Das Maskenschnitzen hat in ganz Österreich eine jahrhundertealte Tradition. Ob beim Krampuslauf Anfang Dezember, den Perchtenumzügen rund um die Raunächte oder den Fasnachtsbräuchen in den Alpenregionen – geschnitzte Holzmasken („Larven“) gehören zu den eindrucksvollsten Elementen gelebten Brauchtums.
Die Ursprünge der Figuren sind ebenso vielfältig wie regional unterschiedlich:
Der Krampus begleitet vielerorts den Nikolaus und verkörpert den strafenden Gegenpart.
Die Perchten treten als „Schönperchten“ und „Schiachperchten“ auf und sollen Glück bringen oder böse Geister des Winters vertreiben.
Bei Fasnacht und anderen traditionellen Veranstaltunge – besonders stark in Westösterreich, aber auch in Teilen der Steiermark und Salzburg – spielen Masken zentrale Rollen in traditionellen Umzügen.
Überall jedoch verbindet die Menschen eine besondere Faszination für die hölzernen Gesichter: furchteinflößend, kunstvoll, roh oder detailverliebt – jede Maske ist Ausdruck einer regionalen Identität und des handwerklichen Könnens der Schnitzer.
In Ötz, im Tiroler Ötztal, liegt die Werkstatt von Johann Gstrein, der seit 2002 Masken für Krampusse, Perchten und Fasnachtsgestalten schnitzt. Bekannt ist er unter dem Namen „Johann Masken“ – eine Marke, die für echte Handarbeit steht.
Beim Öffnen seiner Werkstatttür schlägt einem der Duft von Zirbenholz entgegen. An den Wänden hängen Fratzen, die einem den Atem stocken lassen: knorrige Stirnfalten, verzerrte Münder, Hörner, die sich elegant um sich selbst winden. Johann lacht dann oft – er weiß, wie beeindruckend seine Werke auf Außenstehende wirken.
„Mich fasziniert, wie aus einem groben Holzblock ein Gesicht entsteht. Ein Gesicht, das später im Dunkeln lebt.“
Johann Gstrein
Schnitzer
Heavy Metal läuft dabei fast immer im Hintergrund. „Das bringt Stimmung“, sagt er und grinst. Über 100 Masken hat er bereits gefertigt, allesamt Unikate. Eine davon hängt heute sogar in New York – verschickt nach einer nächtlichen Facebook-Nachricht eines Halloween-Fans.
Copyright © Maria Gritsch
Das Montieren der obligatorischen Hörner erfordert viel Geschick.
Vom Holzblock zur lebendigen Fratze
Johann schnitzt seine Masken ausschließlich aus Zirbenholz – eine körperlich fordernde, kreative Arbeit, die viel Erfahrung verlangt. Zuerst gibt er dem Rohblock mit der Kettensäge seine Grundform, ein Schritt, der Mut erfordert, weil zu viel oder zu wenig abgenommenes Material den gesamten Prozess des Werkstücks beeinflusst. Danach arbeitet er die ersten Gesichtszüge wie Mund, Augen, Nase und Ohren heraus, wodurch die Maske ihren charakteristischen Ausdruck erhält. Die eigentliche Kunst liegt jedoch in den feinen Details, die Johann mit mehr als 50 verschiedenen Messern schnitzt: tiefe Falten, scharfe Zähne und ausdrucksstarke Augen, oft unter Berücksichtigung von Glasaugen, Sehschlitzen oder geplanten LEDs. Anschließend höhlt er die Maske an der Rückseite aus, damit der Kopf genügend Platz hat. Beim Schleifen glättet er die Oberfläche vorsichtig, ohne den Ausdruck „wegzupolieren“, und verleiht ihr mit der Bürste zusätzliche Struktur. Je nach Stil montiert er danach echte oder gegossene Hörner sowie Fell von Ziege, Schaf oder Pferd, wobei alle Befestigungen unsichtbar bleiben. Die Farbgebung beginnt mit einer Grundierung und endet mit Acrylfarben, Patina und einer schützenden Versiegelung für Wetter, Schweiß und wilde Krampusnächte. Für den perfekten Sitz setzt Johann seinen eigens entwickelten Kunststoffbügel ein, der an drei Punkten befestigt und innen gepolstert wird. Zum Abschluss bringt er Haare an – Bärte und Brauen werden geduldig Strähne für Strähne eingeklebt und verleihen der Maske ihr lebendiges Erscheinungsbild.
Johann Gstrein hat schon weit über 100 Masken geschnitzt.
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Ein Krampus vom Schneeberger Pass.
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Zwei grimmige Gesellen.
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Das Anbringen der Haare erfordert Fingerspitzengefühl.
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Zum Fürchten.
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Die fertigen Masken warten geduldig auf ihren Einsatz.
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Krampusläufe werden gerne besucht.
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Unverwechselbar
Ob in Salzburg, Kärnten, Tirol, der Steiermark oder im ländlichen Niederösterreich: Die Tradition des Maskenschnitzens gehört zu den eindrucksvollsten Elementen des österreichischen Brauchtums. Sie verbindet Generationen, Dörfer und Regionen.
Künstler wie Johann Gstrein halten dieses Erbe nicht nur lebendig, sondern entwickeln es weiter – mit handwerklicher Leidenschaft, Respekt vor der Tradition und dem Mut, jeder Maske eine unverwechselbare Ausstrahlung zu verleihen.
Sicherheit
In den vergangenen Jahren haben Zahl und Größe der Krampus- und Perchtenläufe in Österreich deutlich zugenommen, viele von ihnen haben sich zu Großveranstaltungen mit hunderten Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauern entwickelt. Gleichzeitig wird immer wieder über Verletzte und Zwischenfälle berichtet, etwa durch Gedränge, direkten Körperkontakt, Alkoholkonsum, Pyrotechnik oder zu enge Publikumsbereiche. Eine verlässliche, österreichweit einheitliche Statistik über Verletzungszahlen existiert jedoch nicht. Um den Risiken zu begegnen, setzen Behörden und Veranstalter zunehmend auf strengere Sicherheitsauflagen wie Bewilligungen, Absperrungen, Ordnerdienste, Beschränkungen von Pyrotechnik oder Alkohol, frei zu haltende Fluchtwege und verpflichtende Haftpflichtversicherungen.
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