BauernZeitung Am Wochenende pilgert der Bauernbund zum 79. Mal nach Mariazell. Welche Bedeutung hat diese Tradition für Sie persönlich?
Mariazell steht für mich für Mut, Gottvertrauen und Dankbarkeit für die Leistungen vorausgegangener Generationen, was sie alles aufgebaut haben. Die Wallfahrt ist für mich auch eine Kraftquelle für die anstehenden Weiterentwicklungen im Land. Heuer ist ein ganz besonderes Jahr: Wir erinnern an 80 Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und 70 Jahre Staatsvertrag. Dabei denken wir auch an Leopold Figl, der diese Bauernbundwallfahrt gemeinsam mit Josef Reither begründet und mit dem Staatsvertrag Freiheit und Wohlstand nach Österreich gebracht hat.
BauernZeitung Was treibt Sie in Ihrer Arbeit als LH-Stellvertreter an?
Ich arbeite aus Liebe zum Land. Aus dieser Liebe heraus übernehme ich Verantwortung – so wie viele von uns. Aus Liebe zu Land und Leuten setze ich mich für unsere Bauern und ihre Familien ein. Genau diese Haltung hat den Bauernbund immer stark gemacht. Eines ist mir dabei besonders wichtig: Politik darf nie Selbstzweck sein, sondern muss stets dem Land und den Menschen dienen. Nicht Showpolitik ist jetzt gefragt, sondern Sachpolitik – Politik, die unser Land weiterbringt und den Menschen etwas Konkretes bringt. Dafür stehe ich.
Ich arbeite aus Liebe zum Land. Aus dieser Liebe heraus übernehme ich Verantwortung.
Stephan Pernkopf
BauernZeitung Ein Leitbild des Bauernbundes?
Genau darum geht es uns: das persönliche Gespräch, zuhören und dann handeln. Das ist unsere Maxime, so funktioniert ehrliche Politik. Und genauso funktioniert auch unser Bauernbund. Unsere Kraft kommt aus der Gemeinschaft, aber auch aus klarer Führung. Als traditionsreichste, größte und stärkste Teilorganisation der ÖVP tragen wir hier eine besondere Verantwortung. Deshalb ein großes Dankeschön für die vielen Hofgespräche im Sommer, sie waren großartig.
BauernZeitung Welche Anliegen wurden dort an Sie herangetragen?
Gelegenheiten zum Austausch hatte ich zuletzt reichlich: Hof- und Erntegespräche, aber auch mit zahlreichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern. Eines ist klar: Unsere Bürgermeister sind die Besten – nah bei den Menschen und immer top organisiert, auch wenn die allgemeine Stimmung oft schwierig ist. Doch es gibt Sorgen: die angespannte Finanzlage, mehr Wertschätzung für Kinderbetreuung und Pflege in den Familien und der Vorschriftenwahn, der Gemeinden wie Landwirtschaft lähmt. Deshalb braucht es jetzt echte Verwaltungsreformen – weniger Bürokratie, mehr Handlungsspielraum, damit vor Ort gearbeitet werden kann.
Politik darf nie Selbstzweck sein, sondern muss stets dem Land und den Menschen dienen.
Stephan Pernkopf
BauernZeitung Seit drei Jahren sinken die Preise für Getreide und Zuckerrüben, während die Kosten für Dünger, Maschinen und Personal ständig steigen. Was kann die Politik dagegen tun?
Die aktuellen Getreidepreise sind desaströs und für viele bäuerliche Betriebe existenzbedrohend, weil oft nicht einmal die Produktionskosten gedeckt werden. Wir brauchen deshalb faire Produktionsstandards und Chancengleichheit im Pflanzenschutz. Zwar wurden die EU-Importzölle auf Getreide aus der Ukraine wieder eingeführt, eine langjährige Forderung, doch gleichzeitig drücken Russland und die USA als größte Exporteure mit Kampfpreisen auf den Markt. Diese Situation macht es extrem schwierig, und deshalb braucht es weiter entschlossenes Eintreten für faire Rahmenbedingungen.
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Stephan Pernkopf im Gespräch mit BZ-Redakteur Johannes Stift: „Es braucht weiter entschlossenes Eintreten für faire Rahmenbedingungen.“
BauernZeitung Viele Bauern haben in den vergangenen Jahren in PV-Anlagen investiert. Derzeit sorgt der Vorschlag für das Elektrizitätswirtschaftsgesetz wegen drohender Gebühren für Diskussionen. Ihr Standpunkt?
