„Wir wollen Sensibilität schaffen“

Der Generalsekretär des Ökosozialen Forum Österreich & Europa, Hans Mayrhofer, erklärt, was Teilnehmer der diesjährigen Wintertagung Ende Jänner erwartet und wieso man bewusst provokante Thesen aufs Tapet bringt.

Hans Mayrhofer

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WIELTSCH: Herr Mayrhofer, in gut zwei Wochen startet die 73. Auflage der Wintertagung. Wie laufen die Vorbereitungen?

MAYRHOFER: Intensiv wie jedes Jahr. Für das Organisatorische haben wir sehr gute Partnerschaften mit den Schulen und anderen Veranstaltungszentren. Die zu diskutierenden Inhalte sind aber äußerst volatil, wobei wir sehr viel Inputs aus unserem Netzwerk bekommen. Diese gilt es zu kanalisieren, um die Herausforderungen der Landwirtschaft auch so zu formulieren und auf einen Punkt zu bringen, dass man damit auch eine kluge Diskussion führen kann.

Wie gelingt es Ihrem Team alljährlich bei dieser Fülle an Fachthemen am Ball zu bleiben?

Die Sache ist eine jahresfüllende. Wenn wir im Jänner einen Fachtag abschließen, überlegen wir bereits, wen wir im nächsten Jahr anreden müssen, um vielleicht zu neuen Ansätzen, zu neuen Ideen zu kommen. Das Netzwerk wird permanent bespielt, Ideen eingefordert und diskutiert. Denn nach der Wintertagung ist vor der Wintertagung.

Das Veranstaltungsformat hat sich ja über Jahrzehnte etabliert und ständig weiterentwickelt. Was ist das Erfolgsrezept?

Kontinuität und Berechenbarkeit. Das ist in diesen herausfordernden Zeiten ein absolutes Muss. Wir versuchen, Schrittmacher auf der einen und Orientierungshilfe auf der anderen Seite zu sein und das seit 73 Jahren. Das funktioniert aber nur über ein breites Netzwerk. Das Ökosoziale Forum ist die Fokusstelle, wo die Ideen zusammenlaufen, aber die Debatten und Diskussionen erfolgen in Arbeitsgruppen auf unterschiedlichsten nationalen, aber auch internationalen Ebenen.

Das Motto ist heuer mit „Schnäppchenjagd im Feinkostladen – der wahre Preis billiger Landwirtschaft“ durchaus provokant. Was wollen Sie damit bezwecken?

Genau das. Wir wollen die Leute auf diesen Zusammenhang hinweisen. Und zwar nicht nur die Agrarwelt im engeren Sinn, sondern auch Sensibilität darüber hinaus schaffen.

Das heißt?

Wir wollen auf der einen
Seite den Unterschied zwischen dem, was Menschen sich wünschen, und dem, was sie tun, aufzeigen. Zu diesem Thema ist ein eigener Vortrag am Agrarpolitik-Tag geplant. Noch immer ist zwischen dem, was sich Leute wünschen, und dem, was sie am Ende des Tages kaufen, ein ganz großer Unterschied.

Seit 30 Jahren hören die Bäuerinnen und Bauern tagtäglich aus allen Medien, sie sollen weniger spritzen, weniger düngen, mehr Tierwohl, mehr Klimaschutz, mehr Umweltschutz, mehr Naturschutz umsetzen. Und auf der anderen Seite beschweren sich ähnliche Gruppierungen dann, dass die Preise steigen. Dabei hängen Auflagen und Kosten unmittelbar zusammen. Die Landwirtschaft ist ein produzierender Bereich wie andere auch. Was übersehen wird: Der Preis wird entlang der gesamten Produktionskette gebildet.

Die Landwirtschaft ist der fundamentalste produzierende Bereich. Aber den Preisdruck allein dort anzusetzen ist der falsche Weg. Hier gilt es zu diskutieren, welche politischen Steuerungsmöglichkeiten sinnvoll sind. Der ökosoziale Weg, hierbei mit Augenmaß vorzugehen und die Konsequenzen mitzudenken, war bisher sehr erfolgreich.

Landwirtschaft ist der fundamentalste produzierende Sektor.

Hans Mayrhofer

Am Agrarpolitik-Fachtag ist auch ein Block zur krisensicheren Landwirtschaft geplant. Wie sind Österreich und Europa hier aufgestellt?

Es ist höchste Zeit, dass sich Europa zwischen den zunehmend erratisch agierenden Blöcken der Welt emanzipiert und selbstbewusst aufstellt. Wir wollen mit dieser Debatte aufzeigen, dass Lebensmittelproduktion essenziell ist. Es gibt unterschiedliche Zugänge, wie man sie absichern kann, wie man sie absichern muss. Das kann nicht jeder Hof für sich organisieren. Die Frage, wie ein Ernährungssystem seine Widerstandsfähigkeit erhöhen kann, ist entscheidend. Und da hat die österreichische Landwirtschaft, durch ihre Vielfalt viele Vorteile. 

Der eine oder andere ist nun sicher neugierig geworden. Gibt es noch freie Plätze?

Definitiv. Auf unserer Website kann man sich einfach anmelden. Wir freuen uns auf jede Besucherin und jeden Besucher und fiebern der Tagung schon entgegen.

Die Eckdaten

Von 20. bis 29. Jänner findet die 73. Wintertagung an sieben Fachtagen in fünf Bundesländern statt. Eine detaillierte Übersicht des Tagungsprogrammes sowie alle Informationen zu Ticketpreisen und Anmeldung sind online abrufbar.
Hier geht es zur Webseite der Wintertagung.

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