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Zwischen Hitze und Kaltluft: Klimaanalyse liefert Planungsgrundlagen

Eine regionale Klimaanalyse soll als wichtiges Instrument für die Raumordnung in Tirol dienen.

Der Klimawandel macht auch vor Tirol nicht halt: Die Temperaturen steigen, Hitzetage nehmen zu und besonders versiegelte Flächen heizen sich stark auf. Eine neue regionale Klimaanalyse für das Tiroler Inntal, erstellt im Auftrag des Landes Tirol, liefert nun eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die Raumplanung und den Hitzeschutz.

Schutz der Bevölkerung im Fokus

Im Rahmen der Tiroler Nachhaltigkeits- und Klimastrategie präsentierten Raumordnungsreferent LH-Stv. Josef Geisler und Klimaschutzlandesrat René Zumtobel die Ergebnisse der Analyse. Sie zeigt detailliert, wo im Inntal sogenannte „Hitzeinseln“ entstehen und wo Kaltluftströme für natürliche Abkühlung sorgen.

„Die Analyse ermöglicht eine flächenscharfe Betrachtung bis auf 25 Quadratmeter genau“, erklärt Geisler. „Die Daten stehen ab sofort öffentlich zur Verfügung und können von Gemeinden, Planungsbüros und anderen Stakeholdern genutzt werden.“

Durch die Berücksichtigung dieser Daten bei der Planung von Gebäuden – etwa in Pflegeheimen, Kindergärten oder Wohnsiedlungen – könne laut Geisler natürliche Abkühlung ohne zusätzliche Kosten genutzt werden. Das bringe Vorteile für Klima, Gesundheit und Lebensqualität.

Hitzetage haben sich in 30 Jahren mehr als verdoppelt

Ein Hitzetag ist ein Tag, an dem die Temperatur über 30 Grad Celsius steigt. In Innsbruck werden mittlerweile durchschnittlich 23 Hitzetage pro Jahr gezählt – zweieinhalbmal so viele wie zwischen 1961 und 1990.

„Hohe Temperaturen sind eine Belastung für die Gesundheit – besonders für Kinder und ältere Menschen“, betont Landesrat Zumtobel. „Da der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung weiter steigt, müssen wir Hitzeinseln frühzeitig erkennen und Städte gezielt begrünen und entsiegeln.“

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Die Karte zeigt wo wertvolle Kaltluftproduktionsflächen im Inntal sind, wo übergeordnete Kaltluftleitbahnen verlaufen und wie weit die Kaltluftversorgung in die Gemeinden und Städte hinreicht.

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Schematische Darstellung der natürlichen Kühlungsprozesse. Hangabwinde bzw. Kaltluftabflüsse können zur nächtlichen Abkühlung von Siedlungsgebieten beitragen.

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Die Karte Hitzebelastung am Tag beschreibt die thermische Belastung des Menschen als empfundene Temperatur. Besonderes Augenmerk liegt auf den Gebieten mit starkem bis extremen Hitzestress. Aber auch Gebiete mit moderater Wärmebelastung können Auswirkungen auf vulnerable Gruppen wie z. B. ältere Menschen, Kinder haben.

Grundlage für künftige Bau- und Raumplanungsprojekte

Die Klimaanalyse basiert auf Messdaten von Wetterstationen, kombiniert mit Geodaten zu Gebäuden, Vegetation, Versiegelungen und Lärmschutzwänden. Projektleiter Karl Schönhuber (Rosinak & Partner) erklärt: „Entscheidend ist die nächtliche Abkühlung: Wo entsteht Kaltluft, wie weit reicht sie in die Siedlungen hinein und wie stark sorgt sie für Abkühlung? Wir sehen nun klar, welche Gebiete von Kaltluft profitieren – und wo Hitze-Hotspots bestehen.“

Die Ergebnisse sind für über 125 Gemeinden im Tiroler Inntal relevant – rund 534.000 Menschen leben im untersuchten Gebiet.

Großes Interesse aus Gemeinden und Planung

Mehr als 100 Interessierte – darunter Bürgermeister, Bauamtsleitungen, Planungsverbände und Vertreter von Klima-Energie-Modellregionen – informierten sich im Landhaus über die Ergebnisse.

Die detaillierte Klimakarte ist online abrufbar und wird auch in das Tiroler Rauminformationssystem (tiris) integriert. Zudem ist geplant, die Analyse auf weitere Regionen Tirols auszuweiten.

Tirol als Vorreiter bei der Klimaanpassung

„Als erstes Bundesland verfügen wir nun über eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die Klimawandelanpassung, die in vielen Bereichen Anwendung findet“, so Geisler und Zumtobel.

Auch das Land Tirol selbst wird die Erkenntnisse künftig bei Neubauten und Sanierungen öffentlicher Gebäude berücksichtigen und besonderes Augenmerk auf Hitzeschutz legen. Gleichzeitig sollen überörtliche Vorsorgeflächen zur Sicherung der Kaltluftversorgung gestärkt werden – ein weiterer Schritt im Sinne der Tiroler Nachhaltigkeits- und Klimastrategie.