Wenn in Oberösterreich die Erntezeit beginnt, steigt auch der Bedarf an Saisonarbeitskräften. Österreichweit waren im Jahr 2025 mehr als 24.000 Saisonarbeitskräfte im Einsatz, viele davon in Oberösterreich. Besonders im Obst- und Gemüsebau übernehmen sie wichtige Aufgaben bei Ernte und Verarbeitung.
Dabei hat sich die Zusammensetzung der Beschäftigten in den vergangenen Jahren verändert. Während früher vor allem Arbeitskräfte aus Polen oder Rumänien kamen, stellt heute die Ukraine die größte Gruppe. Zunehmend kommen Menschen auch aus weiter entfernten Regionen wie Vietnam oder Nepal.
Seit fast 30 Jahren in Oberösterreich
Seit 1997 kommt der heute 50-jährige Pole Piotr Borcz jedes Jahr nach Naarn, um in der Landwirtschaft zu arbeiten. Ausschlaggebend für seine Entscheidung ist der Wunsch, seiner Familie ein sicheres und besseres Leben zu ermöglichen. Die Entscheidung, seine Heimat zu verlassen, war nicht leicht. Doch begrenzte Perspektiven und fehlende Arbeitsmöglichkeiten ließen ihm kaum eine Wahl. Das Einkommen in Österreich bedeutet für ihn Stabilität, Zukunft und Hoffnung.
Zu Beginn seien Sprache, Umfeld und Arbeitsweise ungewohnt gewesen. Im Laufe der Jahre wurde Oberösterreich für ihn jedoch zu einer zweiten Heimat. Die körperlich anspruchsvolle Arbeit auf den Feldern sei geblieben, ebenso die Zufriedenheit darüber, am Ende des Tages sichtbare Ergebnisse seiner Arbeit zu sehen.
Seine Geschichte steht stellvertretend für viele Saisonarbeitskräfte, die über Jahre oder Jahrzehnte hinweg regelmäßig nach Österreich kommen.
Saisonarbeitskräfte sichern nicht nur die Ernte, sondern auch ein Stück regionale Identität.
Gerhard Leutgeb
Präsident der Landarbeiterkammer Oberösterreich
Herausforderungen bei der Rekrutierung
Gleichzeitig steht die Landwirtschaft vor neuen Herausforderungen. Der Stamm an erfahrenen Arbeitskräften werde laut Landarbeiterkammer Oberösterreich kleiner. Als Gründe werden der steigende Wohlstand in osteuropäischen Ländern, bürokratische Hürden sowie die Konkurrenz um Arbeitskräfte innerhalb Europas genannt.
Die Folge sei eine zunehmende Internationalisierung der Belegschaften. Damit verbunden seien neue Anforderungen, etwa in den Bereichen Sprache, Organisation und Integration.
Vor diesem Hintergrund wird die Frage, wie Saisonarbeitskräfte langfristig gewonnen werden können, immer wichtiger.
Faire Arbeit und Unterstützung
Mit der Bedeutung der Saisonarbeit wächst auch die Verantwortung der Betriebe und Institutionen. Die Landarbeiterkammer Oberösterreich unterstützt ausländische Arbeitskräfte mit Beratungsangeboten sowie mehrsprachigen Informationen zu Arbeitsbedingungen, Rechten und Pflichten.
Ziel sei es, faire Rahmenbedingungen für die Beschäftigten sicherzustellen und sie bei Fragen rund um ihre Tätigkeit in Österreich zu unterstützen.
Menschen hinter der Ernte
Hinter den Saisonarbeitskräften stehen persönliche Lebensgeschichten. Menschen wie Piotr Borcz zeigen, welche individuellen Entscheidungen und Herausforderungen mit einer Tätigkeit fern der Heimat verbunden sind.
„Saisonarbeitskräfte sichern nicht nur die Ernte, sondern auch ein Stück regionale Identität. Deshalb ist es unsere Verantwortung, ihnen faire Bedingungen und echte Wertschätzung entgegenzubringen“, betont Gerhard Leutgeb, Präsident der Landarbeiterkammer Oberösterreich.
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