Hofladen

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„Wir tun das, was wir gerne tun“

2018 stellt Familie Halbfurter von Milchvieh auf Mutterkuhhaltung um. Zugleich hielt eine neue Kultur auf den Flächen am Hof in Dölsach, Osttirol, Einzug: der Hanf.

Eigentlich war der Hanserhof von Familie Halbfurter in Dölsach bis vor einigen Jahren ein traditioneller Fleckviehzuchtbetrieb, wie man ihn in Tirol häufiger antrifft. Doch wie so oft im Leben reicht ein entscheidender Impuls, um den Stein ins Rollen zu bringen. Oder wie im Fall von Karin und Michael Halbfurter: die Hanfpflanzen in die Osttiroler Erde. „Ich habe auch den klassischen Betrieb voll gelebt. Dazu kamen dann verschiedene Projekte, die uns am Herzen lagen, wie Schule am Bauernhof oder Direktvermarktung, und irgendwann wurde das Arbeitspensum einfach zu viel. Einen Knackpunkt sehe ich in der Bürokratie, die wirklich viel Zeit verschlingt“, blickt Michael Halbfurter zurück.

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Michael und Karin Halbfurter vor ihrem Hanserhof in Dölsach.

Eine alte Kulturpflanze

Im Frühjahr 2015 besuchten Karin und Michael einen Vortrag zweier HTL-Schüler, die ihr Maturaprojekt den Einsatzmöglichkeiten des nachwachsenden Rohstoffes Hanf widmen wollten. Für das Projekt brauchten sie interessierte Bauern, die zum Versuchszweck Nutzhanf anbauen. „Das war die Herausforderung, die ich gesucht habe. Ich habe hinterfragt, warum ich bei dem Milchüberschuss, den wir in Österreich haben, noch Milch produzieren. Auf ackerfähigen Flächen könnte man schließlich direkt Lebensmittel anbauen“, sagt Michael Halbfurter.

Beim Feldversuch im Sommer stellt sich heraus: Der Anbau ist nicht das Problem. Im ersten Jahr ist das Hanffeld in der Nähe eines Radweges und sorgt so für wöchentliche Anzeigen bei der Polizei. Dabei ist Hanf eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt und vielseitig einsetzbar. Die Samen sind reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen. Dazu kommt ein ausgewogenes Verhältnis der Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren. Faserhanf birgt laut Halbfurter „ungeahntes Potenzial“ als Plastikersatz oder zur Herstellung von Dämmstoffen, Autoteilen und Kleidung. 2018 stellen Michael und Karin die Milchproduktion ein – mittlerweile erhält die Exekutive auch einen Lageplan der Hanffelder.

Der Hanfanbau war die Herausforderung, die ich gesucht habe.

Michael Halbfurter

Alles geht Hand in Hand

Vom Anbau bis zur Veredelung wird am Hanserhof alles selbst gemacht. Die Produktpalette reicht von Öl, Likör, Eistee und Mehl bis hin zu Müsli, Keksen und Karins eigenen Räuchermischungen. Verkauft werden die Produkte im Selbstbedienungshofladen und vielen Geschäften in Kärnten und Osttirol. Abwechslung ist das halbe Leben, lautet das Motto: Neben dem Hanf werden heute unter anderem auch Leinpflanzen, Sonnenblumen und Hafer angebaut – die Zutaten für das Halbfurter Hanfmüsli stammen also gänzlich aus eigener Produktion.

Diese Vielfalt sorge außerdem für eine vielfältige Fruchtfolge auf den Feldern und trage zur Bodengesundheit bei. Die Kreislaufwirtschaft ergibt sich dabei auf natürliche Weise aus der Arbeit am Hanserhof. 16 Kühe in Mutterkuhhaltung freuen sich über die Nebenprodukte aus der Lebensmittelproduktion, ihrerseits liefern sie wertvollen Wirtschaftsdünger für den Boden.Betriebsziel ist die Nutzung der gesamten Hanfpflanze. Während die Körner bereits verarbeitet werden, tüftelt Michael Halbfurter daran, auch die Fasern und Stängelreste nutzbar zu machen: „An einigen innovativen Projekten konnten wir schon mitarbeiten. An den Hersteller Leki haben wir Fasern für Trekking-Skistöcke aus Hanf geliefert. Zusammen mit der Firma ‚Spurart‘ aus Innsbruck konnten wir außerdem den ersten Hanf-Ski selbst bauen.“

Als staatlich geprüfte psychosoziale Beraterin bietet Karin Halbfurter zudem Ritualarbeit, Räucherseminare, Tages- und Wochenendseminare an und kümmert sich im Rahmen der Green Care um die pädagogische Arbeit am Hanserhof: „Die soziale Arbeit hat sich aus ‚Schule am Bauernhof‘ entwickelt. Bei Green Care stehen gruppendynamische Tage für Kinder- und Jugendliche, die Klassengemeinschaft und der respektvolle Umgang miteinander im Mittelpunkt. Aber auch die Arbeit mit Erwachsenen gehört für mich dazu.“

Die Aufgabenbereiche sind klar geregelt: Michael kümmert sich um den Hanf, Karin um die Seminare. Aber sie unterstützen sich gegenseitig, wenn Hilfe benötigt wird. „Die Freude an der Arbeit ist das Wichtigste. Manchmal kann man nicht in alten Traditionen verhaftet bleiben und muss damit brechen. Für uns hat es sich gelohnt: Wir tun das, was wir gerne tun“, sind sich Karin und Michael Halbfurter einig.

Bis auf den Honig werden alle Zutaten für die Hanfkekse am Hanserhof angebaut.

Kakse

Von Sonnenblumen- und Lein- bis zu Hanföl: Alles wird am Hof selbst gepresst.

Hanföl

Betriebsspiegel

Zusammen mit den vier Kindern Hannah, Laura, Michael und Ella leben und arbeiten Michael und Karin Halbfurter auf dem Hanserhof, einem Erbhof, der in 7. Generation bewirtschaftet wird. Neben 16 Kühen in Mutterkuhhaltung werden 30 Hektar bewirtschaftet, fünf davon entfallen auf Hanf. Die am Hof veredelten Produkte werden im Hofladen und in regionalen Geschäften verkauft. Auf dem Green-Care-zertifizierten Bio-Bauernhof werden zudem Seminare und Lebensberatung angeboten.

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