Wolf im Wald

Copyright © Willy Mobilo

Mehr Wölfe, mehr Risse: Druck auf Bauern nimmt zu

Die aktuellen Daten zeigen ein klares Bild: Die Population wächst, die Präsenz nimmt zu – und damit auch die Anforderungen an das Management.

Der Wolf ist längst nach Österreich zurückgekehrt. Bundesweit wurden im Jahr 2025 mindestens 121 Wölfe nachgewiesen, nach 102 im Jahr zuvor. „Die Population wächst deutlich um etwa 30 Prozent pro Jahr“, so Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger. Für Oberösterreich wird der Bestand aktuell auf circa 40 Tieren geschätzt, wobei saisonale Wanderbewegungen zu berücksichtigen seien.

Vier nachgewiesene Rudel

Ein Schwerpunkt der Entwicklung liegt im tschechischen Grenzgebiet rund um das obere Mühl- und Waldviertel. Auf Basis von Fotofallen und DNA-Analysen wurden in dieser Region bereits umfangreiche Daten erhoben, darunter rund 100 dokumentierte Nachweise. Derzeit sind in diesem Gebiet vier Rudel nachgewiesen und zwar in Arbesbach, Gutenbrunn, Harmanschlag und Böhmerwald.

Parallel zur Bestandsentwicklung zeigt sich auch die praktische Dimension im Umgang mit dem Wolf. In den vergangenen drei Jahren wurden in Oberösterreich 314 Wolfssichtungen gemeldet und rund 190 Begutachtungen durchgeführt. Dabei konnten 29 Rissereignisse mit 47 getöteten Nutz- und Wildtiere eindeutig dem Wolf zugeordnet werden. Die Entschädigungszahlungen beliefen sich auf etwa 35.000 Euro. Gleichzeitig wurden über 120.000 Euro in Präventionsmaßnahmen wie Zäune, Stromgeräte, GPS-Tracker und Herdenschutzhunde investiert.

Erhöhte Aktivität: Jungtiere verlassen Rudel

Ein flächendeckendes Netz an Fachleuten übernimmt dabei die Rissbegutachtung, führt DNA-Analysen durch und berät Tierhalter vor Ort. Ergänzt wird dieses System durch Informationsangebote und eine rund um die Uhr erreichbare Hotline für Sichtungsmeldungen. Insgesamt wurden in den vergangenen drei Jahren 99 Sichtungen gemeldet.

Die Dynamik habe zuletzt zugenommen. Im vergangenen Jahr wurden 48 Begutachtungen durchgeführt, acht Rissereignisse bestätigt und 17 Tiere getötet. Zudem gab es zehn Vergrämungen, aus denen drei Abschussfreigaben resultierten, ohne dass jedoch ein Tier erlegt werden konnte. Für das laufende Jahr wurden bereits 20 Einsätze von Rissbegutachtern verzeichnet, eine Wolfsbeteiligung ist bestätigt, weitere DNA-Ergebnisse stehen noch aus.

„In den letzten Wochen beobachten wir eine erhöhte Aktivität, insbesondere im oberen Mühlviertel. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass junge Wölfe ihre Rudel verlassen“, erklärt der Wolfsbeauftragte Philipp Engleder-Öhler die aktuelle Entwicklung.

9 Wölfe zum Abschuss freigegeben, 2 erlegt

Die rechtliche Grundlage bildet die Wolfsmanagementverordnung, die bis 2028 gilt und im Einklang mit EU-Recht steht. Sie definiert auch die Möglichkeiten für Eingriffe. Seit 2023 wurden neun Risikowölfe zum Abschuss freigegeben, tatsächlich erlegt wurden zwei Tiere.

Warum zwischen Freigabe und Umsetzung eine deutliche Lücke besteht, erklärte der Wolfsbeauftragte so: „Wölfe sind sehr mobil und können täglich große Distanzen zurücklegen. Zudem sind Abschüsse räumlich stark begrenzt, was die Umsetzung erschwert.“ Aktuell besteht eine Abschussfreigabe für einen Risikowolf in St. Georgen am Walde bis einschließlich 11. Mai.

"Präventive Entnahme" in OÖ derzeit kein Thema

Eine darüberhinausgehende, "präventive Entnahme" ist derzeit rechtlich nicht vorgesehen. „Eine solche wäre erst bei einem nachgewiesenen günstigen Erhaltungszustand der Population möglich“, sagt Langer-Weninger.

Wann dieser Zustand erreicht ist, wird wissenschaftlich beobachtet. Engleder-Öhler nennt dafür eine Orientierung: „Vermutlich bei fünf bis sechs stabilen Rudeln im relevanten Gebiet.“

Auch die Frage nach der Wirkung bisheriger Eingriffe wird mit Blick auf die Daten beantwortet: „Die Zahlen zeigen weiterhin ein Wachstum der Population. Daher sehen wir aktuell keinen Hinweis auf eine Überregulierung“, so Langer-Weninger.

Sowohl Bauern- als auch Jägerschaft seien ein wichtiger Partner beim Monitoring: „Je konsequenter Sichtungen, Rissereignisse, Wolfsbilder oder sonstige Hinweise an das Wolfsmanagement gemeldet werden, desto fundierter und flächendeckender wird unser Monitoring", betont der Wolfsbeauftragte Engleder-Öhler.

Copyright © Land OÖ

Weitere Artikel