Brot gilt in Österreich nicht nur als Grundnahrungsmittel, sondern als kulturelles Erbe und Ausdruck gelebter Regionalität. Die Vielfalt heimischer Brotrezepte ist beeindruckend: Viele Bauernhöfe haben ihre eigene Rezeptur, die seit Generationen weitergegeben wird. Pro Jahr werden in Österreich rund 41,5 Kilogramm Brot pro Kopf verzehrt, vom klassischen Bauernbrot bis zu frischen Semmeln fürs Frühstück.
Johann Höfinger, Obmann der Direktvermarkter Niederösterreichs, beobachtet dabei ein starkes Bewusstsein der Konsumenten für heimische Produkte: „Brot und Gebäck, sowohl traditionelle als auch neue Kreationen, werden bei unseren bäuerlichen Betrieben sehr stark nachgefragt. Die
Leute schätzen die Echtheit des Handwerks und merken den Unterschied zu Schnellback-Varianten, vor allem was die Verträglichkeit betrifft.“ Traditionell hergestelltes Brot bleibt damit ein gefragtes Produkt.
AMA-Gütesiegel stärkt Vertrauen
Seit 2024 sorgt das neue AMA-Gütesiegel für Backwaren dafür, dass alle Verarbeitungsschritte – vom Feld bis ins Regal – in Österreich erfolgen. Höfinger betont: „Es ist gut, dass es dieses Gütesiegel gibt. Dort, wo es die Menschen kennen, wird es sehr geschätzt, weil es Sicherheit bietet und Vertrauen schafft.“ Gleichzeitig sei die Bekanntmachung noch im Aufbau. Für Direktvermarkter bedeutet das Siegel eine zusätzliche Möglichkeit, die Qualität und Herkunft ihrer Produkte klar zu kommunizieren. Die heimische Getreideproduktion liefert dafür die Basis: Für rund 95 Prozent der hierzulande vertriebenen Backwaren findet heimisches Mahlgetreide Verwendung. Herausforderungen wie Trockenheit, Schädlingen oder extremen Wetterlagen begegnen heimische Betriebe mit einer Gesamtstrategie, die von trockenresistenten Pflanzen bis hin zu gezieltem Erhalt der Bodengesundheit reicht. „Die Maßnahmen sichern langfristig die Qualität des Getreides und den stabilen Anbau“, erklärt Höfinger.
Gutes Brot braucht Zeit und einen höheren monetären Wert.
Johann Höfinger
Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger ergänzt: „Wer Bauernbrot kauft, nimmt ein Stück Handwerkskunst und
echtes österreichisches Kulturgut mit nach Hause.“ Diese Wertschätzung für heimische Brotqualität zeige sich im Konsum und der engen Verbindung der Menschen zu bäuerlichen Betrieben.
Direktvermarktung schafft Nähe und Qualität
Direktvermarkter nutzen die Nähe zu den Konsumenten, um traditionelle Handwerkskunst erlebbar zu machen. Höfinger: „Die Menschen wollen sehen, wie Brot hergestellt wird und schätzen das Handwerk.“ Gleichzeitig punkten die Betriebe mit zeitgemäßen Produkten für ernährungsbewusste Verbraucher, etwa speziellen Kornmischungen.
Höfinger blickt optimistisch in die Zukunft, mahnt aber auch: „Gutes Brot braucht Zeit und einen höheren monetären Wert. Nur wenn diese Qualität wertgeschätzt wird, können die Bauern die Direktvermarktung weiterhin erfolgreich betreiben.“
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