BauernZeitung: Das Jahr 2026 wurde von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr der Landwirtin“ erklärt. Welche Bedeutung hat das für die Sichtbarkeit und Anerkennung von Bäuerinnen in Österreich?
NEUMANN-HARTBERGER: Das Jahr 2026 setzt ein starkes Zeichen für die vielfältige Arbeit der Bäuerinnen in Österreich. Die damit verbundene zusätzliche Sichtbarkeit wollen wir gezielt nutzen, um der Gesellschaft aufzuzeigen, welche Leistungen erbracht werden und welch hohen Stellenwert die österreichische Landwirtschaft hat. Gleichzeitig möchten wir junge Frauen und Bäuerinnen motivieren, aktiv mitzuwirken und die Betriebe engagiert mitzugestalten.
Wie wird Österreich das Jahr der Bäuerin gestalten?
Wir werden das Jahr mit vielen Aktionen und Veranstaltungen und mit einer breit aufgestellten Medienpräsenz begehen. Beginnend mit einem Presseauftakt, dem Besuch der Grünen Woche, der aktiven Teilnahme am Agrarpolitiktag der Wintertagung mit mehr als 100 „ZAMm unterwegs“-Teilnehmerinnen, dem Bundesbäuerinnentag in Vorarlberg und zahlreichen Veranstaltungen in den Bundesländern haben wir viel vor und freuen uns darauf.
Frauen sind die Innovationsmotoren der Landwirtschaft und insbesondere junge Frauen finden neue Ausrichtungen und Nischen.
Irene Neumann-Hartberger
Frauen leisten weltweit rund 39 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeit, stehen aber oft vor strukturellen Herausforderungen. Welche Erfahrungen machen Bäuerinnen in Österreich in Bezug auf Zugang zu Arbeit, Bildung und Ressourcen?
Diesbezüglich sind wir in Österreich grundsätzlich gleichgestellt. Wir werden aber weiterhin gegen rollenstereotype Traditionen wie Erbfolge und Rollenbilder ankämpfen und unterstützend für Frauen auftreten. An anderen Orten der Welt sieht das natürlich leider ganz anders aus. Wir wollen einfach Frauen auf unseren Betrieben bestärken, vor allem zum Thema Absicherung. Das stärkt die Landwirtschaft und den gesamten ländlichen Raum.
Wie kann das Jahr dazu beitragen, die Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft stärker in den Fokus der Politik zu rücken?
Wir werden es zum Anlass oder Anschub nehmen, bei einer künftigen GAP spezielle Frauenfördermaßnahmen zu erwirken. Zugleich ist es uns ein zentrales Anliegen, Hemmschwellen im Umgang mit psychosozialen Erkrankungen abzubauen. Gerade diese Krankheitsbilder nehmen wir besonders ernst und behandeln sie mit der notwendigen Sensibilität und Verantwortung. Wir setzen weiterhin darauf, dass Projektinitiativen wie „Lebensqualität Bauernhof“ mit ihren zahlreichen Bildungs- und Beratungsangeboten sowie das bäuerliche Sorgentelefon kontinuierlich weiterentwickelt werden.
Welche Unterstützungsangebote plant die ARGE Bäuerinnen im Jahr der Landwirtin?
Wir haben auf Bundesebene eine breit angelegte Medienkampagne und Veranstaltungen geplant, monatliche Überthemen mit Möglichkeit zur Adaptierung in den Ländern inklusive. Frauen aus unterschiedlichen Bundesländern und Betriebsformen werden vor den Vorhang geholt und ihre Leistungen sichtbar gemacht.
Wir werden das Jahr zum Anlass nehmen, bei der künftigen GAP spezielle Fördermaßnahmen für Frauen zu erwirken.
Irene Neumann-Hartberger
Wie kann es gelingen, junge Frauen für einen Einstieg in die Landwirtschaft zu begeistern?
