Mischwald

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Forschung zeigt Wege zu klimafitteren Wäldern

Die Erderwärmung macht Österreichs Forstwirtschaft zu schaffen. Auf der Boku University wurden nun Lösungsansätze aus Waldfonds-Projekten vorgestellt.

Mit 11 Millionen Erntefestmetern – einem Anteil von 55 Prozent am Gesamteinschlag – fiel vergangenes Jahr wieder einmal mehr Schadholz an. Die Hauptursache waren Stürme und Windwürfe (52 %), gefolgt vom Borkenkäfer (30 %) und weiteren Schadfaktoren (18 %). Zwar gab es beim Käferbefall einen leichten Rückgang, doch insgesamt lag das Schadholzniveau deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Waldfonds: Forschungsgelder tragen Früchte

Um die Waldbewirtschafter zu entlasten und Österreichs Forst an den Klimawandel anzupassen, hat die Bundesregierung bereits 2021 den Waldfonds installiert. Er hat nach Aufstockung ein Volumen von 430 Millionen Euro und gliedert sich in zehn Maßnahmen.  In der Einheit acht, dem Forschungsschwerpunkt zu klimafitten Wäldern, hat das zuständige Ministerium (BMLUK) elf Projekte zu Waldgenetik, forstlichem Saat- und Pflanzgut, Baumartenwahl und Waldökologie unterstützt. Es wurden bereits zehn „Calls“ durchgeführt und Förderungen für Projekte im Gesamtausmaß von ca. 40 Millionen Euro gewährt. Forschende haben nun bei einer Walddialog-Veranstaltung in Kooperation mit dem Bundesforschungszentrum für Wald sowie der Boku University Wien ihre Arbeiten vorgestellt. Nachzulesen sind sie in der „BFW-Praxisinfo 58/2025“.

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Akteure von Boku, BFW und Ministerium auf der Veranstaltung: Prof. Mario Pesendorfer (Boku), Peter Mayer (Leiter BFW), Elfriede Anna Moser (BMLUK-Sektionschefin), Gerhard Mannsberger (Vizerektor Boku) und Silvio Schüler (BFW)

WaldFIT

Das wohl umfangreichste Projekt mit dem Namen WaldFit unter der Leitung von Marcela van Loo vom BFW besteht gleich aus sieben Teilprojekten. Sie beschäftigen sich mit der Anlage neuer Herkunftsflächen für Fichte, Ahorn und Douglasie, der Qualität und genetischen Vielfalt der Douglasie, der Dokumentation und Analyse bisheriger Pflanzungen nicht-heimischer Waldbaumarten, der Trockentoleranz der Fichte und dem Einsatz von Hydrogelen und Dünger bei Pflanzung. Vielfach sind die Projekte noch im Laufen. Teils liegen schon greifbare Ergebnisse oder zumindest Tendenzen vor. 

Exoten im Fokus

So zeigt etwa das von Julia Knonic (BFW) vorgestellte Teilprojekt ExoticData, dass sich der Verbreitungsschwerpunkt der Küstentanne und Douglasie mit dem Klimawandel in höhere Lagen (850-1300 m) verschiebt. Dort bilden beide Arten bereits jetzt beachtliche Bestände mit hoher Zuwachsleistung (über der Fichte), Verjüngungen sind kaum vorhanden, höchstens im Sämlingsstadium. Die Gelbkiefer steht auf den heimischen Erhebungsflächen dominant auf trockenen Standorten. Die Einzelbäume weisen höhere Zuwächse auf als heimische Weiß-und Schwarzkiefer, natürliche Verjüngung wurde nicht beobachtet. Die Griechische Tanne zeigt gute Zuwächse trotz Konkurrenz und fehlender Pflege. Sie hat die beste Verjüngungsleistung unter den untersuchten Arten – innerhalb und außerhalb der Bestände.
Allerdings erreichten nur wenige Jungpflanzen eine Höhe von zwei Metern.

Hydrogel und Düngemittel

Hydrogele und Düngemittel haben sich in Glashausversuchen als Bodenzusätze bei der Pflanzung bewährt. Marie Lambropoulos (Boku, Institut für Waldökologie) hat sie im praktischen Einsatz bei Aufforstungen getestet. Ihre Ergebnisse sind ernüchternd. Die meisten Behandlungen verbesserten die Überlebensrate nicht oder erhöhten sogar die Sterblichkeit, besonders bei Lärche, Kiefer und Douglasie. Nur die Eiche zeigte bei den meisten Behandlungen bessere Überlebensraten. Lambropoulos wollte die Zusatzstoffe aber „nicht verteufeln“. Maßnahmenempfehlungen, wie sie besser eingearbeitet werden können, sollen erarbeitet werden.

Hochwertige Samen für die nächste Generation

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Die ÖBf-Saatgutaufbereitungsanlage in Arndorf ist eine der letzten ihrer Art in Österreich.

Durch den notwendigen Waldumbau aufgrund des Klimawandels steigt der Bedarf an forstlichem Saatgut, gleichzeitig gibt es Hinweise, dass dessen Qualität abnimmt, teils fehlt schlicht Material. In dem Projekt Forsee hat man sich das Problem am Boku-Institut für Waldökologie genauer angeschaut und vielversprechende Lösungsansätze gefunden.

So sollen standortspezifische Vorhersagen der Baumsamenproduktion mit einem Horizont von etwa einem Jahr nun möglich sein. Iris Oberklammer hat die statistischen Modelle dazu vorgestellt. „Wir glauben, dass da ein großes Potenzial liegt, das ist ein Ergebnis, das uns sehr freut“, so Professor Georg Gratzer, der zusammen mit Prof. Mario Pesendorfer das Projekt Forsee leitet. Weitere wichtige Ergebnisse desselben: Ältere Bestände (150+ Jahre) und größere, weniger isolierte Populationen weisen höhere Keimraten auf, da sie weniger Inzucht zeigen. Saatgut-Plantagen wiederum liefern qualitativ besseres Material als natürliche Bestände. Was die Saatgutlagerung betrifft, laufen indes Versuche am BFW. Teilweise mangelt es in Österreich noch an der entsprechenden Infrastruktur. Gratzer: „Es kann nicht sein, dass wir nach Bayern müssen, um Saatgut zu lagern und dann sind deren Lager womöglich voll und wir schauen durch die Finger.

Mehr, auch zu anderen interessanten Projekten, lesen Sie demnächst in der BauernZeitung.

„BFW-Praxisinfo 58/2025“: Hier geht es zum Download.Die Saatgutaufbereitungsanlage der Bundesforste (ÖBf) in Arndorf