Mehrere Pferde und Esel werden von Menschen auf einem Sandplatz geführt.

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Green Care am Linzerberg: Hoftafel für Streichelzoo

Die Auszeichnung ist ein starkes Signal für Inklusion und tiergestützte Therapie in Oberösterreich. Auch der Wert bäuerlicher Ressourcen wird so ersichtlich.

Am Linzerberg in Engerwitzdorf betreibt das Diakoniewerk Oberösterreich die Werkstätte „Erle“. Etwa 40 Menschen mit Beeinträchtigungen finden dort Beschäftigungsmöglichkeiten in naturnahen Arbeitsfeldern. Das Repertoire reicht von der Kochwerkstatt über die Grüne Gemeinschaftswerkstatt bis hin zum biozertifizierten Streichelzoo. Letzterer wurde nun als Green-Care-Betrieb zertifiziert und kürzlich mit einer Hoftafel ausgezeichnet.

Arbeit als Teilhabe - und Tiere als Brücke

Für das Diakoniewerk Oberösterreich ist die Zertifizierung ein Zeichen für die Qualität der Werkstätte Erle als inklusiver Lebens- und Arbeitsort. „Arbeit bedeutet, etwas Sinnvolles zu tun, gesehen zu werden und Teil der Gesellschaft zu sein. Mit natur- und tiergestützten Angeboten wie am Linzerberg schaffen wir Strukturen, die Menschen mit Beeinträchtigungen stärken und zugleich Begegnungen nach außen ermöglichen“, erklärt Claus Patri, Leiter der Werkstätte Erle.

Im Streichelzoo gibt es Pferde, Esel, Ponys, Rinder, Schafe, Ziegen und Hasen. Gemeinsam mit Mitarbeitern werden die Tiere gepflegt und versorgt – ein Alltag, der Vertrauen aufbaut und zur persönlichen Entwicklung beiträgt. „Im Streichelzoo entstehen Begegnungen, die ein Gefühl der Selbstwirksamkeit schaffen und soziales Lernen ermöglichen. Dabei sind sie verlässlich eingebettet in individuelle Begleitung“, so Patri.

Im Streichelzoo entstehen Begegnungen, die ein Gefühl der Selbstwirksamkeit schaffen und soziales Lernen ermöglichen. Dabei sind sie verlässlich eingebettet in individuelle Begleitung.

Claus Patri

Leiter der Werkstätte "Erl"

Fachliche Qualität durch pferdegestützte Angebote

Für die zertifizierten Green Care-Angebote am Linzerberg zeichnet Doris Hohenwallner verantwortlich. Sie ist ausgebildete Behindertenpädagogin, Supervisorin sowie Fachkraft für Heilpädagogische und Therapeutische Förderung mit dem Pferd. Darüber hinaus leitet sie die Ausbildung und die Landesgruppe Oberösterreich für Therapeutisches Reiten im Österreichischen Kuratorium für Therapeutisches Reiten (OKTR). In Kooperation mit dem Streichelzoo bietet Hohenwallner pferdegestützte Interventionen an. Vier Pferde und ein Großesel erweitern dafür den Tierbestand. „Pferde und Esel verfügen über ausgeprägte soziale Fähigkeiten und suchen die Interaktion mit Menschen. Diese Begegnungen nutzen wir therapeutisch und heilpädagogisch – wir vermitteln zwischen Mensch und Tier. Durch das unmittelbare Feedback der Tiere finden Menschen leichter Zugang zu sich selbst, entwickeln neue Regulationsmechanismen und eröffnen sich Schritt für Schritt neue Handlungsräume – jeweils im eigenen Tempo“, erläutert Hohenwallner.

Doris Hohenwallner und Claus Patri mit der neuen Hoftafel.

Doris Hohenwallner und Claus Patri mit der neuen Hoftafel in der Hand.

Der Streichelzoo ist zugleich eine Quelle für Selbstwirksamkeits-Erfahrungen.

Eine Ziege schaut zwischen den Holzgitterstäben hervor.

Wert bäuerlicher Ressourcen wird ersichtlich

Die Zertifizierung mache den Mehrwert von Green Care für die Landwirtschaft und die Menschen deutlich, betont Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich: „Am Linzerberg wird sichtbar, wie wertvoll bäuerliche Ressourcen für die soziale und pädagogische Arbeit sein können. Green Care ist nicht nur eine Form der Diversifizierung für unsere Betriebe, sondern erschließt diese Ressourcen für Menschen, die davon ganz besonders profitieren. So entsteht eine besondere Verbindung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft.“

Günther Mayerl, Geschäftsführer der Green Care Entwicklungs- und Beratungs-GmbH, unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Gerade im tiergestützten Bereich ist Qualität entscheidend. Die enge Kooperation mit dem Österreichischen Kuratorium für Therapeutisches Reiten und Partnern wie dem Diakoniewerk sichert diese Standards und stärkt zugleich die fachliche Vernetzung.“

Begegnungen mit Menschen, Entlastung für Familien

Auch der Bürgermeister von Engerwitzdorf, Herbert Fürst, und die Vizebürgermeisterin von Gallneukirchen, Regina Penninger, betonten in einer gemeinsamen Stellungnahme: „Der Linzerberg ist ein Ort, an dem Teilhabe konkret wird. Die Angebote entlasten Familien, schaffen Begegnungen und stärken unseren gemeinsamen Sozialraum.“ Denn der Streichelzoo ist auch ein besonderer Ort der Offenheit: Er steht nicht nur den Menschen der Werkstätte offen, sondern lädt auch externe Besucher ein. So entsteht ein Miteinander, das Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringt und die Region bereichert.

Betriebe als Partner

Höfe werden in Kooperation mit Sozialträgern und Institutionen zum Arbeits-, Bildungs-, Gesundheits- und Lebensort. So entstehen Angebote und Dienstleistungen für Menschen mit körperlichen oder seelischen Beeinträchtigungen oder Belastungen. Im Mittelpunkt steht die Interaktion zwischen Mensch, Tier und Natur.