Biber

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Bibergipfel in Kufstein: Entnahme und Entschädigung

Im Bezirk Kufstein wird die Rückkehr des Bibers zunehmend zur Belastung. Im Rahmen des Bibergipfels wurde vergangenen Mittwoch nach Lösungen gesucht.

Durch intensive Bejagung im 17. Jahrhundert wurde der Biber europaweit fast gänzlich ausgerottet. Es gilt als gesichert, dass der letzte Biber in Tirol 1813 an der Vils im Außerfern gefangen wurde. Aus Bayern stammt der letzte Nachweis eines getöteten Bibers von 1867. Um 1990 wanderten Exemplare aus Bayern entlang von Inn und Großache ein und gründeten in Tirol neue Reviere. Kleine Populationen entstanden in den Innauen bei Kufstein und an der Großache.

Seither sorgen stete Wanderbewegungen den Inn entlang flussaufwärts für Biberpräsenz an fast allen größeren Flüssen und Bächen von der Großache im Osten bis ins westliche Tiroler Oberland. Im Jahr 2026 zählt man ca. 264 Reviere und 871 Tiere (vgl. 2016: ca. 130 Reviere und 425 Tiere). In Tirol steht der Biber nach europäischem Recht (FFH-Richtlinie), nach dem Tiroler Naturschutzgesetz und der Tiroler Naturschutzverordnung unter Schutz.

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Vergangenen Mittwoch wurde beim Bibergipfel in Kufstein diskutiert, wie ein funktionierendes Zusammenleben mit dem Biber aussehen könnte.

Lösungen für Kufstein

Im Bezirk Kufstein wird das Zusammenleben von Mensch und Tier zunehmend problematisch. Schäden an Bäumen rund um den Hechtsee, die in weiterer Folge vom stark frequentieren Rundwanderweg und beliebten Verweilmöglichkeiten entfernt werden mussten, sorgen in der Bevölkerung für Unmut. Das Regionalmanagement „Kufstein und Umgebung – Untere Schranne – Kaiserwinkl“ (KUUSK) veranstaltete am Mittwoch eine Podiumsdiskussion zum Thema, um weitere mögliche Vorgehensweisen zu diskutieren. Zu Wort kamen Politiker und Experten aus Umweltschutz, Land- und Forstwirtschaft ebenso wie Betroffene.

Besorgt über die Entwicklung am Hechtsee zeigte sich der Kufsteiner Bürgermeister Martin Krumschnabel: „Seit Ende letzten Jahres ist der Hechtsee Heimat einer vier- bis fünfköpfigen Biberfamilie. Problematisch sind die beschädigten Bäume, die wir früher oder später aus Sicherheitsgründen, besonders entlang der Spazierwege und neben Sitzbänken, entfernen müssen. Besonders schmerzhaft ist der Verlust von natürlicher Bewaldung in der Badeanstalt, die im Sommer Schatten spenden soll. Bislang mussten 15 Bäume umgeschnitten werden.“ Krumschnabel erwartet sich konstruktive Vorschläge und konkrete Lösungen von fachlicher Seite. „Eigentümer und Wegerhalter tragen hier die Hauptverantwortung, um die Bäume stehen zu lassen ist das Risiko einfach zu groß.“ Das Problem tritt im Winter verstärkt auf, da Biber in dieser Zeit vermehrt auf Baumrinde als Nahrung angewiesen sind.

Zustimmung aus forstwirtschaftlicher Sicht gibt Bezirksforstinspektor Markus Wallner. Erschwerend hinzu kommen für ihn Schäden in Niederndorf, die den Schutzwald und dessen elementare Funktionen beeinträchtigen.

Leidensdruck steigt

In Breitenbach beschäftigt der Nager seit 2022, wie Bürgermeister Josef Auer berichtet. Nach Starkregen im Sommer 2024 musste ein dort errichteter Damm gänzlich entfernt werden, nachdem vorher mittels Drainage versucht worden war, den Damm zu erhalten und Überschwemmungen trotzdem zu vermeiden. „Unerfreulich sind auch Meldungen, dass am Badesee Bäume einfach umfallen. Die grundsätzlich gute Stimmung zum Biber in der Bevölkerung beginnt so zu kippen. Man bewegt sich ständig im rechtlichen Graubereich – niemand weiß genau, was man tun darf. Wenn etwa bei starkem Regen Gefahr im Verzug ist, muss man aber handeln.“

Die Landwirtschaft hat der Biber schon länger fest im Griff, weiß Kufsteins Bezirksbauernobmann LAbg. Michael Jäger: „Mit den Biberbeauftragten haben wir stets auf Augenhöhe nach Lösungen gesucht. Wenn durch Einbruch Schaden an Landmaschinen entsteht, wie bereits geschehen, bekommt das Problem eine neue Dimension. Der Leidensdruck steigt zunehmend, von der Landwirtschaft hin zu den Gemeinden. Grundeigentümer und Betroffene brauchen praktikable Lösungen.“ Ein Blick nach Kärnten zeigt einen möglichen Lösungsweg. Aufgrund stark gestiegener Biberpopulationen wurde das Entnahmekontigent erhöht. „Eine artgerechte  und umweltverträgliche Entnahme ist möglich“, ist Jäger überzeugt. „Hier ist der Gesetzgeber gefordert, um die Sicherheit von Bürgern und Landwirtschaft weiterhin zu gewährleisten. Für ein verträgliches Miteinander müssen wir viel mehr an Prävention arbeiten.“

Rechtliche Klarheit gefordert

Um den Ausgleich der Interessen von Mensch und Tier bemüht sich Walter Michaeler, Abteilung Umweltschutz Land Tirol. Problematisch seien vor allem gehölzfreie Ufer. Alternative Nahrungsquellen in bestimmten Bereichen könnten mittel- und langfristig zur Lösung beitragen. Für Kufstein brauche es aber eine kurzfristige Lösung. Ein gut eingestellter Biber halte zudem Reviere stabil.

Aus dem Publikum wurde von erheblichen Schäden an der Gemeindestraße in Angerberg, dem Verlust einer großen Anzahl Bäume in Langkampfen und der jahrelangen Beschädigung von Streuobstwiesen in Niederndorf berichtet. Der Grundtenor: Geschehen ist wenig, Privatpersonen werden mit entstandenen Kosten allein gelassen und die verträgliche Grenze ist bereits überschritten. Gefordert wird rechtliche Klarheit, Entnahmemöglichkeiten und Entschädigungen für Betroffene.

 

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