Die grundsätzlich positive Entwicklung wird durch steigende Risszahlen getrübt. Sechs Wölfe konnten heuer bereits entnommen werden.
Trotz vereinzelter Wetterkapriolen und der zunehmenden Präsenz von Großraubtieren zeigt die vorläufige Bilanz der Almsaison 2025 in Tirol insgesamt stabile Entwicklungen. In vielen Regionen sorgten ausreichende Niederschläge und gute Grasbestände für zufriedenstellende Weidebedingungen. Gleichzeitig bleibt der Schutz der Nutztiere vor großen Beutegreifern eine zentrale Herausforderung: Die vorläufige Zahl der Nutztierrisse ist höher als im Vorjahr.
„Alles in allem können wir mit Blick auf die Tiergesundheit und die Futterlage auf eine überwiegend positive Saison zurückblicken. Gesunde Tiere und gute Weiden sind ein zentraler Faktor für Tirols Almwirtschaft. Gleichzeitig machen die steigenden Risszahlen durch Großraubtiere deutlich, dass der Schutz unserer Nutztiere weiterhin konsequent verfolgt werden muss“, zieht LH-Stv. Josef Geisler eine erste Bilanz über den heurigen Almsommer. Durch das Tiroler Modell der Maßnahmenverordnungen wurden im heurigen Jahr bis dato insgesamt 26 Abschussverordnungen für einen Wolf erlassen. Sechs davon konnten bisher von der Jägerschaft erfüllt werden.
Die bisherigen Erfahrungen aus den Herdenschutz-Pilotprojekten machen deutlich, dass der finanzielle Aufwand enorm ist und es für einen flächendeckenden Herdenschutz vor allem an speziell ausgebildetem Hirtenpersonal fehlt.
Josef Geisler
LH-Stv. und Bauernbundobmann
Vorläufige Zahlen im Überblick
Mit Stand Mitte Oktober wurden in Tirol 217 tote Nutztiere eindeutig großen Beutegreifern zugeordnet.
Schäden durch Wölfe, Bären und Goldschakale
Wölfe: 172 Schafe, 6 Rinder, ein Alpaka und eine Ziege
Bären: 21 Schafe, ein Pferd, zwei Esel sowie Schäden an zwei Wildfütterungen und einem Bienenstand
Goldschakal: 13 Schafe
Die endgültigen Zahlen – inklusive verletzter und vermisster Tiere – werden im Jahresbericht des Landes veröffentlicht.
Die Risse durch Wölfe haben im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. Auch die Anzahl der genetisch nachgewiesenen Wölfe ist auf 25 Individuen gestiegen.
Die meisten stammen aus der italienischen Quellpopulation, ein Tier aus der dinarischen Population.
Regionale Verteilung:
Bezirke Lienz und Innsbruck-Land: je 7 Wölfe
Bezirk Landeck: 5 Wölfe
In den Bezirken Imst, Landeck und Lienz wurden heuer 22 Bärennachweise registriert – zuletzt Anfang Oktober per Wildkamera in Pfunds.
Genetische Untersuchungen belegen zwei männliche Bären:
einen im Tiroler Oberland (bereits im Vorjahr nachgewiesen)
einen in Osttirol
Herdenschutz und Tiergesundheit
Der Sommer auf den Herdenschutz-Projektalmen verlief erfolgreich, auf einer Alm gab es zudem einen deutlichen Zuwachs an aufgetriebenen Schafen. Die Pilotalmen liefern wertvolle Informationen darüber, wo sie überhaupt umsetzbar sind und welche Herausforderungen bestehen. In erster Linie werden auf den Pilotalmen Auswirkungen in Bezug auf Tiergesundheit, Gewichtsentwicklungen, gelenkte Weideführung, Tierverluste, Hirtenarbeit, Vegetation und auch Kosten erhoben.
Seitens des Landes Tirol wird Herdenschutz auf freiwilliger Basis unterstützt. So unterstützte das Land Tirol seit dem Jahr 2020 den Einsatz von rund 900 GPS-Trackern mit Fördermitteln in Höhe von 67.000 Euro. Für Herdenschutzzäune gingen rund 700 Anträge ein, wofür insgesamt etwa 780.000 Euro ausbezahlt wurden. Damit konnten rund 200 Kilometer Herdenschutzzaun errichtet werden – das entspricht in etwa der Fahrtstrecke von Innsbruck nach Lienz. Zudem werden die drei Herdenschutz-Pilotprojekte jährlich mit rund 300.000 Euro gefördert. Die Almprojekte werden im kommenden Jahr mit einigen Anpassungen sowie dem Schwerpunkt auf gelenkte Weideführung fortgeführt.
„Tirol hat mit seiner kleinstrukturierten Almwirtschaft eine besondere Situation. Es geht um den Schutz der Almtiere und der Almwirtschaft. Unser langfristiges Ziel bleibt daher die reguläre Bejagung des Wolfes. Wichtig ist, dass wir im Anlassfall auch in Zukunft schnell reagieren und Abschüsse ohne langen bürokratischen Vorlauf veranlassen können. Jeder Nutztierriss durch einen großen Beutegreifer ist ein schwerer Verlust – wirtschaftlich wie auch emotional. Der heurige Almsommer hat zudem beispielsweise im Wipptal gezeigt, dass auch Herdenschutzmaßnahmen keinen hundertprozentigen Schutz bieten. Die bisherigen Erfahrungen aus den Herdenschutz-Pilotprojekten machen deutlich, dass der finanzielle Aufwand enorm ist und es für einen flächendeckenden Herdenschutz vor allem an speziell ausgebildetem Hirtenpersonal fehlt“, betont LH-Stv. Geisler abschließend.