BauernZeitung: Herr Gruber, wie fällt Ihre Bilanz zum Agrarjahr 2025 aus?
GRUBER: Auch das heurige Jahr war wieder von vielen Herausforderungen für unsere Landwirte gekennzeichnet. Wetterextreme, die laufende Teuerung, das Dauerbrennerthema Wolf, eine dynamische Entwicklung bei Tierseuchen und so weiter. All das erfordert immer wieder Anpassungen. Die heimische Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren aber eine beeindruckende Standhaftigkeit bewiesen. Unsere Bäuerinnen und Bauern trotzen Tag für Tag den Krisen. Dabei werde ich sie auch weiterhin mit aller Kraft unterstützen.
Immerhin die Wolfsproblematik scheint mit zuletzt fünf Abschüssen in gelenktere Bahnen zu kommen. Zufrieden?
Ich habe jahrelang für einen veränderten Umgang mit dem Raubtier gekämpft und mich bei der EU für die Senkung des Schutzstatus stark gemacht. Unsere Bemühungen waren erfolgreich und die Sorgen und Nöte der Tierhalter werden endlich auch von der EU ernst genommen. Kärnten war beim Wolfsthema sicher Vorreiter. Was es aber noch braucht, ist das Verständnis auf EU-Ebene, dass sich Wölfe nicht an Länder- oder Bezirksgrenzen halten und es daher keinen Sinn macht, eine Wolfspopulation in einzelnen Bundesländern zu beurteilen. Ehrlich wäre es, von einer Population im Alpenraum zu sprechen. Das würde auch ein Management ermöglichen.
Sorgen macht auch ein Gutachten, wonach die Bezirkshauptmannschaften in Risikogebieten den Auftrieb verbieten sollten. Was sagen Sie dazu?
Man muss bedenken, dass dieses Gutachten von NGOs gemacht wurde. Wir arbeiten bundesländerübergreifend an einer praxistauglichen und rechtlich sicheren Lösung für die Bauern und Bezirkshauptmannschaften bis zum nächsten Almauftrieb.
Wir arbeiten an einer Lösung bis zum nächsten Almauftrieb.
Martin Gruber
Hitzige Debatten bringt auch die Trassenführung der 380-kV-Leitung mit sich. Sitzen Sie hier zwischen den Stühlen?
Eines ist klar: Es ist kein Projekt des Landes, sondern der APG. Wir sind nur Genehmigungsbehörde. Gleichzeitig ist die Leitung für unsere künftige Stromversorgung notwendig und sie wird kommen. Aber die Trassenführung ist nicht in Stein gemeißelt und das ist ein entscheidender Punkt. Daher habe ich auch von Anfang an klar gesagt: Der Schutz der Bevölkerung steht an erster Stelle. Es geht nicht um die einfachste Trasse für den Projektwerber, sondern um die für die Bevölkerung beste Variante. Ebenso braucht es faire Entschädigungen für Grundbesitzer, dafür setzen wir uns mit der LK ein.
Im Dezember wurde der Ruf nach einer Erhöhung der Grundsteuer laut. Ihr Standpunkt?
Für mich ist die Anpassung der Grundsteuer nicht der richtige Weg, wenn es um die Budgetsanierung geht. Wir haben in Österreich kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Wir müssen bürokratische Hürden abbauen und als Staat effizienter werden. Ich halte nicht viel davon, in Zeiten der Teuerung die Bevölkerung mit zusätzlichen Steuern zu belasten.
Auch in Brüssel reißen die Herausforderungen nicht ab. Bei der Entwaldungsverordnung soll es eine Verschiebung und Erleichterungen geben. Wie bewerten Sie den Kurswechsel?
Ich bin in diesem Jahr mit EU-Agrarkommissar Hansen in Brüssel zusammengetroffen und habe ihm konkrete Vorschläge für eine Lösung vorgelegt. Ich habe ihm die Situation der kleinstrukturierten Land- und Forstwirtschaft in Kärnten erklärt und bin froh, dass nun ein Umdenken stattgefunden hat. Die Entwaldungsverordnung wurde zumindest entschärft, geht aber immer noch an der Situation in Österreich vorbei. In der Umsetzung braucht es weiter mehr Praxisnähe und Hausverstand.
Eine Herkulesaufgabe dürften die Verhandlungen zur nächsten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) werden. Wie schätzen Sie die möglichen Auswirkungen für Kärntens Bauern ein?
Ich kann vor den momentan diskutierten Plänen zur nächsten GAP nur warnen. Wenn die Pläne auf EU-Ebene umgesetzt werden und zudem Kürzungen erfolgen, hat das weitreichende Konsequenzen. So wird es das wichtige Programm der Ländlichen Entwicklung dann in dieser Form nicht mehr geben. Davon profitiert die Kärntner Land- und Forstwirtschaft derzeit mit mehr als 100 Mio. Euro pro Jahr. Auch hier müssen wir unsere Position gegenüber der EU klar vertreten, denn Kärnten und Österreich brauchen ein starkes Agrarbudget. Hier geht es um Versorgungssicherheit.
Welche Erwartungen haben Sie an das Polit-Jahr 2026?
Natürlich liegt die Land- und Forstwirtschaft auch 2026 in meinem Fokus. Die GAP-Verhandlungen gehen weiter, das Thema Renaturierung wird uns begleiten, mehrere Gesetzesänderungen, die die Land- und Forstwirtschaft betreffen, stehen an. Hinzu kommen die Themen Entbürokratisierung und Digitalisierung. Trotz der schwierigen finanziellen Situation im Landeshaushalt ist es gelungen, ein gutes Agrarbudget aufzustellen, das es uns erlaubt, die Bäuerinnen und Bauern auch 2026 bei ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen.
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))