Unter dem Motto „Es lebe die Vielfalt“ luden das Bienenzentrum Oberösterreich, das Netzwerk Zukunftsraum Land und Biene Österreich kürzlich zu einer gemeinsamen Tagung in die Landwirtschaftskammer OÖ ein. Im Mittelpunkt stand die Vielfalt an Arten und Lebensräumen, die es für Bestäuber zu erhalten gilt. Ein zentrales Anliegen der Veranstaltung war daher der sektorübergreifende Dialog, wie Sophia Glanz, Leiterin des Netzwerks Zukunftsraum Land, betonte.
Bauern haben Erhalt der Biodiversität in der Hand
Eine Schlüsselrolle bei Erhalt und Förderung der Biodiversität spielt die Landwirtschaft, schließlich wird rund ein Drittel der Fläche Österreichs agrarisch genutzt. Franz Waldenberger, Präsident der LK OÖ, verwies auf die Bedeutung agrarpolitischer Instrumente. Am ÖPUL-Programm etwa nehmen bundesweit 83 % (OÖ: 86 %) der Bäuerinnen und Bauern teil.
Carmen Nebauer von der TU München sprach über die Struktur- und Nahrungsvielfalt, die Bestäuber in der Agrarlandschaft benötigen. Die Flugweiten vieler Wildbienen betragen lediglich wenige hundert Meter. „Blühstreifen können als verbindende Elemente dienen und Lebensräume miteinander vernetzen“, so Nebauer. Entscheidend seien vor allem Qualität, Artenvielfalt und die zeitliche Verfügbarkeit von Blüten. Auch Hecken, Feldraine, Obstbäume oder Altgrasstreifen erleichtern Bestäubern die Wanderung durch die Landschaft und bieten Rückzugs-, Nist- und Nahrungsräume. Bereits kleinflächige Maßnahmen könnten große Wirkung entfalten.
Dass artenreiche Agrarlandschaften nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch im Interesse der Landwirtschaft sind, betonten auch Patrick Falkensteiner (Boden.Wasser.Schutz.Beratung), Sabine Schoder (Universität für Bodenkultur Wien) und Wildbienenexperte Jonathan Schwarz. Letzterer berichtete über ein Wildbienen-Monitoring in Oberösterreich von 2020 bis 2025. Dabei zeigte sich unter anderem, dass Blühflächen in den ersten drei Jahren besonders gut funktionieren, ihre Vielfalt jedoch ab dem vierten Jahr abnimmt.
Zwischenfruchtanbau mit breiter Relevanz
Patrick Falkensteiner unterstrich anhand eines bienenfreundlichen Zwischenfruchtversuchs die Bedeutung gut ausgewählter und optimal versorgter Zwischenfrüchte. Zwischenfruchtanbau bedeute Boden-, Wasser-, Klima- und Umweltschutz und sei zugleich für Imkerei, Jagd und Gesellschaft relevant. Durch moderne Technik, etwa den Einsatz von Drohnen, können Zwischenfrüchte früher gesät werden, wodurch auch die Blüte früher einsetzt. Bestäubern steht damit bereits zeitiger im Jahr ein vielfältiges Nahrungsangebot zur Verfügung. Besonders im Spätsommer und Herbst, wenn andere Blühangebote knapp werden, sichern Zwischenfrüchte eine wichtige Nahrungsgrundlage für Honigbienen und andere Bestäuber.
Sabine Schoder betonte zudem, dass Wildbienen nicht nur auf Pollen, sondern auch auf geeignete Nistplätze angewiesen sind. Sie legen ihre Nester im Boden, in Totholz oder abgestorbenen Pflanzenstängeln an. Rund ein Drittel aller Wildbienenarten ist zudem auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert. Um Distanzen überwinden zu können, sind sie auf strukturreiche Randbereiche angewiesen.
Vielfältige Bestäuber
In Österreich sind neben der Honigbiene derzeit 707 Wildbienenarten bekannt, darunter 46 Hummelarten, sowie rund 4.000 Schmetterlingsarten. Auch Auch Wespen, verschiedene Käfer und sogar Hausfliegen sind Bestäuber.
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