Expertinnen und Experten aus Politik, Ärzteschaft, Krankenhauswesen und Praxis diskutierten über Herausforderungen und Lösungsansätze für eine flächendeckende medizinische Versorgung in Tirols Regionen.
Für den passenden Rahmen sorgte das Schloss Landeck. Moderator und Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl bedankte sich zu Beginn der Veranstaltung ausdrücklich beim Hausherrn Bürgermeister Herbert Mayer für die Gastfreundschaft und das besondere Ambiente.
In seiner Einleitung betonte Raggl die Rolle von Forum Land als Interessenvertretung und Plattform für den ländlichen Raum: „Forum Land versteht sich seit Jahrzehnten als Anwalt der Menschen in den Regionen. Wir wollen informieren, Wissen vermitteln und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Genau deshalb haben wir dieses Format geschaffen, das die medizinische Versorgung im ländlichen Raum in den Mittelpunkt stellt.“ Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Podium sei eines gemeinsam: „Sie alle wollen, dass die Versorgung funktioniert. Umso wichtiger ist es, Ideen, Erfahrungen und Lösungsansätze offen auszutauschen.“
Am Podium diskutierten Gesundheitslandesrätin Dr. Cornelia Hagele, Kammeramtsdirektor der Ärztekammer für Tirol Dr. Günter Atzl, Bürgermeister Herbert Mayer, Prim. Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll, Dipl. KH-BW. Bernhard Guggenbichler, Dr. Petra Heppke, Dr. Gerlinde Schnegg sowie Dr. Gerhard Walter.
Gemeinsam an Lösungen arbeiten
Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele unterstrich die Bedeutung einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung für die Menschen in Tirol. Gleichzeitig verwies sie auf die Herausforderungen durch demografische Entwicklungen, den steigenden Bedarf an Gesundheitsleistungen und den zunehmenden Ärztemangel. Ziel müsse es sein, heute die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen, um auch künftig eine hochwertige medizinische Versorgung in allen Regionen Tirols sicherzustellen.
Kammeramtsdirektor Günter Atzl hob die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung hervor. Der Wunsch nach einer wohnortnahen Betreuung sei sowohl in der Bevölkerung als auch innerhalb der Ärzteschaft groß. Sorge bereiteten jedoch die derzeit rund 30 unbesetzten Kassenstellen in Tirol. Gleichzeitig warnte Atzl davor, bestehende Strukturen zu schwächen: Einmal verlorene Versorgungsangebote seien nur schwer wieder aufzubauen.
Bürgermeister Herbert Mayer zeigte sich erfreut über die hochkarätige Besetzung des Podiums. Es sei ihm ein besonderes Anliegen gewesen, Vertreterinnen und Vertreter aller wesentlichen Bereiche des Gesundheitswesens an einen Tisch zu bringen, um die unterschiedlichen Sichtweisen und Herausforderungen offen diskutieren zu können.
Als Standortbürgermeister verwies Mayer zugleich auf die begrenzten Einflussmöglichkeiten der Gemeinden im Gesundheitssystem. „Natürlich unterstützen wir Ärztinnen und Ärzte nach Kräften – sei es bei der Suche nach geeigneten Ordinationsräumlichkeiten oder bei Wohnmöglichkeiten. Dort, wo wir helfen können, tun wir das auch“, betonte Mayer. Gleichzeitig seien die Gemeinden in vielen entscheidenden Fragen auf die Rahmenbedingungen angewiesen, die von Bund, Land, Sozialversicherungsträgern und Ärztekammer vorgegeben werden. „Die wesentlichen Entscheidungen werden auf anderen Ebenen getroffen. Als Bürgermeister sind einem dabei oftmals die Hände gebunden“, so Mayer. Umso wichtiger sei es, alle Beteiligten regelmäßig an einen Tisch zu bringen und gemeinsam an Lösungen für die medizinische Versorgung in den Regionen zu arbeiten.
Krankenhaus als Stütze
Die Vertreter des Krankenhauses Zams, Prim. Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll und Dipl. KH-BW. Bernhard Guggenbichler, bezeichneten das Krankenhaus als wichtige Stütze für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in der Region. Ziel sei es, dort einzuspringen, wo die ambulante Versorgung an ihre Grenzen stoße.
„Mit zunehmendem Alter nehmen auch Erkrankungen zu, die eine umfassende, teilweise stationäre Behandlung benötigen. Hier arbeiten wir eng mit den verschiedenen Gesundheitseinrichtungen zusammen und versuchen, den Menschen die notwendige Betreuung möglichst in der Region zu bieten“, erklärte Wöll.
