Herr Norz, fast ein Vierteljahrhundert waren Sie als Direktor an der LLA tätig, davor mehrere Jahre als Lehrer. Seit Anfang 2026 befinden Sie sich im Ruhestand. Der Abschied bedeutete wohl ein lachendes und ein weinendes Auge?
NORZ: Mit einem lachenden und dankbaren Auge blicke ich auf viele schöne Begegnungen zurück – besonders auf jene Momente, in denen Schülerinnen und Schüler über sich hinauswachsen. Nicht nur im Unterricht, sondern auch bei Schulveranstaltungen überraschen junge Menschen immer wieder mit großartigen Ideen. Ein Abschied ist aber stets auch mit einem Tropfen Wehmut verbunden.
Worauf blicken Sie besonders gerne zurück, was waren die Höhepunkte Ihrer Amtszeit?
NORZ: Ein persönlicher Höhepunkt ist es, zu sehen, wie Absolventinnen und Absolventen ihren Berufsweg erfolgreich meistern. Wichtige Meilensteine waren zahlreiche Baumaßnahmen sowie der Aufbau von Bildungskooperationen. Es ist gelungen, den Beruf des Forsttechnikers in Rotholz anzubieten und Ausbildungsanrechnungen für Pflege- und Kinderbetreuungsberufe zu schaffen. Unsere Schülerinnen und Schüler sind heute am Arbeitsmarkt sehr gefragt. Auch die Kooperation mit der HBLFA Tirol hat sich gut entwickelt.
Welchen Tipp geben Sie Ihrem Nachfolger für die herausfordernde Tätigkeit als Schulleiter?
NORZ: Bei einer Institution mit über 130 Mitarbeitenden ist Zusammenarbeit entscheidend. Ein konstruktives Miteinander und die Kernkompetenz Landwirtschaft stets im Blick zu behalten, sind zentral. Wir müssen jungen Menschen neue Wege aufzeigen und Begeisterung für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Haushaltsmanagement und Gartenbau fördern. Vielfalt ist die Stärke der Landwirtschaft – sie hält den ländlichen Raum lebendig.
Wir dürfen den jungen Menschen neue Wege aufzeigen.
Josef Norz
Frau Gschwentner, Sie haben im Jahr 2007 die Funktion der Abteilungsvorständin der Fachschule für Hauswirtschaft übernommen. Inzwischen trägt diese Schule den Namen Fachschule für ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung dieser Schulform unter Ihrer Führung?
GSCHWENTNER: Mir war wichtig, diese Fachschule klar in der Tiroler Bildungslandschaft zu positionieren. Hier werden Persönlichkeiten vielseitig für das Leben ausgebildet. Sie sind am Arbeitsmarkt begehrt, weil sie Fähigkeiten besitzen, die für Unternehmer immer notwendiger werden. Wir als Lehrpersonen begleiten sie auf diesem Weg und helfen ihnen dabei, Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kreativität, soziales Engagement, Verantwortungsbewusstsein und kritisches Denken zu entwickeln. Viele meiner Visionen sind heute Realität. „Dranbleiben“ – und das im Team – ist für mich der Schlüssel erfolgreicher Entwicklung. Dafür danke ich allen, die diesen Weg unterstützt haben.
Sie haben Ihre Funktion stets mit viel Herz und Hirn ausgeübt und versucht, diese Haltung an die Schülerinnen und Lehrkräfte weiterzugeben. Sehen Sie diese Werte als Grundlage einer gelungenen Bildung und welche Schwerpunkte waren Ihnen außerdem wichtig?
GSCHWENTNER: Bildung ist untrennbar mit Emotionen verbunden. Begeisterung, Beziehung auf Augenhöhe und Wertschätzung motivieren nachhaltig. Praktisches Tun ermöglicht Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Die Arbeit mit und in der Natur stärkt das Verständnis für Landwirtschaft und unsere Region. Ebenso wichtig war das Erkennen von Trends, um Schulschwerpunkte dahingehend auszurichten und entsprechende Bildungspartner zu finden. Rotholz ist ein Ort des Wachstums, der Raum zum Entfalten sowie zum Umsetzen bietet. In diesem Bewusstsein zu arbeiten war mir sehr wichtig und dafür bin ich sehr dankbar.
Praktisches Tun ermöglicht ein Lernen mit Kopf, Herz und Hand.
Maria Gschwentner
Herr Stoll, sie traten mit Anfang des Jahres als Direktor der LLA eine verantwortungsvolle Stelle an. Was sind Ihre Visionen, Pläne oder Vorstellungen für die Zukunft dieser Schule?
