Biomasse-Heizwerk Wildschönau: regional, nachhaltig und krisensicher
Die Bäuerliche Heizgenossenschaft Wildschönau zeigt seit mehr als zwei Jahrzehnten, wie regionale Energieversorgung funktionieren kann: mit Holz aus der Region, kurzen Wegen und einem starken genossenschaftlichen Gedanken. Entstanden ist die Genossenschaft aus der Waldwirtschaftsgemeinschaft Wildschönau. Gegründet wurde sie am 17. Jänner 2000 von neun Mitgliedern rund um Peter Metzler, Andreas Weißbacher und Dr. Anton Weißbacher mit Unterstützung von Dipl.-Ing. Josef Weißbacher von der Landwirtschaftskammer.
Heimisches Holz regional verwerten
Der Hintergrund war klar: Der Brennholzpreis war niedrig, für viele Bauern fehlten Absatzmöglichkeiten. Ziel war es deshalb, heimisches Holz regional zu verwerten und den Mitgliedern faire Preise zu sichern. 2001 wurde das Biomasse-Heizwerk in Oberau gebaut und eröffnet. Heute versorgt die Genossenschaft mit ihrem Nahwärmenetz Gebäude, Hotels und öffentliche Einrichtungen im Ortsgebiet. Das Netz ist mit einer Gesamtlänge von drei Kilometern relativ kurz und kann deshalb auf einen niedrigen Wärmeverlust von unter zehn Prozet verweisen. Laut Genossenschaft versorgt das Heizwerk bis zu 700 Menschen mit regionaler Wärme. Rund 80 Prozent des Energieholzes stammen direkt von Bäuerinnen und Bauern aus der Wildschönau. So bleiben Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Region erhalten.
Nach dem Hagelsturm im Jahr 2024 spielte die Genossenschaft eine große Rolle bei der Aufarbeitung der Schäden.
Hagelsturm als Belastungsprobe
Wie wichtig diese regionalen Strukturen sind, zeigte sich nach dem schweren Hagelsturm vom 30. Juni 2024. Innerhalb weniger Minuten wurden große Waldflächen rund um Auffach verwüstet, mehr als 30.000 Festmeter Holz lagen am Boden. Gemeinsam mit Waldaufsehern, Feuerwehr, Forstdienst, Seilbahnen, Transportunternehmen und Sägewerken gelang es, das Schadholz innerhalb eines Jahres aufzuarbeiten. Eine zentrale Rolle spielte dabei das Biomasse-Heizwerk der Genossenschaft. „Wir haben geschaut, dass wir so viel wie möglich abnehmen können“, erklärt Geschäftsführer Michael Weißbacher.
Der kurze Transportweg war dabei ein entscheidender Vorteil. Frisches Holz konnte rasch gehackt, belüftet und energetisch genutzt werden. Gleichzeitig half die schnelle Verarbeitung, größeren Borkenkäferbefall zu verhindern.
Laufende Investitionen
Zwischen 2015 und 2019 investierte die Genossenschaft rund 700.000 Euro in die Modernisierung des Heizwerks. Die Kesseltechnik wurde erneuert, Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Emissionsreduktion umgesetzt. Heute unterschreitet die Anlage alle Emissionsgrenzwerte deutlich.
Unsere Genossenschaft bietet uns die perfekte Rechtsform für regionale Wertschöpfung und viele Vorteile für unsere Mitglieder und Mitarbeiter.
Im Schnitt haben wir alle vier Jahre irgendeine Energiekrise, dabei sieht man wieder, wie wichtig die gespeicherte Sonnenenergie in unserem Holz ist. Ich bin stolz, einen modernen, sauberen Betrieb führen und mitgestalten zu dürfen, und dabei einen echten Mehrwert für die Region zu schaffen, mit der für mich besten nachhaltigen Energieform – Holz.
Mst. Michael Weißbacher
Obmann
Positiver Blick
Mittlerweile zählt die Genossenschaft 13 Mitglieder. Nach wie vor pflegen sie eine gute Zusammenarbeit und einen regen Austausch mit dem Heizwerk Söll. Auch die Mitgliedschaft bei der BioWärme Tirol wird von Obmann Michael Weißbacher als sehr positiv bewertet und ist ein wichtiger Teil der Weiterentwicklung. Auch künftig soll dem Genossenschaftsgedanken gemäß in das Kraftwerk investiert werden. Geplant sind thermische Solaranlagen, Photovoltaik, Energiespeicher sowie eine zweite Hackschnitzeltrocknung und Wärmerückgewinnung.
Der Grundgedanke bleibt dabei derselbe wie vor 25 Jahren: Energie aus der Wildschönau – für die Wildschönau.
Zahlen und Fakten
Zweikesselsystem inkl. Ausfallversicherung
Kesselwirkungsgrad > 90 Prozent
CO2-Emissionswert unter 18 ppm/m3
Brennstoffversorgung > 20 km Umkreis
Hackschnitzellager der Bäuerlichen Heizgenossenschaft Wildschönau.
Das Heizkraftwerk in Oberau wurde zwischen 2015 und 2019 technisch auf den neuesten Stand gebracht.
Musterbeispiel für die Raiffeisen-Idee
Die Bäuerliche Heizgenossenschaft Wildschönau ist ein Musterbeispiel der Umsetzung des Leitspruches von Friedrich Wilhelm Raiffeisen. "Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele."
Sinn und Zweck jeder Genossenschaft ist es ja, durch den Zusammenschluss von Personen ein gemeinsames Ziel zu verfolgen bzw. ein gemeinsames Projekt zu verwirklichen, aus dem dann die Mitglieder wirtschaftliche Vorteile für ihr alltägliches Leben generieren können.
Wenn auch Sie Ideen für solche gemeinschaftlichen Projekte haben, ist der Raiffeisenverband Tirol Ihnen bei der Umsetzung Ihrer Genossenschaftsidee selbstverständlich gerne behilflich.
Ihr Ansprechpartner – Raiffeisen- verband Tirol: Dr. Alexander Büchel, Verbandsdirektor, Tel. +43 512/58 11 59-20 111