Gegenzug an Bedeutung gewinnen.
Bis 2040 strebt Peking dann durch massive Effizienzsteigerungen eine Trendwende an. Durch den Einsatz von Gentechnik und Forcierung industrieller Tierhaltung will man zum Netto-Exporteur von Milchprodukten, Eiern und Aquakulturprodukten avancieren.
Laborfleisch für die Welt
Gut zehn Jahre später wird laut Systemiq dann Laborfleisch ein wettbewerbsfähiges Preisniveau erreichen. Diese Produktkategorie soll dann 35 bis 55 Prozent des chinesischen Gesamtbedarfs an tierischem Protein decken – und zwar aus eigener Produktion. Den Experten zufolge strebt die Volksrepublik hier eine Vorreiterrolle in der industriemäßigen Produktion an.
Bezahlen soll den Innovationsschub für die Landwirtschaft in China über Umwege der Staat, etwa durch mehr Budget und Innovationscluster an Universitäten oder die Zulassung gentechnisch veränderter Sorten. Aber auch künstliche Nachfrage nach Produkten durch staatliche Einkaufsstandards erwarten die Analysten in Großbritannien.
Auswirkungen auf den Weltmarkt ungewiss
Sollten sich die Prognosen der Denkfabrik bewahrheiten, hätte das für die großen Agrarexporteure der Welt massive Auswirkungen. Die USA, aber auch Brasilien und Argentinien haben in Fernost derzeit ihre wichtigste Exportadresse für Soja und Rindfleisch. Indirekt könnte es natürlich auch Konsequenzen für Europas Landwirtschaft haben, wie die Agrarzeitung schreibt. Verdrängungseffekte am Weltmarkt könnten zu Überproduktion und damit Preisverfall bei Rind-, Geflügel- oder Schweinefleisch führen. Ähnliches würde für in der EU erzeugte Eiweißkomponenten gelten, die plötzlich einer deutlich preisaggressiveren Konkurrenz gegenüberstünden.
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