Ein motiviertes und engagiertes Vorleben auf den Betrieben wirkt inspirierend für junge Frauen und Mädchen. Frauen sind die wesentlichen Innovationsmotoren der Landwirtschaft und insbesondere junge Frauen suchen und finden neue Betriebsausrichtungen und Nischen. Damit stellen sie ihre Betriebe erfolgreich und nachhaltig für die Zukunft auf. Dies sollte künftig noch stärker in den Vordergrund gerückt werden, um mehr junge Frauen und Mädchen zu ermutigen, den Schritt in die Landwirtschaft zu wagen.
Bäuerinnen sind oft eine tragende Säule im Familienbetrieb und im Ehrenamt. Wie kann ihre Leistung gesellschaftlich und politisch besser anerkannt werden?
Die typische Last der Care- Arbeit wie Haushalt, Kinder und Pflege lastet noch immer zum Großteil auf den Schultern der Frauen, ohne Berücksichtigung in irgendeiner Form, und da gibt es seit Längerem die Forderung nach einer besseren Anrechenbarkeit für die Alterspension. Ohne dem gesellschaftlichen Engagement und Ehrenamt unserer Frauen wäre der ländliche Raum nicht so, wie wir ihn heute kennen. Darauf sind wir sehr stolz und dafür setzen wir uns jeden Tag ein.
Wer offen bleibt, Neues ausprobiert und zusammenhält, kann die Zukunft der Höfe aktiv mitgestalten.
Irene Neumann-Hartberger
Gibt es besondere Veranstaltungen oder Aktionen, bei denen sich Bäuerinnen und Interessierte in Österreich vernetzen können?
Wir freuen uns besonders auf den Bundesbäuerinnentag in Vorarlberg am 15. und 16. April. Dabei dürfen wir erneut Bäuerinnen aus ganz Österreich begrüßen. Diese zwei Tage bieten eine wertvolle Plattform für Austausch und Vernetzung, bei der engagierte Frauen mit vielfältigen Erfahrungen und spannenden Geschichten aus allen Regionen Österreichs zusammenkommen. Alle aktuellen Informationen zu regionalen Veranstaltungen sowie zum diesjährigen Bundesbäuerinnentag sind auf der Homepage der Bäuerinnen zu finden.
Wenn Sie es sich wünschen könnten: Was soll das Jahr der Bäuerin bei Landwirtinnen und in der Gesellschaft bewirken?
Wir, die Arbeitsgemeinschaft der Bäuerinnen, wünschen uns durch unsere Aktivitäten im Laufe des Jahres einfach mehr Bewusstsein für unsere Leistungen. Aber auch mehr Wertschätzung für unsere heimischen Lebensmittel und durch einen bewussteren Griff zu ebendiesen eine Stärkung der heimischen Landwirtschaft.
Wie blicken Sie als Bundesbäuerin auf zukünftige Herausforderungen und Chancen für Bäuerinnen, gerade im Hinblick auf das gerade erst begonnene Jahr?
Herausforderungen gehören seit Generationen zu unserem Alltag, vom Wetter über die Bürokratie bis zu den Erwartungen der Gesellschaft. Veränderung ist das einzig Beständige. Gerade darin liegen aber auch Chancen: Wer offen bleibt, sich weiterbildet, vernetzt, Neues ausprobiert und zusammenhält, kann die Zukunft der Höfe aktiv mitgestalten für unsere Familien und für den ländlichen Raum.
Zur Person:
Irene Neumann-Hartberger ist seit 2021 Österreichs Bundesbäuerin. In dieser Funktion ist sie auch Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen, weiters Landesbäuerin Niederösterreichs, Vizepräsidentin der LK Österreich und sitzt als Abgeordnete der ÖVP im Nationalrat. Neumann-Hartberger bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn einen gemischten Betrieb in Stollhof (Niederösterreich). Auf den hofeigenen Flächen mästet die Familie auch Bio-Puten.
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