Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist in vielen ländlichen Regionen Tirols zunehmend unter Druck. Ärztemangel, steigender Pflegebedarf, längere Wartezeiten und weite Wege stellen Gemeinden wie Bevölkerung vor große Herausforderungen. Mit der Veranstaltungsreihe „Medizin für Land und Leute“ setzt Forum Land Kitzbühel ein klares Zeichen für eine starke, wohnortnahe Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.
Diskussionsabend in Brixen im Thale
Vergangene Woche lud Forum Land zu einem Diskussionsabend in die Aula der Volksschule Brixen im Thale. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Politik, Ärzteschaft und Praxis wurde offen über aktuelle Entwicklungen, bestehende Defizite und zukunftsweisende Lösungsansätze gesprochen.
„Die medizinische Versorgung darf keine Frage der Postleitzahl sein“, betont Hermann Gahr, Forum-Land-Landesobmann. „Wer im ländlichen Raum lebt, hat denselben Anspruch auf ein funktionierendes, leistbares Gesundheitssystem wie Menschen in den Ballungszentren. Zentralisierung allein ist keine Antwort. Wenn wohnortnahe Strukturen abgebaut werden, leidet nicht nur die Versorgung, sondern auch die Lebensqualität und Attraktivität unserer Regionen.“
Ein ausgewogenes Zusammenspiel aus Spitalsstandorten, niedergelassener Versorgung, Pflege und mobilen Diensten sei entscheidend. „Primärversorgungszentren können Teil der Lösung sein. Entscheidend ist jedoch, dass sie den ländlichen Raum ergänzen und bestehende Strukturen stärken – nicht ersetzen“, so Gahr.
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Gastgeber setzt starken regionalen Akzent
Gastgeber des Abends ist Andreas Brugger, Forum-Land-Bezirksobmann und Bürgermeister von Brixen im Thale. Er hat die Veranstaltung initiiert und mit Unterstützung aus seiner Gemeinde organisiert. Das Thema „Medizin für Land und Leute“ ist der tirolweite Jahresschwerpunkt von Forum Land – mit dem hochkarätig besetzten Podium setzt Brugger in seinem Bezirk einen starken Akzent.
„Gesundheit betrifft uns alle – gerade im ländlichen Raum sehen wir sehr konkret, wo es hakt. Mit diesem Abend wollen wir informieren, zuhören und gemeinsam Lösungen diskutieren“, so Brugger.
Bürgermeister Paul Sieberer, Obmann des Gemeindeverbandes des Bezirkskrankenhauses St. Johann, sprach sich im Rahmen der Diskussion klar für dezentrale Strukturen im Gesundheitswesen aus. „Ich bin ein klarer Freund des Dezentralen“, betonte Sieberer und plädierte zugleich für einen sachlichen, lösungsorientierten Zugang. Es sei wichtig, die bestehenden Herausforderungen ernst zu nehmen, ohne dabei in eine dauerhafte Problemrhetorik zu verfallen. „Ja, es gibt Probleme in der Gesundheitsversorgung – und diese gilt es aufzugreifen und zu lösen. Wenn ich mir jedoch die tägliche Berichterstattung in den Medien und gleichzeitig die vielen positiven Rückmeldungen der Patientinnen und Patienten im Bezirkskrankenhaus St. Johann ansehe, dann klaffen mediale Darstellung und gelebte Realität oft auseinander“, so Sieberer.
Die beiden Allgemeinmediziner Peter Fuchs und Kerstin Gasser-Puck gewährten Einblicke in ihren Praxisalltag und brachten zahlreiche konstruktive Anregungen zur Verbesserung der Situation für Ärztinnen und Ärzte in ländlichen Gemeinden ein. Insbesondere bei der Unterstützung von Jungärztinnen und Jungärzten sehen sie Handlungsbedarf. Attraktivere Rahmenbedingungen und gezielte Anreize könnten den Einstieg in die hausärztliche Tätigkeit am Land erleichtern.
Kritisch äußerten sich beide zudem zu zunehmender Bürokratie und zu sogenannten digitalen Erleichterungen im Praxisbetrieb. „Oft werden wir mit digitalen Anwendungen konfrontiert, die noch nicht praxiserprobt sind und letztlich mehr Zeit, Nerven und auch Geld kosten“, merkte Gasser-Puck an.
Ärztekammer fordert nachhaltige Stärkung der Versorgung
Auch aus Sicht der Ärztekammer braucht es dringend nachhaltige Maßnahmen. Günter Atzl, Kammeramtsdirektor der Ärztekammer für Tirol, unterstreicht: „Um die wohnortnahe ärztliche Primärversorgung – gerade in den ländlichen Regionen – langfristig abzusichern, braucht es eine konsequente Stärkung der bestehenden Strukturen im niedergelassenen Bereich. Primärversorgungseinheiten sind wichtig, können aber nicht die alleinige Antwort auf die aktuellen Herausforderungen sein.“
Ebenso notwendig seien eine bessere Steuerung der Patientinnen und Patienten sowie eine gezielte Förderung der Gesundheitskompetenz. „Nur so kann eine effiziente, qualitativ hochwertige und dauerhaft finanzierbare Gesundheitsversorgung gewährleistet werden“, so Atzl.
Die medizinische Versorgung darf keine Frage der Postleitzahl sein.
Hermann Gahr
Forum Land Landesobmann
Landespolitik setzt auf Zukunftsplan und Innovation
Seitens des Landes setzt man auf einen klaren Zukunftskurs. Cornelia Hagele, Gesundheitslandesrätin Tirol, betont die Bedeutung moderner Medizin auch außerhalb der Städte:
„Moderne Medizin gehört nicht nur in die Stadt, sondern muss auch in unseren Dörfern vorhanden sein. Mit KI im Spital, MRTs im Bezirk und Telemedizin direkt in der Hausarztpraxis setzen wir ein klares Zeichen für die Zukunft unseres Gesundheitssystems.“
Mit dem Regionalen Strukturplan Gesundheit 2030, neuen Primärversorgungseinheiten und innovativen Versorgungsprogrammen werde gezielt in den ländlichen Raum investiert. „Gesundheit darf keine Frage des Wohnorts sein. Wer in den Tiroler Regionen lebt, hat Anspruch auf medizinische Versorgung auf höchstem Niveau – wohnortnah, rasch und zuverlässig“, so Hagele.
Gesundheit als öffentliche Daseinsvorsorge
Der Diskussionsabend in Brixen im Thale soll Raum für Information, Austausch und konkrete Zukunftsfragen bieten. Forum Land versteht Gesundheit dabei klar als öffentliche Daseinsvorsorge. „Wer den ländlichen Raum ernst nimmt, muss auch bereit sein, nachhaltig und verantwortungsvoll in medizinische Infrastruktur zu investieren – nahe bei den Menschen“, so Gahr abschließend.
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