Schweine im Stall, auf Stroh gehalten.

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Schweinebauern zahlen die Zeche für Auto-Zölle

Klare Regeln, faire Preise und gesellschaftliche Rückendeckung sind gefragt, um die Zukunft der Branche zu sichern und die Eigenversorgung in Österreich hoch zu halten.

Mit ein paar Packungen Fleisch beladen betritt Johann Schlederer, Geschäftsführer des Verbandes landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten (VLV), den Raum, in dem gleich ein Pressegespräch stattfindet. Der – mit LK-Oberösterreich-Präsident Franz Waldenberger – gemeinsame Blick auf den Schweinemarkt hat in Oberösterreich Tra­dition und findet jedes Jahr statt. Dieses Mal ist es für Schle­derer, der sich zum Jahresende in den Ruhestand verabschieden wird, das letzte Mal, dass er in dieser Runde die Marktsituati­on analysiert. Nichtsdestotrotz ist das Engagement des wahrlich „eingefleischten“ Schweinemarkt-Kenners ungebrochen. Es scheint, als wolle er keine Zeit verlieren. Flugs liegen die mitgebrachten Anschauungsobjekte auf dem Tisch: Schweinefleisch in seiner preislichen Bandbreite – von der Metro-Packung mit Karree vom Schwein „aufgezogen und geschlachtet“ in Spanien (ohne das Herkunfts­land nachverfolgen zu können) bis hin zum Tierwohl-Produkten aus dem Lebensmitteleinzelhandel. Vom spanischen Billigfleisch (aktuell 3,79 Euro pro Ki­logramm netto) geht es bis zum heimischen Biofleisch fast auf den siebenfachen Preis hinauf.

Fleisch für China nun in Europa verschleudert

„Die Spanier verschleudern das für den asiatischen Markt vorgesehene Fleisch jetzt in Europa“, sagt Schlederer. Grund dafür seien die kürzlich verhängten chinesischen Importzölle auf europäisches Schweinefleisch – eine Reaktion auf die EU-Zölle auf chinesische Autos. „In Österreich sind von dieser Exportproblematik fünf zum Export nach China zuge­las­sene Schlacht- und Zerlege­unter­nehmen sowie 17.000 Schweinehalter betroffen. Die eingebrochenen Mastschweinepreise schlagen nämlich auch auf die Ferkelpreise durch, die Verluste betreffen jede Form der Schweinehaltung“, so Schle­derer. Nach gut drei Jahren mit zufriedenstellenden Preisen sei der Basispreis pro Kilogramm zuletzt innerhalb von vier Wochen um 25 Cent auf 1,67 Euro gesunken. „Momentan ist der De­ckungsbeitrag negativ, die Mäster zahlen drauf“, sagt Schle­derer. Gastronomen, die nur auf den Preis schauen, würden Billigware wie die eingangs erwähnte auch kaufen. „Wir können letztlich nur an den Verbraucher appellieren. Wenn es dem auch egal ist, dann wird es schwierig“, meint Schlederer.

Mehrere Faktoren nagen an Preisen und Nerven

Die weltpolitischen Rahmenbedingungen sind nicht die einzigen Faktoren, die an den Preisen – und damit auch an den Nerven der Schweinehalter ziehen: Schlederer nennt etwa die „Zwangsinvestitionen“ für den Umbau der Vollspaltenböden in den nächsten Jahren. Man habe sich schon 2021 im Rahmen einer Tierwohlstrategie zur Weiterentwicklung in diesem Bereich bekannt – und ihn auch ausgebaut. Die Marktentwicklung dazu sei aber „fraglich“, so Schlederer.

Bis Ende 2025 werden die Schlachtungen im Rahmen von Bio- und Tierwohl-Qualitätsprogrammen auf etwa 270.000 angewachsen sein, das sind knapp sieben Prozent der heimischen Produktion. Wachstum, das im We­sentlichen durch das Projekt „Fair zum Tier“ der Rewe-Gruppe ermöglicht worden sei. Aus heutiger Sicht jedoch keine weitere Steigerung absehbar. „Daher sind die Forderungen an die Politik groß: Im Investitonsförderbereich und im den Programmen muss es eine staatli­che Abgeltung geben, sonst wird das Schwein nicht mehr in Österreich produziert“, warnt Schlederer vor einer Eigenversorgung, die innerhalb weniger Jahre von aktuell 100 Prozent auf 70 Prozent sinke könnte.

Die differenzierte Produkti­on, die vom gesetzlichen Niveau über das AMA-Gütesiegel und zwei verschiedenen Tierwohl-Stufen bis hin zum Bio-Segment reicht, brauche neben mehr Nachfrage auch eine klar ersichtliche Kennzeichnung. Fleischwirtschaft und Handel haben sich dieser Forderung der Schweinebranche bislang entzogen. „Nach drei Jahren Verhandlungen gibt es immer noch keinen Konsens für eine Branchenlösung“, ist Schlederer verärgert.

Wer Qualität fordert, muss sie auch abnehmen

Oberösterreichs LK-Präsident Franz Waldenberger betont, dass sich die Landwirtschaftskammer zum Tierschutz und zur Weiterentwicklung der Tierhaltung bekenne. „Das kann aber nur unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Mach­barkeit und der Marktbedingun­gen geschehen“, so Waldenberger. Und in Richtung Konsumenten sowie Gastronomie und Verarbeitung: „Wer höhere Standards fordert, der darf auch im Regal nicht zum Billigsprodukt mit unbekannter Herkunft greifen. Mit Blick in die Zukunft bekräftigt er, dass die Tierwohl-Debatte auch wieder ein Ende haben müsse und die Schweinehalter dringend eine Phase der Stabilität und Planungssicherheit nötig hätten.

Strukturwandel

Die Zahl der Schweinehalter hat sich in Oberösterreich von 17.000 Betrieben im Jahr 2000 auf rund 4300 Betriebe (2024, davon ein Drittel „marktrelevant“) reduziert. Der Bestand hat sich in dem Zeitraum um 14 Prozent verringert. In OÖ werden 42 Prozent aller Schweine gehalten.

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VLV-Geschäftsführer Johann Schlederer (l.), LK OÖ-Präsident Franz Waldenberger