Beinahe zwei Jahrzehnte gehörte der Wirkstoff Flufenacet in der Ungräserbekämpfung im Getreidebau zum guten Ton. Mittlerweile steht fest, dass dessen Zulassung nicht verlängert wird. Die EU hat den Mitgliedstaaten vorgeschlagen, die Zulassung von flufenacethältigen Produkten bis spätestens 10. Dezember 2025 aufzuheben, als spätestens mögliche Aufbrauchfrist wurde der 10. Dezember 2026 genannt. Die zuständigen Stellen in Österreich haben bisher noch keine national gültige Frist bekannt gegeben. „In der Regel halten sie sich an die maximal möglichen Fristen“, erklärt LK-Oberösterreich-Pflanzenschutzreferent Hubert Köppl diesbezüglich.
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Auch das falsche Saatbett ist eine Option zur Regulierung des Gräserdrucks.
Wirkstoffverluste kosten Geld
Bei der kürzlich abgehaltenen Jahrespressekonferenz der BASF-Agrarsparte „Agricultural Solutions“ wurde der Wegfall der Mittel prominent diskutiert. Beim globalen Player für Agrochemie sieht man sich damit einmal mehr in einem grundlegenden Problem der EU-Regulatorik für Pflanzenschutz bestätigt. Wie eine vom Konzern extern in Auftrag gegebene Studie zeigt, kostet der Wegfall von Wirkstoffen die Landwirtschaft im Mittel aller Kulturen bis zu 70 Prozent der derzeit üblichen Gewinnspannen. Seit 2020 wurde in der EU 97 Wirkstoffen keine erneute Zulassung erteilt, zugleich kamen bisher keinerlei neue hinzu. „Wir brauchen einen schnellen Marktzugang von Innovationen“, appelliert Michael Wagner, BASF-Spartenleiter für Europa Nord. Der Konzern plant bis 2030 die Einführung von acht neuen Wirkstoffen, kämpft jedoch mit den jahrelangen Genehmigungsverfahren.
Resistenzbildung als Dauerbrenner
Der kontinuierliche Wegfall bewährter Mittel birgt allerdings auch pflanzenbaulich ein Problem. Denn damit spitzt sich die Resistenzbildung weiter zu. Das war auf der Tagung in der Zentrale in Ludwigshafen ebenso Thema. In Norddeutschland sei die Resistenzfrage mittlerweile omnipräsent, wie Professor Jan Petersen von der Technischen Hochschule Bingen berichtet.
Er forscht seit Jahren zur Resistenzbildung im Ackerbau, mit besonderem Fokus auf Ackerfuchsschwanz. „Etwa die Hälfte der deutschen Wintergetreideflächen sind mittlerweile von massivem Fuchsschwanzdruck betroffen“, so der Experte. Das sei vor allem ein ökonomisches Problem. Das anfangs unscheinbare Gras bringe bis 70 Prozent Ertragsverlust mit sich. Petersen: „Wenn ein Befall mit resistentem Fuchsschwanz vorhanden ist, kostet das schnell 500 Euro pro Hektar.“ Mittlerweile treten Resistenzen auf neue Formulierungen bereits nach drei Jahren auf. Das gelte für ACCAse-Hemmer wie für ALS-Hemmer gleichermaßen. „Mancherorts werden nur noch Wirksamkeiten von 40 Prozent erzielt. Das ist für die Praxis zu wenig“, betont Petersen.
Selbiges kann auch Hubert Köppl zumindest für den oberösterreichischen Ackerbau bestätigen: „Wir haben mit Weidelgras massive Probleme mit Resistenzen, teilweise auch bei Ackerfuchsschwanzgras..“ Bei Problembetrieben waren bei im Vorjahr untersuchten Proben demnach in neun von zehn Fällen ACCase- und/oder ALS-Hemmer unwirksam.
Luximo soll es richten
Die Agrarsparte von BASF verspricht, nebst anderen
Herstellern, spätestens zur Saison 2027 Abhilfe zu schaffen.
Bereits 2018 habe man für das neue Mittel „Luximo“ um Zulassung angesucht. In Großbritannien wird der Wirkstoff, der „durch einen ganz neuen Wirkmechanismus zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz und Weidelgras“ besticht, bereits verwendet.
Zuverlässige Ergebnisse habe man in mehrjährigen Versuchen sowohl auf Standorten mit resistenter als auch unauffälliger Verunkrautung erzielt. Der chemische Name des Newcomers ist Cinmethylin aus der Wirkstoffgruppe 30. „Damit ist Luximo der einzige Wirkstoff aus dieser Gruppe, der künftig im Getreidebau eingesetzt wird“, heißt es vom Hersteller. Es handelt sich um ein Bodenherbizid für die Herbstanwendung und wird im Vorauflauf appliziert. In Verbindung mit picolinafenhaltigen Herbiziden werde eine zehnprozentige Mehrleistung erzielt. In Summe könne damit 95 Prozent des Ackerfuchsschwanzbestandes reguliert werden, teilt man in Ludwigshafen mit. Doch auch die Spartenbetreuer der BASF betonen: „Um am Ende nicht wieder ein resistentes Samenpotenzial aufzubauen, muss man 98 Prozent erreichen.“ Luximo sei in Zukunft als „ein Superwerkzeug“ im pflanzenbaulichen Werkzeugkasten zu verstehen.
Herbizide müssen durch acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen unterstützt werden. Das gilt auch für neue Mittel.
Prof. Jan Petersen
Das sieht auch Professor Petersen so: „Herbizide müssen durch acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen unterstützt werden. Das gilt auch für neue Mittel. Sonst laufen wir Gefahr, dass sich die Geschichte der Resistenzen fortschreibt.“ Für die Praxis bedeutet dies ein Festhalten an ergänzenden Maßnahmen. „Bei bestehender Gräserproblematik sollte nicht zu früh angebaut werden“, rät LK-Fachmann Köppl. Auch das falsche Saatbett habe sich bewährt. Insbesondere unter feuchten Bedingungen laufen Gräser dann schon auf. „Das hilft, den Druck zu lindern“, so Köppl. Bei reduzierter Bodenbearbeitung sei auch der gelegentliche Pflugeinsatz eine Überlegung wert.
„Bei Problemen mit Gräsern, etwa auch Windhalm, sollte eine Herbstbehandlung immer erwogen werden“, gibt Hubert Köppl den Bauern mit. Wo all das nichts mehr nützt, empfiehlt Jan Petersen übrigens eine Reduktion des Wintergetreideanteils in der Fruchtfolge. Generell heißt es wohl auch hierzulande, in der Bestandesführung wachsam zu sein. „Beim Auftreten von Gräsern sollte man rasch reagieren und deren Vermehrung nicht unterschätzen“, so der Appell.
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