Guggenbichler verdeutlichte die Dimension der Gesundheitsversorgung anhand einer eindrucksvollen Zahl: Rund 210.000 Patientenkontakte verzeichnet das Krankenhaus Zams jährlich. „Das entspricht in etwa dem Szenario, dass jeder zweite Einwohner der Bezirke Landeck und Imst zweimal pro Jahr das Krankenhaus aufsuchen würde“, so Guggenbichler. Gleichzeitig verwiesen beide auf die besonderen Herausforderungen einer Tourismusregion. Saisonale Spitzen mit zahlreichen Gästen und Saisonarbeitskräften führten regelmäßig zu einer zusätzlichen Belastung des Gesundheitssystems und zeitweise auch zu Kapazitätsengpässen.
Nähe zu den Patienten
Einen praxisnahen Einblick in die Arbeit der Allgemeinmedizin gaben Dr. Petra Heppke und Dr. Gerlinde Schnegg. Für beide steht die Nähe zu den Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt ihrer Arbeit.
Dr. Petra Heppke schilderte dabei ihren ganz persönlichen Berufsweg. Sie verzichtet bewusst auf eine eigene Ordination und arbeitet stattdessen flexibel als Vertretungsärztin in verschiedenen Praxen sowie als Sprengel- und Notärztin. „Ich habe kein Unternehmer-Gen. Ich bin Ärztin“, erklärte Heppke und zeigte damit einen alternativen Zugang zum Arztberuf auf.
Dr. Gerlinde Schnegg betonte hingegen die Bedeutung von Serviceorientierung und persönlicher Erreichbarkeit. „Ich nehme jeden dran. Termine gibt es bei mir nicht. Wenn es einmal länger dauert, dann gehört das dazu“, sagte Schnegg. Mit einem Vergleich verdeutlichte sie ihre Haltung: „Wenn jemand zehn Minuten vor Küchenschluss ins Gasthaus kommt, kann ich ihm das Essen auch nicht verweigern. Genauso sehe ich das bei meinen Patientinnen und Patienten.“
Für besondere Aufmerksamkeit sorgten die Ausführungen des Augenfacharztes Dr. Gerhard Walter. Obwohl er das Pensionsalter bereits erreicht habe, führe er seine Tätigkeit weiterhin aus, weil bislang kein Nachfolger gefunden werden konnte. Walter schilderte dabei die Veränderungen in der ärztlichen Ausbildung über die vergangenen Jahrzehnte: „Zu meiner Ausbildungszeit waren von zwölf Ausbildungsstellen in Tirol zehn mit Tirolern besetzt, dazu kam ein Salzburger und ein Südtiroler. Ich konnte meine Ausbildungskollegen von Kufstein bis Reutte aufzählen. Viele von ihnen haben sich später in ihren Heimatregionen niedergelassen und sind dort geblieben.“
Heute habe sich dieses Bild deutlich verändert. Nach seinen Informationen seien aktuell nur mehr drei der zwölf Ausbildungsplätze mit Tirolerinnen und Tirolern besetzt. „Es liegt auf der Hand, dass viele der aus anderen Ländern kommenden Medizinerinnen und Mediziner nach ihrer Ausbildung wieder in ihre Heimat zurückkehren und sich dort niederlassen“, so Walter. Damit gehe dem Tiroler Gesundheitssystem wertvolles Potenzial verloren. Für ihn sei die Nachwuchsfrage daher eine der größten Herausforderungen für die Zukunft der wohnortnahen medizinischen Versorgung. Es brauche verstärkte Anstrengungen, um junge Ärztinnen und Ärzte langfristig für eine Tätigkeit in den Tiroler Regionen zu gewinnen und dort zu halten.
Ein Ziel
Die Veranstaltung machte deutlich, dass es keine einfachen Antworten auf die Herausforderungen im Gesundheitswesen gibt. Gleichzeitig zeigte die Diskussion aber auch, dass alle Beteiligten – von der Politik über die Ärzteschaft bis hin zu den Gesundheitseinrichtungen – dasselbe Ziel verfolgen: eine verlässliche, hochwertige und wohnortnahe Gesundheitsversorgung für die Menschen in Tirol.
Forum Land sieht sich durch das große Interesse an der Veranstaltung in seinem Anliegen bestätigt, aktuelle Zukunftsfragen des ländlichen Raums aufzugreifen und unterschiedliche Akteure an einen Tisch zu bringen. Denn gerade im Austausch entstehen jene Ideen und Lösungen, die für die Zukunft der Regionen entscheidend sind.
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