Die Bauernvertreter warnen vor einer weiteren Zuspitzung der Diskussion um Lebensmittelpreise. Bauernbund-Präsident Georg Strasser betont, dass die Debatte längst aus dem Gleichgewicht geraten sei: „Wer glaubt, man müsse jetzt ausgerechnet bei dem ansetzen, was wir täglich essen, hat das Problem nicht verstanden.“ Strasser kritisiert populistische Forderungen wie die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel und fordert stattdessen eine sachliche Auseinandersetzung über den tatsächlichen Wert dieser.
Lebensmittel seien demnach nachweislich kein Preistreiber. Während Konsumgüter wie Smartphones ohne Zögern für hohe Summen gekauft werden, diskutiere man bei Grundnahrungsmitteln über „jeden Cent“. Im Schnitt entfallen in österreichischen Haushalten nur rund elf Prozent des Budgets auf Lebensmittel, im europäischen Vergleich ein niedriger Wert. Strasser verweist zudem auf die hohe Verschwendung: Jährlich landen rund eine Million Tonnen genießbarer Lebensmittel im Müll, ein durchschnittlicher Haushalt wirft pro Jahr Lebensmittel im Wert von bis zu 800 Euro weg.
Debatte gefährdet Versorgungssicherheit
Politische Vorschläge, Preise künstlich zu senken oder zu deckeln, hält Strasser für langfristig gefährlich. Die bäuerlichen Familienbetriebe seien Garant für Versorgungssicherheit. Wer nur auf niedrige Preise setze, erhalte entsprechend minderwertige Produkte. Der Direktor des NÖ Bauernbundes, Paul Nemecek, ergänzt: „Die wahren Preistreiber liegen in Energie- und Lohnkosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Populistische Eingriffe sind Showpolitik, gebraucht werden Maßnahmen an der Ursache.“
Tatsächlich zeigen die Daten der Statistik Austria: Lebensmittel trugen im September nur 0,3 Prozentpunkte zur Gesamtinflation bei. Haupttreiber der Teuerung bleiben Dienstleistungen und Energie. Die Zahlen unterstreichen, dass eine Fixierung auf Lebensmittelpreise den Kern des Inflationsproblems wohl verfehlt.
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