Über Jahrzehnte galt Asbest als Wundermaterial. Es war hitze- und chemikalienbeständig, langlebig und günstig – ideal für Dächer, Fassaden und Dämmstoffe. Besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde es auch im landwirtschaftlichen Bau breit eingesetzt. Erst Ende der 1980er-Jahre wurde das Ausmaß der Gesundheitsgefahren bekannt. 1990 folgte in Österreich das vollständige Verbot.
Doch viele dieser alten Asbestprodukte sind bis heute in landwirtschaftlichen Gebäuden, Ställen und Wirtschaftsgebäuden verbaut. Durch Alterung, Witterungseinflüsse und mechanische Belastungen zerfallen die Materialien allmählich. Ein Prozess, der die Freisetzung feiner Fasern begünstigt.
Asbestdächer werden zur Gefahr
Wie stark diese Gefahr tatsächlich ist, hat das Elementarschaden-Präventionszentrum (EPZ) nun im Rahmen von Simulationen untersucht. In Versuchsreihen wurden alte Asbestplatten mit Hagelkörnern mit bis zu 50 Millimetern Durchmesser auf Geschwindigkeiten von 140 Kilometer pro Stunde beschossen. Bedingungen, die natürlichen Hagelereignissen entsprechen.
Das Ergebnis: Bei starken Einwirkungen können alte und verwitterte Asbestdächer erhebliche Mengen an Fasern freisetzen. In den Tests wurden Konzentrationen von über 200.000 Fasern pro Kubikmeter Luft gemessen.
„Die Gefahr ist größer als bisher angenommen. Alte Asbestdächer und Fassaden stellen eine massive Gesundheitsgefahr für Bewohner und Einsatzkräfte dar“, betont Michael Stur, Bereichsleiter des EPZ. Christopher Lambers, Abteilungsleiter der Pneumologie am Ordensklinikum Linz Elisabethinen, warnt vor den Folgen. Die feinen, nadelartigen Fasern können tief in die Lunge eindringen und dort Entzündungen oder Krebserkrankungen verursachen. „Es genügt theoretisch bereits eine einzige eingeatmete Faser, um eine Entzündung auszulösen“, so Lambers. Besonders gefährdet sind Menschen, die regelmäßig oder über längere Zeiträume mit Asbeststaub in Kontakt kommen, etwa bei Abbruch-, Sanierungs- oder Einsatzarbeiten. Häufig zeigen sich Erkrankungen erst Jahrzehnte nach der Belastung.
Das EPZ ruft dazu auf, bestehende Gebäude auf mögliche Asbestvorkommen zu prüfen und bei geplanten Sanierungen geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Über das kostenlose Online-Hagelregister (www.hagelregister.at) können Bauherren und Landwirte Materialien finden, die auf ihre Widerstandsfähigkeit und Sicherheit getestet sind.
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