Hände weg von privaten PV-Anlagen – egal ob auf Bauernhöfen oder Wohnhäusern. Da wurde viel privates Geld investiert, unterstützt von Förderprogrammen, die allen offenstanden. Eine Neiddebatte ist hier völlig fehl am Platz. Photovoltaik senkt nachweislich die Strompreise und stärkt unsere Versorgungssicherheit. Deshalb erwarte ich mir von der Bundesregierung eine Lösung, die den wirtschaftlichen Betrieb dieser Anlagen sichert.
Unsere Kraft kommt aus der Gemeinschaft, aber auch aus klarer Führung.
Stephan Pernkopf
BauernZeitung Wie beurteilen Sie die Vorschläge zur GAP ab 2028?
Der jetzt vorliegende Budgetvorschlag ist strikt abzulehnen. Wenn die Landwirtschaft hier nicht ausreichend berücksichtigt wird, gefährdet das die Existenz unserer bäuerlichen Familienbetriebe, die Versorgungssicherheit und den ländlichen Raum insgesamt. Wir stehen in engem Kontakt mit EU-Agrarkommissar Christophe Hansen und erwarten, dass er sein Versprechen einlöst, zu 100 Prozent hinter den Bäuerinnen und Bauern zu stehen. Dafür braucht es ein Agrarbudget, das Familienbetriebe stärkt, Umwelt- und Tierschutz berücksichtigt und die Kulturlandschaft erhält. Kürzungen wären der Anfang vom Ende einer Gemeinsamen Agrarpolitik – und würden bedeuten: Die Großen fressen die Kleinen. Wir wollen aber nicht die Größten sein, sondern die Besten.
BauernZeitung September ist – trotz aller Sorgen – in der bäuerlichen Tradition immer auch eine Zeit des Dankens. Als Präsident des Ökosozialen Forums haben Sie mit dem „ernte.dank.festival.“ diesen Brauch vergangenes Wochenende erneut in das Herz der Bundeshauptstadt getragen. Mit welchen Beweggründen?
Beim Erntedankfest in Wien konnten wir mit rund 200.000 Besucherinnen und Besuchern einen Rekordwert verzeichnen. Es ist uns wichtig, die Landwirtschaft in die Stadt zu bringen, denn nur so entsteht Verständnis für die Realität unserer Bäuerinnen und Bauern. Neben dem traditionellen Ernteumzug gab es heuer erstmals eine große Maschinenparade mit modernster Technik, vom Pflug bis zum Mähdrescher. Besonders erfreulich war, dass viele Kinder dabei waren. Mein Dank gilt auch dem Wiener Bürgermeister für die starke Unterstützung. Dieses Fest hat gezeigt, wie wichtig es ist, Landwirtschaft und Gesellschaft direkt miteinander in Kontakt zu bringen.
Das ernte.dank.festival. am Heldenplatz zeigt, wie wichtig es ist, Landwirtschaft und Gesellschaft direkt zu verbinden.
Stephan Pernkopf
BauernZeitung Stichwort Kommunikation. Der ÖVP wird im Digitalbereich Nachholbedarf nachgesagt. Wie sehen Sie das?
Natürlich erleben wir derzeit einen großen Umbruch – technisch wie gesellschaftlich, und nicht immer zum Besseren. Aber eines ist klar: Der Niederösterreichische Bauernbund ist auch digital im Spitzenfeld vertreten. Mit mehr als 100.000 Followern auf Facebook, als größte politische Seite Niederösterreichs auf Instagram, mit dem größten agrarpolitischen WhatsApp-Kanal im deutschsprachigen Raum – das zeigt unsere Stärke. Und das ist erst der Anfang. Wir werden unsere digitalen Angebote, etwa auch unseren Kalender, noch weiter ausbauen. Ich selbst habe diese Woche meinen eigenen WhatsApp-Kanal gestartet, weil mir der persönliche Austausch wichtig ist. Am liebsten im direkten Gespräch, zusätzlich eben auch digital. Das ist eine Einladung an alle, Teil eines starken und modernen Bauernbundes zu sein.
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