STOLL: Zunächst danke ich meinem Vorgänger DI Josef Norz für sein langjähriges Wirken und Engagement, mit dem er die LLA geführt und nachhaltig geprägt hat. Mein Ziel ist es, diese Schule als moderne, praxisnahe Bildungsstätte konsequent weiterzuentwickeln. Dazu zählt die Modernisierung von Lehrwerkstätten, die in enger Abstimmung mit den Lehrpersonen sowie den Mitarbeitenden erfolgen soll. Ein vertrauensvolles Miteinander ist mir dabei besonders wichtig. Großes Potenzial sehe ich in starken Partnerschaften mit Landwirtschaft, Bildung und Wirtschaft.
Was sind die Stärken der Ausbildung an der LLA Rotholz?
STOLL: Die großen Stärken sind für mich ganz klar die Vielfalt sowie die Verbindung von Theorie und Praxis. Sehr positiv sehe ich auch die zusätzlichen Ausbildungsschwerpunkte in der FSBHM. Insgesamt steht die LLA Rotholz für eine Ausbildung, die breit aufgestellt ist und gleichzeitig konkrete berufliche Wege eröffnet. Entscheidend sind auch unsere motivierten und engagierten Lehrpersonen in allen Fachrichtungen.
Welche Herausforderungen gilt es, als Schule und Internat zu meistern?
STOLL: Eine zentrale Herausforderung ist es, mit den fachlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen Schritt zu halten und dabei unsere Kernaufgabe, die land- und forstwirschaftliche Ausbildung, nicht aus den Augen zu verlieren. Außerdem ist die LLA Rotholz auch ein Lebensraum auf Zeit. Wohlbefinden, zeitgemäße Ausstattung und klare Strukturen im Internat sind wesentlich. Digitalisierung und ein verantwortungsvoller Umgang mit sozialen Medien gewinnen an Bedeutung. Gemeinsam werden wir die LLA Rotholz als lebendigen Lern- und Lebensort weiterentwickeln.
Die LLA Rotholz ist mehr als eine Schule – für die jungen Menschen ist sie ein Lebensraum auf Zeit.
Josef Stoll
Frau Hochmuth, welche Erfahrungen aus Ihrer bisherigen Laufbahn nehmen Sie bewusst mit für Ihre neue Aufgabe als Fachvorständin der FSBHM?
HOCHMUTH: Schule braucht klare Strukturen und zugleich Freiräume für Individualität. Stärken zu erkennen und zu fördern ist wichtiger, als Schwächen in den Mittelpunkt zu stellen. Die Macht der Worte sollte man nie unterschätzen – ehrliches Lob wirkt nachhaltig.
Welche Bedeutung hat die FSBHM Ihrer Meinung nach für den ländlichen Raum und für junge Menschen?
HOCHMUTH: Schule und ländlicher Raum profitieren voneinander. Die Schülerinnen und Schüler vertiefen ihr Wissen, entdecken Interessen und werden gefragte Lehrlinge oder Fachkräfte. Gleichzeitig bietet die FSBHM Orientierung und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Für junge Menschen bedeutet die FSBHM, dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, ihre bestehenden Ziele zu verfolgen. Unser umfassendes Angebot an Fächern und sehr viel praktischer Unterricht hilft dabei, sich zu orientieren.
Jemandem ein Konzept überzustülpen funktioniert nicht.
Brigitte Hochmuth
Welche Kompetenzen sollen Schülerinnen und Schüler an Ihrer Schule vermittelt bekommen?
HOCHMUTH: Der etwas kompliziert klingende Name Fachschule für ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement beinhaltet eine wichtige Kompetenz, nämlich einen Betrieb oder einen Haushalt zu managen. Dazu gehören Zeit- und Ressourcenmanagement, Planung, digitale Kompetenz und der Umgang mit Menschen. Persönlich sind Selbstständigkeit, Zuverlässigkeit, Empathie und Nachhaltigkeitsbewusstsein besonders wichtig.
Die neue Schulführung stellt sich vor
Direktor der LLA Rotholz: DI Josef Stoll; Alter: 51 Jahre; Wohnort: Rotholz, Strass im Zillertal; Beruflicher Werdegang:
Referent der LK Tirol, seit 2006 Lehrer an der LLA Rotholz, seit 2021 Abteilungsvorstand der Fachrichtung Landwirtschaft und Direktorstellvertreter
Fachvorständin der FSBHM Rotholz: Dipl.-Päd. Brigitte Hochmuth; Alter: 52 Jahre; Wohnort: Reith im Alpbachtal; Beruflicher Werdegang: Erstes Dienstjahr in der Haushaltungsschule Breitenwang, seit 1997 LLA Rotholz (zuerst Expositur Bruck am Ziller und seit 2011 FSBHM Rotholz)
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